Schulnachrichten.
1. Zur Geschichte der Anstalt.
Die Umwandlung unserer Ernst Ludwig-Schule in eine Realschule wird Ostern 1910 fortgesetzt durch Einrichtung der Real-Untersekunda. Wir veröffentlichen auf Seite 10 den auf Grund eingehender Beratungen des Lehrerkollegiums für die Klassen Sexta bis Untersekunda ausgearbeiteten und vom Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, genehmigten Unterrichtsplan, der die Eltern unserer Schüler und Schülerinnen über die von diesen Klassen zu lösenden Aufgaben orientiert und ein Verzeichnis der eingeführten Lehrbücher enthält.
Das Lehrpensum der Mädchenklasse Obersekunda ist in unserem ersten Jahresbericht Ostern 19006 veröffentlicht, der jedem Interessenten kostenfrei zur Verfügung steht.—
Trotz der in unserem vorigen Jahresbericht angekündigten Aenderung, daß die Latein- kurse in VI und V aus dort mitgeteilten Gründen in Zukunft wegfallen sollten, fühlten wir uns den Eltern gegenüber verpflichtet, den in Sexta begonnenen Lateinunterricht noch ein Jahr in Quinta fortzuführen. Die Eltern der 3 Lateinschüler verzichteten jedoch auf die Erteilung von Latein in Quinta, indem sie vorzogen, ihre Söhne bei uns abzumelden und sie dem Gymnasium in Friedberg anzuvertrauen. Diese für uns sehr unliebsamen Ueberraschungen zeigten aber, wie gering leider das hiesige Publikum die ihm von der Schule dargebotenen Vorteile, ihre Söhne, die später auf das Gymnasium sollten, die 2 ersten Jahre hier zu behalten, bewertet hat, und wie berechtigt die Forderung der Schulabteilung war, Lateinunterricht in der Sexta nicht mehr be- ginnen zu lassen.—
Den Eltern, die ihre Kinder unserer Anstalt anvertrauen wollen, wird dringend empfohlen, sie möglichst frühn aufnehmen zu lassen, da der Eintritt in eine höhere Klasse als die Sexta für- solche Schüler, die nicht von einer Realschule kommen, mit großen Schwierigkeiten verbunden ist und nur auf Grund einer eingehenden Prüfung erfolgen kann.—
Durch Errichtung der Real-Obertertia und Vornahme anderer Klassenkombinationen waren 9 Stunden mehr erforderlich als im vorausgegangenen Schuljahr. Durch Wegfall der Lateinkurse in Sexta und Quinta konnten diese Stunden erfreulicherweise leicht unter die Lehren- den verteilt werden.
Mit Beginn des Schuljahres traten im Lehrerkollegium folgende Veränderungen ein:
Die Schulverwalterin Frl. Mathilde Lorenz, die seit dem 1. Mai 1905 an unserer Anstalt wirkte, wurde durch Ministerial-Verfügung vom 22. März 19090 aus Gründen der Organisation mit Wirkung vom neuen Schuljahr an die hiesige Stadtschule versetzt. Gern hätte der unter- zeichnete Rektor die pflichtgetreue und gewissenhafte Lehrerin vor versammelter Schulgemeinde mit Worten des Dankes für ihre Tätigkeit an der Schule und Wünschen für die Zukunft ent-— lassen. Leider wurde Frl. Lorenz durch Krankheit vom Unterricht in der letzten Schulwoche ferngehalten, so daß der Rektor den Dank und die Anerkennung der Schule der scheidenden Lehrerin nur schriftlich aussprechen konnte.—


