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2. Die lateinische Schule zu Babenhausen.)
„Eine bedeutsame Epoche in der Geschichte des hiesigen Schulwesens macht die Gründung einer lateinischen Schule in Babenhausen im Jahre 1605. Die Anregung dazu ging von dem damaligen Inspektor Hilbert aus, die Sache selbst aber wurde von der Herr- schaft, den Behörden und den Bürgern eifrig unterstützt. Bemerkenswert ist, dass auch der katholische Dechant zu Seligenstadt unter den Wohltätern dieser evangelischen Anstalt genannt wird. Zum Lokal für die lateinische Schule wurde das„ossorium“, das Beinhaus, bei der Stadtkirche eingerichtet, ein ursprünglich einstöckiges Gebäude, auf welches man damals noch ein Stockwerk setzte. Die Baukosten und die Kosten der Anschaffung der Schulgerätschaften, wozu man auch einige musikalische Instrumente und Musikalien zu Kirchenmusiken rechnete, wurden aus Kollekten bestritten, welche die Bürgerschaft lieferte, und aus Geschenken und Verehrungen einiger Adeligen, auch mehrerer Personen aus Hanau und Frankfurt. Herr Leopold Ludwig Gayling von Altheim schenkte der lateini- schen Schule Gefälle, welche er in Schaafheim zu beziehen hatte, im jährlichen Betrage von 1 fl 23 albus 7 Heller. Von anderer Seite wurde die Anstalt in den Genuss eines Erbpachtes gesetzt, welches von einem Cütchen in Harpertshausen floss und jährlich 2 Mltr. Korn betrug. Die Stadt-Kasse leistete jährlich 2 Mltr. Korn„von der pfrün“. Eine weitere regelmässige und in den ersten Jahren bedeutende Einnahme lieferte der Ertrag des Klingelbeutels, welcher nun auch in dem Nachmittags-Gottesdienste herumgereicht wurde, und dessen Ergebnis man der lateinischen Schule zuwies. Aus all diesen Ein- nahmequellen wurde ein eigner Fond gebildet, der die Schule zu unterhalten und die Lehrer zu besolden hatte.
Die lateinische Schule sollte nach dem ursprünglichen Plan zwei Lehrer haben, einen Rektor und einen zweiten Lehrer mit dem Titel Organist. Wahrscheinlich hat dieser zweite Lehrer auch an der deutschen Schule zu unterrichten gehabt.
Ueber den Lehrplan lässt sich nur allgemein sagen, dass der zweite Lehrer die Vorbereitungsklasse hatte; er sollte„diejenigen Knaben, welche sich zur Lateinität quali- ficieren, solange in seiner Information haben, bis selbige die declinationes und conjugatio- nes nebst den primitivis aus Cellarii vocabulario gefasset; auch sollte er täglich, um die musique in Flor zu halten, von 12 bis 1 Uhr mit denen Knaben, die musicam tam vocalem
uam instrumentalem, was die Violin betrifft, ohne Entgelt docieren; endlich sollte er, aferne derselbe studia academica besitzet, im Notfalle des rectoris vices über sich zu nehmen schuldig sein und die Knaben primae classis nach der Methode des rectoris in- formieren, wann etwa dieser erkranket, oder das Rektorat gar vakant sein sollte“, u. s. w.
Der Rektor hatte auf den gelegten Grund weiter zu bauen; ein Ziel konnte nicht vorgeschrieben werden; denn das hing davon ab, wie lange die Schüler standhielten; das weiteste Ziel war die maturitas zur Universität. Dass der Unterricht in der Religion sehr sorgfältig betrieben, und in der ersten Klasse das neue Testament, wo möglich, in der Ursprache gelesen wurde, das verstand sich von selbst. Aber auch die Realien sollten, als fürs bürgerliche Leben erforderlich, nicht vernachlässigt werden.
Sei es nun, dass man bei der Gründung der Anstalt auf eine grössere Unterstützung derselben von seiten der Herrschaft, wie der Stadt rechnete, oder dass man auf eine zahlreiche Teilnahme seitens der Bürgerschaft, eine reichlichere Zahl von Schülern, viel- leicht auch von auswärts rechnete,— in einer oder der anderen, wohl auch in beiden Beziehungen hatte man sich getäuscht. Eine grosse Ausdehnung und Bedeutung erhielt die lateinische Schule nie.
*) Mitteilungen aus der Chronik der evangelischen Gemeinde Babenhausen, die im Jahre 1858 von dem 2. Pfarrer Karl Müller angefangen und in den Jahren 1864—1867 verfasst wurde.


