Jahrgang 
1906
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Der erste Rektor, Johann Christoph Finger, war auch der einzige, welcher diese Stelle, und zwar nicht ganz zwei jahre, allein bekleidete. Er wurde 1697 zweiter Pfarrer und behielt das Rektorat bei. Ebenso waren die nachfolgenden zweiten Pfarrer zugleich Rektoren, nicht immer zum Feile der Anstalt. Schon im jahre 1710 zählte die erste Klasse nur 5 Schüler, und der damalige Rektor und Pfarrer trug kein Bedenken zu erklären, dass sein Pfarramt ihm Haupt-, das Schulamt ihm Nebensache sei.

Einen hohen Aufschwung hätte die Schule unter Rektor Walthers Leitung nehmen können.(Philipp Georg Albert Walther, Sohn des 1607 verstorbenen hiesigen 2. Pfarrers Walther, der vorher in Rüdigheim Pfarrer gewesen war, wurde am 7. p. trin. 1727 dahier angestellt. Mitten in einer, wie es scheint, recht erfolgreichen Tätigkeit wurde er durch die nach dem Tode Joh. Reinhards, des letzten Grafen von Hanau, entstandenen Erbfolge- streitigkeiten gestört und seinem Amte entzogen.) Mit vorzüglichem Eifer und Geschick, dabei ausgerüstet mit guten Kenntnissen, nahm er sich der ihm mit dem Pfarramt über- gebenen lateinischen Schule als Rektor an. Er liess ein Programm, in lateinischer Sprache geschrieben, drucken, führte zweckmässigere Lehr- und Lernbücher ein und machte sehr zweckmässige Vorschläge zur Reorganisation der Anstalt. Wenn auch das Konsistorium die etwas souveräne Art, mit der er verfuhr, nicht billigte, so konnte es doch seinen Aenderungen die Genehmigung nicht versagen. Als Walther suspendiert wurde, waren nur 5 Schüler da, für deren Unterricht gesorgt werden musste.

Unter den nun folgenden Pfarrern sank das Interesse an der Anstalt immer mehr und man weiss nicht, wer eigentlich recht gehabt habe, ob die Pfarrer, welche sagten, es fehle aller Eifer von seiten der Schüler, oder die Bürger, welche beklagten, dass die Pfarrer keine Rektoren sein möchten oder könnten. Aber es fehlte auf der anderen Seite auch an tüchtigen zweiten Lehrern, bei deren Anstellung man nur die Qualifikation für die deut- sche Schule in Anschlag gebracht zu haben scheint. Im jahre 1767 stellte Stadtschultheiss Weitzel dem Konsistorium vor, dass, weil der Organist Salzmann, welcher die zweite Lehrerstelle an der lateinischen Schule bekleiden sollte, nicht die Fähigkeit besitze, den vorbereitenden Unterricht in der lateinischen Sprache zu erteilen, man aber dem 2. Pfarrer nicht zumuten könne, den Schülern die Anfangsgründe in den Sprachen beizubringen, der kürzlich ernannte deutsche Schullehrer Roode aber in fremden Sprachen bewandert sei, die Bürgerschaft recht sehr wünsche, es möge letzterem gegen eine Remuneration von 20 fl jährlich der vorbereitende Unterricht in Sprachen übertragen werden.

Später aber Jahr und Tag lassen sich nicht ermitteln ist die lateinische Schule allmählich eingeschlafen, und nichts ist davon übrig geblieben als die Verpflichtung des zweiten Pfarrers:Bürgersöhne, welche sich für höhere Wissenschaften ausbilden wollen, in der lateinischen und griechischen Sprache und anderen damit in Verbindungen stehenden Lehrgegenständen unentgeltlichen Unterricht zu erteilen eine sehr umfassende, aber eben darum ungenaue und sehr dehnbare Bestimmung.

Hiermit schliesst der Bericht in der Chronik über die lateinische Schule. Genau 200 Jahre nach ihrer Gründung ist(1895) an ihrer Stelle die jetzige höhere Bürgerschule ins Leben gerufen worden.