Jahrgang 
1907
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Schulnachrichten.

1. Zur Geschichte der Anstalt.

Die Ostern 1905 begonnene Umwandlung unserer 7stufigen höheren Bürgerschule in eine Realschule mit der Berechtigung zum einjährigen Militärdienst schreitet im nächsten Schul- jahr zur Quarta vor. Wir betrachten es als eine heilige Pflicht, mit allen uns zu Gebote stehen- den Mitteln die Entwicklung und den Ausbau der Anstalt so zu gestalten, daß die Schule auch den an sie zu stellenden Anforderungen entsprechen kann. Auf Seite 9 folgt der auf Grund eingehender Beratungen des Lehrerkollegiums für Sexta, Quinta und Quarta ausgearbeitete und vom Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten genehmigte Unterrichtsplan, der über die von den neuen Klassen zu lösenden Aufgaben die nötige Klarheit giebt. Und wenn wir in unserem ersten Jahresberichte schrieben:Unsere Anstalt wird sich sicher entwickeln und heben können, wenn die Bewohner der Stadt und Umgegend die Anstalt suchen, fördern und ehren, für den Unterricht und die Erziehung ihrer Kinder die nötige Anzahl von Jahren gern in Ansatz bringen und die nötigen Opfer nicht scheuen, so dürfen wir heute erfreuſicherweise be merken, daß die immer steigende Frequenz der Schule beweist, daß wir der Anstalt in den Elternkreisen Interesse und Vertrauen erweckt haben und mit der Organisation auf dem richtigen Wege sind.

Die Verteilung der Lehrpensen auf die Mädchenklassen Untertertia(IIIb) bis Obersekunda (lla) ist in unserem vorjährigen Programm veröffentlicht und steht jedem Interessenten kostenfrei zur Verfügung.

Dem lateinischen Unterricht der Progymnasialklassen Sexta(VI) und Quinta(V) liegt der Lehrplan der Gymnasien des Großherzogtums Hessen vom jJahre 1893 zugrunde. Die an Stelle des obligatorischen französischen Unterrichts in VI und V eingerichteten lateinischen Kurse sind aber nur solchen Schülern zu empfehlen, die nach absolvierter Quinta das Gymnasium besuchen sollen. Reut die Eltern später die Wahl des Lateinkursus, dann ist der Uebertritt aus einer lateinischen Quinta in die lateinlose Quarta nur möglich, wenn das ganze französische Pensum für Sexta und Quinta nachgeholt wird, was ohne Opfer an Zeit und Geld nicht zu erreichen ist. Immerhin ist durch diese lateinischen Kurse den hiesigen Eltern die Möglichkeit geboten, ihre Söhne, die später auf das Gymnasium sollen, die zwei ersten Jahre hier zu behalten, was in Anbetracht der großen Gefahren, welche durch die Bahnfahrt gerade den jüngeren Schülern drohen, gewiß nicht gering anzuschlagen ist.

Noch vor Schluß des Schuljahrs 1005/00 wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 31. März 1906 der Lehramtsassessor Dr. Hermann Stockhausen zum Oberlehrer an der höheren Bürger- schule ernannt.

Die Entlassung der vorjährigen Abiturientinnen fand Dienstag, den 3. April 1906, nach- mittags 4 Uhr, im Turnsaale der Stadtschule in Gegenwart zahlreicher Eltern der Schüler und Schülerinnen und Freunde der Anstalt statt. An den musikalisch-deklamatorischen Teil der Feier