Jahrgang 
1912
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dessen Schluß die pädagogische Ergänzungsprüfung. Vom Beginn des Schuljahrs 1911/12 wurde er dann lt. Minist.-Verfügung vom 12. April 1911 zur Vertretung an die höh. Bürgerschule zu Schlitz entsandt. Durch Minist.Verfügung vom 19. September 1911 wurde er mit der Ver- waltung einer Lehrerstelle an der Ernst-Ludwig-Schule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1. Oktober dieses Jahres beauftragt.

Lt. Minist.-Verfügung vom 22. September 1911 wurde der Lehramtsreferendar Adolf Lutz zur Ableistung seines zweiten Vorbereitungsdienstjahres mit Beginn des Winterhalbjahrs an die Ernst-Ludwig-Schule zugelassen.

Adolf Lutz wurde am 8. März 1885 in Arnsheim, Rheinhessen, geboren. Von seinem 9. Lebensjahre an besuchte er das Progymnasium zu Alzey und später das Neue Gymnasium zu Darmstadt, wo er 1903 die Reifeprüfung bestand. Hierauf studierte er in Berlin und Gießen zunächst Jura, später Geologie, Botanik, Physik und Geographie und erwarb sich 1910 an der Landesuniversität Gießen die Lehrbefähigung für das höhere Lehramt. Nach beendetem Studium trat er als Mitglied in das pädagogische Seminar zu Gießen ein, dem er bis Herbst 1911 an- gehörte.

Die in evangelischer Religion kombinierten Klassen IIla, IIb, IIa wurden mit Beginn des Wintersemesters getrennt unterrichtet: Herr Pfarrer Wissig unterrichtete in Illa und Herr Pfarr- assistent z. Nieden in den vereinigten Klassen IIb, IIa. Dafür übernahm Herr Schulverwalter Fucks den seither von Herrn z. Nieden in den kombinierten Klassen VI und V erteilten Religions- unterricht. Auch die katholischen Religionsstunden wurden mit Rücksicht auf die Schüler der Oberklassen um eine vermehrt, so daß nach den Sommerferien der Unterricht in einer Abteilung in einer Wochenstunde und in 2 Abteilungen in je einer Wochenstunde erteilt werden konnte.

Anläßlich des Geburtstags Sr. K. H. des Großherzogs fand eine öffentliche Schulfeier statt, wozu die Eltern und Angehörigen der Schüler und Schülerinnen und eine Anzahl Gäste eingeladen waren. Im Anschluß an die vom Sängerchor vorgetragene MotetteGott grüße dich von Franz Mücke und das von der Schülerin E. Kohn, VI, deklamierteHessenlied von K. Schäfer folgte die Festrede des Lehramtsassessors Salomon:Die Bedeutung der Rheinbunds- zeit für das Großherzogtum Hessen. An das gemeinsam gesungene LiedHeil unserem Fürsten, Heil! schloß sich die deklamatorische Aufführung derAntigone von Sophokles nach einer von Oberlehrer O. Altendorf, Gießen, in 5füßigen jamben verfaßten Uebersetzung durch Schüler und Schülerinnen der Ila. Die Verteilung der Rollen war die folgende:

Antigone 3... QDOr. Stoll enn Töchter des Oedipus Eitsichfnemn Kreon, ihr Oheim, König von Theben. R. Freundlieb Euridike, dessen Gemahlin...... M. Kayser Haimon, beider Sohn....... C. Betz Teiresias, ein blinder Seher..... W. Altmannsperger Ein Bote......... H. Dietz

Ein Iotenwächter....... Ih. Hoddes Chor der Einwohner Thebens

Chorführer.... II. Draber Chorführerin... M. Fischer

Herr Dr. Strecker, der im Sommer die Antigone in der Obersekunda hatte lesen lassen, unter- zog sich in dankenswerter Weise der mühevollen Einstudierung des Stückes. Der Turnsaal der Ernst-Ludwig-Schule war durch Ausschmückung in einen stimmungsvollen Raum verwandelt worden, und das Podium, auf dem die Deklamatoren in griechischen Gewändern ihre Rollen hersagten, war bühnenartig hergerichtet. Die Zuhörer folgten dem Spiel in atemloser Spannung und sprachen am Schlusse allen Mitwirkenden in stürmischem Beifall ihre Anerkennung aus. Wir müssen nur bedauern, daß sich die Turnhalle auch diesmal für den großen Andrang der Besucher als zu klein erwies. Einem aus Elternkreisen geäußerten Wunsche nach Wiederholung der Feier entsprachen wir gern. Die 2. Aufführung am Montag, den 20. November fand einen ebenso dankbaren Zuhörerkreis wie die erste. Mit dem dieses Mal erhobenen Eintrittsgeld konnten die Kosten für Beschaffung der Kostüme teilweise gedeckt werden.

Am 25. November 1911 verlieh S. Königl. Hoheit der Großherzog dem Unterzeichneten das Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens Philipp des Großmütigen.