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pflicht, die Einheit und Unabhängigkeit unſres Vaterlandes, welche das Geſchlecht der Jahre 1870 und 1871 mit ſchweren Opfern erkämpft hat, unverſehrt zu bewahren und als ein heiliges Vermächtniß Eurer Väter den kommenden Geſchlechtern ungeſchmälert zu überliefern. Euch dazu in den Stand zu ſetzen, iſt eine Hauptaufgabe der an Euch geübten Erziehungsthätigkeit Eurer Eltern und Lehrer.
Was unſre Schule betrifft, ſo glaubt ſie das ihr Zukommende redlich zu thun, um Liebe zum Vaterlande in Euch zu pflanzen und Euch zu befähigen, Eure Pflichten gegen daſſelbe einſt treu und erfolgreich erfüllen zu können. Wie ſie dies nach der geiſtigen und ſittlichen Seite hin zu erreichen be⸗ ſtrebt iſt, das will ſie jedes Jahr an den Tagen der Schulprüfung zeigen; daß ſie es aber auch nach der leiblichen Seite hin thut, davon wollten wir heute einen öffentlichen Beweis ablegen. Darum haben wir unſrer diesmaligen Sedanfeier die Form eines Schauturnens gegeben und hoffen, daß ſich die ver⸗ ehrten Anweſenden durch die vorgeführten Uebungen überzeugt haben werden, in welcher Richtung und mit welchen Abſichten das Turnen gegenwärtig bei uns betrieben wird.
Nicht mehr ſind es die kühnen Wagſtücke, die ſtaunenswerthen Kraftleiſtungen, die geſchmeidigen Gliederbiegungen einer früheren Periode der Turnkunſt, auf die wir den Hauptwerth legen— obgleich auch dieſe Uebungen, wie Sie gleich nachher ſehen werden, als freiwillige Leiſtungen nicht ganz von unſerm Turnplatz verbannt ſind— ſondern heut zu Tage ſtehen beim Schulturnen die Frei⸗ und Ordnungsübungen im Vordergrund, welche zwar auch dem Körper Kräftigung, Gewandtheit, Anſtelligkeit und Geſundheit geben, zugleich aber auch ein bedeutendes geiſtiges Bildungselement enthalten, indem ſie den Knaben an geſpannte Aufmerkſamkeit, an raſches und pünktliches Ausführen eines erhaltenen Befehls, an Beherrſchung ſeines Willens, an feſten Anſchluß an ſeine Neben⸗ und Vorder⸗Männer und an be⸗ wußte und willige Unterordnung unter die Zwecke eines größeren Ganzen gewöhnen. Daß aber gerade in dieſen Eigenſchaften des künftigen Mannes die Garantie für die Erreichung großer Gemeinſchaftszwecke im Frieden und im Kriege liegt, bedarf keines Beweiſes, und darum wird es denn keinem Widerſpruch begegnen, wenn ich behaupte, daß das in dieſer Weiſe betriebene Turnen namentlich die beſte Vorbereitung für den künftigen Wehrdienſt im vaterländiſchen Heere iſt. Zu dieſem Dienſte aber werdet Ihr alle, meine lieben Schüler, in kürzerer oder längerer Friſt berufen ſein. Möchtet Ihr alsdann in demſelben Eure Schuldigkeit ſo thun, wie ſie die deutſchen Krieger der Jahre 1870 und 1871 gethan haben.
Wer dieſe aber zu Kampf, Sieg und Ruhm geführt hat: o Ihr wißt es; es war der jugendlich kühne Held im Silberhaar; derſelbe ehrwürdige Greis, der noch heute mit Umſicht, Gerechtigkeit und Wohlwollen die Geſchicke Deutſchlands lenkt und dem unſer Herz darum mit Ehrfurcht, Dank und Liebe entgegenſchlägt. Möge ihn Gott noch lange an der Spitze des deutſchen Reiches erhalten! Dieſem Wuniche, der in unſer aller Bruſt wohnt, laßt uns heute einen lauten Ausdruck geben, indem wir Lnmüithig rufen:
Lange und hoch lebe unſer vielgeliebter Kaiſer Wilhelm!
11. Am 6. November 1875 ſtarb an Diphtheritis Hans Brück, Schüler unſrer VIll. Klaſſe, ein Knabe, der durch ſeine ganz außergewöhnliche Begabung zu großen Hoffnungen berechtigte und wegen ſeiner Naivität und Treu⸗ herzigkeit der Liebling der ganzen Schule war, deſſen plötzlicher Tod darum die allgemeinſte Trauer in unſeren Kreiſe erregte.
12. Die Vergünſtigung unentgeltlichen Schulunterrichts wurde im laufenden Schuljahre 6 Schülern auf Nachſuchen und nach Beibringung der vorſchriftsmäßigen Zeugniſſe durch Beſchluß der Lehrerconferenz zugeſprochen.
13. An Geſchenken ſind im verfloſſenen Schuljahre eingegangen:
a. Am 19. März 1875 von der Großh. Centralſtelle für die Landesſtatiſtik: Der 14. Band der Beiträge zur Statiſtik des Großherzogthums Heſſen. b. am 20. März von der derag he lung F. A. Herbig: Elementar⸗Grammatik der franzöſiſchen Sprache von Dr. Carl Plötz, 10. Auflage, Berlin 1874 2 ſer am 20. April von der Verlagshandlung von F. Tempsky in Prag: Curtius griechiſche Schulgrammatik, 11. Auflage. d. am 21 April von der C. G. Lüderitz'ſchen Verlagshandlung in Berlin: Grundriß der Chemie von F. E. F. Rommelsberg, 4. Auflage, Berlin 1874.) e. am 13. Mai von Herrn Buchdrucker Weber in Alzey: der deutſch⸗ franzöſiſche Krieg. Eine Vertheidigung der bentſchen Sache, wie ſie in England im Jahr 1870 veröffentlicht worden iſt, von Sir J. G. T. Sinclair, erlin 187 f. am 14. Mai von der Verlagshandlung von R. Voigtländer in Kreuznach: 2 Exemplare von 8 C. An⸗ dräs Erzählungen aus der Weltgeſchichte, 5. Auflage, Kreuznach 1875.


