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fort:„Soll aber in unſerm Vaterlande von den eben genannten Fortſchritten in den practiſchen Wiſſenſchaften und den glücklichen politiſchen Geſtaltungen der möglichſt große Nutzen gezogen werden, ſo muß dem Volke, insbeſondere der ehrenwerthen Bürgerklaſſe, die dazu berufen iſt, den Produkten der Natur den Stempel des menſchlichen Verſtandes aufzudrücken und dieſelben für die tauſendfältigen Bedürfniſſe des Lebens zu formiren, die geeignete Bildung gegeben werden. Dazu reichen die bishe⸗ rigen Schulen, weder die niederen, noch die höheren, nicht aus, und es wird allgemein das Bedürfniß einer dritten Art von Schulen gefühlt, das der Realſchulen nämlich. Der Zweck dieſer Anſtalten iſt ſo bedeutend, daß er ebenſo den, der nur auf das Nützliche ſieht, wie denjenigen, der für das Schöne und Hohe fühlt, für ſich gewinnt: ſie ſollen dem Volke induſtrielle und nationale Bildung geben. Das Volk ſoll durch ſie in den Stand geſetzt werden, die Aufſchlüſſe, welche die Wiſſenſchaft über das Weſen und Wirken der Naturkräfte gewonnen, die Erfahrungen, welche eine kluge Berechnung und Beobachtung über leichtere und beſſere Bereitung der Kunſtprodukte gemacht, und die Hülfsmittel der Induſtrie, welche Scharfſinn und Fleiß erſonnen und geſammelt haben, für die Erzielung von Werth und Gut zu benutzen,— alſo ganz eigentlich Gold zu machen, wozu der Menſch Verſtand und Arbeit braucht und weiter nichts.— Das Volk ſoll aber auch durch ſie, was noch höher iſt, zum Selbſtge⸗ fühl, zur Sittlichkeit und politiſchen Tüchtigkeit erhoben werden. Im gründlichen Studium der ſinn⸗ tiefen Sprachen tiefſinniger Väter ſoll hier die deutſche Jugend Kraft der Gedanken und Klarheit des Verſtandes gewinnen. Indem ihr die Hallen der Geſchichte aufgehen, ſoll ſie ſchauen, wie hoch und herrlich die geweſen ſind, die einſt auf unſern Bergen gewandelt und aus unſern Quellen getrunken haben, wie ſchlicht ihr Sinn, wie fromm ihr Herz, wie wahr ihr Wort und wie entſcheidend ihre That; ſoll ſie erglühen zur Nacheiferung; ſoll ſie lernen das Vaterland lieben, am Recht halten, Gott ehren.“
Die„höhere Bildungs⸗ und Realſchule“, wie man unſere Anſtalt anfangs nannte, wurde am 30. Januar 1841 mit 5 Hauptlehrern nebſt einem Hülfslehrer und mit 51 Schülern(29 evangeliſchen, 12 katholiſchen und 10 israelitiſchen) eröffnet. Dieſe Schüler hatten ein Alter von 10— 14 Jahren und wurden in 2 Abtheilungen unterrichtet, wovon die obere vorerſt als Unterklaſſe, und die untere als Präparandenklaſſe bezeichnet wurde. Zur Ertheilung des evangeliſchen und katholiſchen Religionsunterrichts wurden die betreffenden Geiſtlichen erſehen, die ſpäter auch noch andere Fächer übernahmen. Schon nach einigen Monaten betrug die Zahl der Schüler 75, wodurch ſofort die Bil⸗ dung einer dritten Abtheilung nothwendig wurde. 1842 ſiieg die Anzahl der Schüler auf 83, die nunmehr mit Rückſicht auf Alter, Befähigung und Kenntniſſe in 4 Claſſen getheilt werden mußten, wodurch zugleich die Anſtellung eines weiteren und ſpäterhin noch eines fünften Hauptlehrers nöthig wurde.
Durch die im Jahr 1859 errichtete, mit der Anſtalt verbundene Vorbereitungsſchule für Knaben von 6— 10 Jahren, ſeit 1861 fünſte Claſſe der Realſchule, hat die Anſtalt noch eine Erweiterung nach unten erhalten. Gegenwärtig beſteht das Lehrerperſonal derſelben aus 6 ordentlichen und 4 außerordentlichen Lehrern.
Schon bei der Gründung der Anſtalt war der Stadtvorſtand dafür beſorgt, der zu erwartenden Ausdehnung derſelben entſprechend, ein geeignetes Schulgebäude errichten zu laſſen, das mit einem geräumigen, ſpäter zu einem Turn⸗ und Spielplatze eingerichteten Hofe verſehen, als eines der ſchönſten Realſchulgebaude im Lande gelten kann, und ſchon im Jahre 1843 ſeiner Beſtimmung übergeben wurde. Im Herbſte deſſelben Jahres wurde auch ſofort der Turnunterricht an der Anſtalt eingeführt.
Bezüglich der lateiniſchen und griechiſchen Sprache und der ſogenannten Realien zerſielen die Schüler in Latiniſten und Realiſten(auch die humaniſtiſche oder ſtudirende und realiſtiſche Abtheilung ihrer Glaſſe genannt), die in den beiden Oberklaſſen in den meiſten Fächern(Deutſch, Franzöſich, Ma⸗ thematik, Phyſik, Zeichnen) theilweiſe einen beſonderen Unterricht erhielten, während die Latiniſten der Unterklaſſen ſich an allen Stunden der Realiſten betheiligten. Dieſe Einrichtung beſtand bis zum Jahre 1850, von welcher Zeit an, wie noch jetzt, die Latiniſten der beiden Oberklaſſen vom Unterrichte im Engliſchen und theilweiſe auch im Zeichnen und in der Botanik dispenſirt ſind. enn Aufu


