Jahrgang 
1876
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worden, uns bei Herſtellung des Programms für dieſes Jahr innerhalb des budgetmäßig dafür zur Verfügung ſtehen⸗ den Credites zu halten, während in Bezug auf das in künftigen Jahren einzuhaltende Verfahren weitere Entſchließungen der Behörde vorbehalten worden ſind.

In Folge dieſer höchſten Verfügung iſt es uns zu unſerm Bedauern nicht möglich, die durch die Teubner'ſche Verlagshandlung bereits den im Programmentauſch ſtehenden Schweſteranſtalten angekündigte und fertig vor uns liegende Abhandlung des Collegen Schwabeüber die Bedeutung der Geographie als Unterrichtsgegenſtand diesmal zum Abdruck zu bringen; wir hoffen aber, daß uns im nächſten Jahr die Mittel nicht fehlen werden, dieſelbe in unſerm Programm zu veröffentlichen.

10. Den 2. September 1875, als den Gedächtnißtag der Schlacht bei Sedan, feierten wir diesmal durch ein öffentliches Schauturnen in unſerm geräumigen, mit vaterländiſchen Fahnen geſchmückten Schulhof, wobei die Schüler unter Leitung der Collegen Pabſt, Heddäus und Heuſel ſowohl in Frei⸗ und Ordnungsübungen, als auch in mannigfachen Geräthübungen Proben ihrer Anſtelligkeit, Gewandtheit und Kraft ablegten und von den zahlreich an⸗ weſenden Eltern und Schulfreunden mit reichem Beifall belohnt wurden. Zur Abwechslung und zur Erhöhung der Nee wuden in den Pauſen patriotiſche Geſänge vorgetragen, und gegen den Schluß hielt der Unterzeichnete folgende nſprache: Heute kehrt zum fünftenmal der Tag wieder, an welchem im Jahr 1870 die Tapferkeit und Aus⸗ dauer unſerer deutſchen Heere unter der umſichtigen Leitung ihrer kühnen Führer in dem mit frevelhaftem Uebermuthe von unſerm Nachbarvolk im Weſten uns aufgedrungenen Krieg den entſcheidenden Sieg er⸗ focht. Vier Wochen hatten hingereicht, unter fortwährenden Kämpfen und Siegen unſre kampfes⸗ und todesmuthigen Brüder bis in das Herz Frankreichs zu führen; da erfolgte in den Tagen vom 30. Auguſt bis zum 2. September der entſcheidende Schlag von Sedan, der die franzöſiſche Hauptarmee vernichtete und den franzöſiſchen Kaiſer als Gefangenen in unſere Gewalt brachte. War der Krieg damit auch noch nicht völlig zu Ende, koſtete es auch faſt noch ein halbes Jahr und Ströme von Blut, bis der früher ſo übermüthige und ſiegesgewiſſe Feind ſeine Schwäche geſtehen und demüthig um Frieden bitten mußte, ſo kann doch darüber kein Zweifel ſein, daß bei Sedan die eigentliche Entſcheidung des gewaltigen Völker⸗ kampfes erfolgte, an der alle nachfolgenden Anſtrengungen und Wagniſſe des zorn⸗ und racheglühenden Feindes keine Aenderung mehr herbeizuführen vermochten. Darum ſchlägt denn unſer Herz jedesmal, wenn der 2. September wiederkehrt, höher, und mit unſerm Dank gegen Gott, den Lenker der Schlachten, verbindet ſich unſer inniger Dank gegen alle Führer und Kämpfer unſrer ſiegreichen Heere, daß ſie uns durch ihre heldenmüthige Tapferkeit und mannhafte Ausdauer von der großen Gefahr der Ueberwältigung durch einen übermüthigen, frevelhaften Feind be⸗ wahrt, unſerm Vaterlande ſeine Freiheit und Unabhängigkeit geſichert und dem deutſchen Schwerte wie dem deutſchen Namen wieder Achtung in der Welt erworben haben. Und dieſe unſre Freude wird noch größer, wenn wir daran denken, welche ſegensreichen Folgen ſich für die innere Entwickelung unſres theuren Vaterlandes an den glücklichen Ausgang des Kampfes mit Frankreich angeſchloſſen haben. Dem glorreichen Sieg über unſern Erbfeind verdanken wir ja die Wiederaufrichtung des deutſchen Reiches und der Kaiſerwürde, welche uns zwei Menſchenalter hindurch abhanden gekommen war. Dadurch aber iſt für die vorher zerſplitterten, gar oft eiferſüchtig und feindlich einander gegenüber ſtehenden Stämme unſres Volkes die längſt erſehnte Einigung wieder hergeſtellt, die uns im

Krieg ſtark und unüberwindlich, im Frieden glücklich und zufrieden macht und uns darum allen Ereig⸗ niſſen der Zukunft ruhig und getroſt entgegenſehen läßt..

Aus dieſen Gründen alſo feiern wir und feiert ganz Deutſchland den heutigen Tag als einen Freuden⸗ und Ehrentag unſres Volkes. Sollte ſich aber wider Verhoffen vielleicht hier und da noch eine engherzige oder verblendete Seele finden, die in den allgemeinen Jubel nicht einſtimmt, ſo ſoll uns das

in unſrer Feſtfreude nicht ſtören, ſondern nur zu dem Wunſche uns Anlaß geben, daß Gott bald allen unſern deutſchen Brüdern die Augen öffnen möge, damit ſie mit uns dankbar erkennen, welch großen Seer har glückliche Ausgang des Kampfes mit Frankreich unſerm Vaterland und Volksthum ge⸗ bracht hat. 4 Mit unſerm Dank für dieſen Segen muß ſich aber, wenn der heutige Tag ſeiner Bedeutung voll⸗ kommen entſprechen ſoll, das Gelübde verbinden, daß wir die hohen Güter, welche uns der erſochtene Sdieg erworben hat, auch mit Aufbietung aller unſrer Kräfte unſerm theuren Vaterlande erhalten und bewahren wollen. Und dieſe Aufgabe fällt namentlich dir, liebe Jugend, die ich hier um mich verſammelt ſehe, demnächſt zu. Ihr ſeid zwar jetzt noch meiſtens Knaben im zarten Alter; aber die Zeit eilt ſchnell Koahin, und bald werden aus Euch Jünglinge und Männer werden, die berufen ſind, an allen öffent⸗ lichen Angelegenheiten unſtes Volkes thätigen Antheil zu nehmen. H, dann haltet es für eine Chren⸗

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