Jahrgang 
1912
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darunter 9 Schülerinnen, und Zuzug auswärtiger Schüler erhielt unsere Anstalt aus mehr als 8 Orten der Umgebung. Ein günstiger Moment für die Frequenzzunahme war auch der Wegfall der Obersekunda an den Realschulen zu Friedberg und Butzbach. In diesem raschen Anwachsen der Schülerzahl mochte die Stadtverwaltung wohl die Gewähr für eine gedeihliche Weiter- entwickelung unserer Schule zur Oberrealschule erblickt haben, denn sie bewilligte die Mittel zum Ausbau der Schule zu einer Vollanstalt und stellte entsprechenden Antrag bei Großherzogl. Regierung. So hoffen wir in freudiger Begeisterung, in Berücksichtigung der mehr idealen Interessen unserer Schule und der mehr praktischen und wirtschaftlichen Interessen der Stadt in nicht mehr ferner Zeit unsere Ernst-Ludwig-Schule zu einer Oberrealschule entwickeln zu können, die sich den andern Vollanstalten des Landes ebenbürtig an die Seite stellen kann.

Durch die Trennung der Unter- und Obersekunda in allen wissenschaftlichen Fächern wurde die Berufung einer weiteren Lehrkraft erforderlich. Durch Dekret vom 25. März 1911 wurde dem an der höh. Bürgerschule zu Butzbach definitiv angestellten Lehrer Otto Weide eine Lehrerstelle an der Ernst-Ludwig-Schule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1. April 1911 an übertragen.

Der auf Grund eingehender Beratungen des Lehrerkollegiums für die Klassen Sexta bis Obersekunda ausgearbeitete und vom Ministerium des Innern Abteilung für Schulangelegenheiten genehmigte Unterrichtsplan, der die Eltern unserer Schüler und Schülerinnen über die von diesen Klassen zu lösenden Aufgaben orientiert, ist in unserem vorjährigen Programm veröffentlicht und steht soweit der Vorrat reicht jedem Interessenten kostenfrei zur Verfügung. Wir beschränken uns deshalb diesmal auf die Mitteilung eines Verzeichnisses der eingeführten Lehr- bücher, auf die Angaben des fremdsprachlichen Lesestoffs und der Aufsatzthemata in den 3 oberen Klassen, die aus den Lehrplänen nicht ersichtlich sind.

Den Eltern, welche ihre Kinder unserer Anstalt anvertrauen wollen, wird dringend empfohlen, sie möglichst früh aufnehmen zu lassen, da der Eintritt in eine höhere Klasse als die Sexta für solche Schüler, die nicht von einer Realschule kommen, mit großen Schwierigkeiten verbunden ist und nur auf Grund einer eingehenden Prüfung erfolgen kann.

Gleichzeitig richten wir an die Eltern die ernste Mahnung, wenn irgend möglich, auch ihre Töchter die ganze Schule absolvieren zu lassen oder zum mindesten doch bis nach zurück- gelegter Untersekunda sie in der Anstalt zu belassen. Schülerinnen, die ohne Rücksicht auf die durchlaufenden Klassen vielleicht schon nach dem 8. Schuljahr, etwa aus der Obertertia, aus der Schule austreten, besitzen kein in sich abgeschlossenes Wissen. Der Lehrstoff, dessen Ver- arbeitung die Grundlagen einer höheren Bildung schafft, tritt in dem Lehrplan als ein festge- fügtes System auf, dessen volle geistige Vermittlung allein zum Ziele führt. Bis zur Erreichung dieses Zieles ist der erfolgreiche Besuch der Untersekunda unerläßlich.

Noch vor Schluß des Schuljahrs 1910/11 wurde durch Minist.Verfügung vom 27. März 1911 der Lehramtsreferendar Franz Otto Grün mit Wirkung vom 1. April 1911 zum Lehramts- assessor ernannt.

Lt. Minist.Verfügung vom 24. April 1911 wurde der Lehramtsassessor Wilhelm Hottes aus Friedberg als Volontär an die Ernst-Ludwig-Schule zugelassen. Er übernahm am 27. April 2 Stunden Physik(lIla), 2 St. Geometrie(IV), 2 St. Geometrie(IIIb), 2 St. Knabenturnen(IV, IIIb) und 1 Stunde Mädchenturnen(V), wurde aber schon am 10. Mai auf sein Nachsuchen aus dem hessischen Staatsdienst entlassen, um einem ehrenvollen Rufe als Oberlehrer an die Realschule zu Salzwedel zu folgen.

Durch Dekret vom 21. Juni 1911 wurde Herr Lehrer Weide zum Reallehrer an der Real- schule zu Butzbach mit Wirkung vom 1. Oktober 1911 ernannt. Unsere besten Wünsche be- gleiten den pflichttreuen Kollegen in seinen neuen Wirkungskreis.

Am 24. Juni beehrten die Herrn Geheimrat Süffert, Vorsitzender der Schulabteilung, und Geh. Oberschulrat Block aus Darmstadt unsere Anstalt mit ihrem Besuche und wohnten dem Unterricht in allen Klassen bei.

Den Tagesausflug unternahmen sämtliche Klassen am 27. Juni. Die Obersekunda fuhr mit der Bahn über Frankfurt und Höchst a. M. nach Lorsbach, machte von hier aus eine schöne Fußwanderung über Eppstein, den Kaisertempel, durch das Fischbachtal, über die Heilstätte Ruppertshein nach Königstein, von wo gegen Abend die Rückreise mit der Bahn erfolgte. Die Untersekunda ging früh morgens nach Friedberg, fuhr von da mit der Bahn über Hanau, Aschaffenburg nach Kahl. Eine reizende Fußtour über Alzenau und den Hahnenkamm führte die