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D. Schulchronik.
1. Durch Allerhöchſte Entſchließung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 29. Juni 1874 wurde dem proviſoriſchen Reallehrer Heinrich Kolb die von ihm bis dahin verwaltete Stelle an der Anſtalt definitiv über⸗ tragen.—.
2. Am 17. und 18. März 1875 wurde die Anſtalt durch den Großherzoglichen Oberſchulrath Herrn Hof⸗ rath Becker einer eingehenden Inſpection unterzogen.
3. Am 12. April 1875 machten die Schüler der Realklaſſen unter Führung ſämmtlicher Lehrer einen Ausflug nach Frankenthal zur Beſichtigung der dort in der Hütte des Herrn Andreas Hamm gegoſſenen majeſtätiſchen Kaiſerglocke, welche Tags vorher unter großen Feierlichkeiten auf dem dortigen Marktplatze enthüllt worden war und im Begriffe ſtand, ihre Reiſe nach Köln auf dem Rhein anzutreten. Auf dem Rückweg wurde in Worms das Lutherdenkmal, der Dom und die Schiffbrücke unter entſprechender Belehrung der Schüler betrachtet.
4. Durch Allerhöchſtes Decret vom 16. April 1875 wurde dem Gymnaſiallehramts⸗Acceſſiſten Dr. Philipp Wiederhold die bisher proviſoriſch verwaltete Lehrerſtelle an der Anſtalt definitiv übertragen.—
3 5. Durch Decret Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 1 2. Mai 1875 wird der proviſoriſche Lehrer Hugo Brehme mit der proviſoriſchen Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Darmſtadt beauftragt.
6. Durch Allerhöchſtes Decret vom 12. April 1875 wird der bisherige Lehrer am Gymnaſium zu Darmſtadt Dr. Ludwig Textor zum Lehrer an der hieſigen Anſtalt ernannt. Da derſelbe aber gleichzeitig Krankheits halber be⸗ urlaubt wurde, ſo wird
7. durch Verfügung Großherzogl. Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 2. Juni 1875 dem Candidaten der Philologie Arnold Garnier aus Groß⸗Buſeck die proviſoriſche Verwaltung der frag⸗ lichen Lehrerſtelle an unſerer Anſtalt übertragen, welche derſelbe auch bis zum 19. Juli verſehen hat, an welchem Tag Dr. Textor in die Stelle eintrat. Derſelbe theilt über ſeinen Lebenslauf Folgendes mit:
Ludwig Wilhelm Textor, geboren am 22. Junt 1837 zu Steinfurth in der Wetterau, wo ſein Vater Pfarrer war, bezog ein Jahr nach ſeiner Confirmation das Gymnaſium zu Darmſtadt, deſſen Oberclaſſen er abſolvirte. Auf der Landesuniverſität Gießen ſtudirte er altelaſſiſche Philologie, machte nach abgelegtem Facultätsexamen den vorge⸗ ſchriebenen Acceß am Gymnaſium zu Büdigen, erwarb die philoſophiſche Doctorwürde und wurde zum proviſoriſchen Lehrer an der letzteren Anſtalt ernannt, welche Stelle er bis zum Herbſte 1867 bekleidete. Mit Urlaub verſehen, nahm er damals die auf ihn gefallene Wahl der evangeliſchen Gemeinde zu Wien als Lehrer der Geſchichte, der Geographie und des Deutſchen an der dortigen evangeliſchen Realſchule an. Als im Herbſt 1870 das neue öſterreichiſche Reichs⸗ ſchulgeſetz den evangeliſchen Schulvorſtand veranlaßte, die Realklaſſen aufzuloͤſen und nur die Hauptſchule als allgemeine, confeſſionsloſe Privatſchule weiter beſtehen zu laſſen, kehrte er nach Heſſen zurück, nachdem er eine an dieſer Anſtalt ihm angebotene Stelle als ſeinen Studien nicht entſprechend abgelehnt hatte. Im December 1870 wurde er von Groß⸗ herzoglicher Oberſtudiendirektion zum proviſoriſchen Lehrer an der Realſchule zu Alsfeld ernannt, wo er verweilte, bis ihn am 29. September 1871 ein Decret des Großherzogs von Heſſen als definittven Lehrer an das Gymnaſium zu Darmſtadt berief. Am 12. April 1875 wurde er an die Realſchule zu Alzey verſetzt.— Seine publieiſtiſche Thätigkeit bewegt ſich auf ſprachlichem, pädagogiſchem und belletriſtiſchem Gebiet.
8. Unterm 12. Juni 1875 wird der unterzeichnete Direktor durch Wahl des Kreisausſchuſſes des Kreiſes Alzey Mitglied der Kreisſchulcommiſſion. 1 1, id e
9. Durch Reſcript Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 7. Juni 1875 werden wir benachrichtigt, daß auf Vorſchlag des Königlich Preußiſchen Miniſteriumis der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medicinal⸗Angelegenheiten unter ſämmtlichen deutſchen Staatsregierungen, mit Ausnahme Bayerns, bezüglich des bisher beliebig und beſchränkt ſtattgefundenen Programmenaustauſches der höheren Unterrichtsanſtalten des Reiches eine Uebereinkunſt dahin getroffen worden ſei, daß dieſer Austauſch in Zukunft von der B. G. Teubner'⸗ ſchen Verlagshandlung in Leipzig in einer näher vereinbarten Weiſe und gegen einen von jeder an dem Austauſch ſich betheiligenden Lehranſtalt zu entrichtenden Jahresbeitrag von 9 R vermittelt werden ſolle. Die Zahl der in dieſen Programmenaustauſch eingetretenen höheren Unterrichtsanſtalten beträgt bis jetzt 575, nnd ſoll es jeder der⸗ ſelben freiſtehen, ſich diejenigen Programme anderer Anſtalten zu beſtellen, welche für ſie entweder durch die darin enthaltenen Schulnachrichten, oder eine darin veröffentlichte Abhandlung von beſonderem Intereſſe ſind.“O
In Folge dieſer Uebereinkunſt wurden von unſerm vorliegenden Programm nicht weniger als 394 Exemplare von fremden Anſtalten in Anſpruch genommen. Da aber der hierdurch erwachſende Mehraufwand an Koſten in keinem Verhältniß ſteht ſowohl zu den für die Herausgabe von Programmen maßgebenden Zwecken, als auch ins⸗ beſondere zu den dafür verfügbaren Mitteln, ſo erſcheint die Ausführbarkeit der verahredeten Linrictung vorerſt in Frage geſtellt. Wir ſind deßhalb durch einen neueren Erlaß höchſter Schulbehörde vom 2. März 1 76 angewieſen
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