Jahrgang 
1866
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ur Gelchichte der Veallchule zu Ilzey.

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Die Realſchule zu Alzey ſieht nunmehr auf ein Vierteljahrhundert ihres Beſtehens zurück, und es dürfte daher von Intereſſe ſein, einen kurzen Ueberblick über ihre 25 erſten Lebensjahre zu geben.

Nachdem ſchon unter Kurpfälziſcher Regierung ſtets eine ſogenannte lateiniſche Schule(Rectorat) zu Alzey beſtanden, die ſpäter, wie noch in den 1830er Jahren, durch Privatinſtitute erſetzt wurde, gab ſich, namentlich nach Errichtung des hieſigen Bezirksgerichts, bei der Bürgerſchaft und den Be⸗ amten der dringende Wunſch nach einer Schulanſtalt zu erkennen, worin außer den allgemein wich⸗ tigen Gegenſtänden und den Realien auch alte Sprachen und Franzöſiſch unterrichtet würden. Für die Verwirklichung dieſes Wunſches waren insbeſondere der damalige Großherzogliche Kreisrath. Müller, Lederfabrikant W. Preetorius und Bürgermeiſter Peerrot thätig, welche letzterer auch als Landtagsabgeordneter im Jahre 1839 durch ſeinen wohl motivirten Antrag in der Ständekammer die Bewilligung eines jährlichen Zuſchuſſes von 600 fl. zu den Koſten der Realſchule durchſetzte, ſo daß mit der allerhöchſten Orts erfolgten Sanction dieſes Saatsbeitrages der projectirten Schule zugleich der Charakter als Staatsanſtalt ertheilt wurde. Von Seiten des hieſigen Stadtvorſtandes aber wurden die außer dem Staatsbeitrage und dem zu erwartenden Schulgelde noch fehlenden Mit⸗ tel mit der größten Bereitwilligkeit in Ausſicht geſtellt. 1

Mit Rückſicht auf die verſchiedenen ſich geltend machenden Wünſche wurde höheren Orts di Tendenz der zu errichtenden Anſtalt in folgender Weiſe normirt:Erweiterte und höhere Schulbildung, als ſie in den gewöhnlichen Bürgerſchulen erlangt wird, namentlich alſo für realiſtiſche Bildung und als Vorbereitungsſchule für diejenigen Knaben, die ſich den höhern Studien widmen wollen. Dieſelbe wird alſo im Allgemeinen nach dem Maßſtabe der Realſchulen des Landes eingerich⸗ tet werden müſſen, jedoch ſo, daß ſie zugleich als Progymnaſium dienen kann.

Als Director und erſter Lehrer wurde durch allerhöchſtes Decret v. 9. Mai 1840 Realſchul⸗ director Dr. Winterſtein zu Michelſtadt ernannt, der, von Großherzoglichem Oberſchulrathe mit der Organiſation der neuen Anſtalt beauftragt, in einem im Oktober desſelben Jahres ausgegebenen Programme ſich eingehender über Zweck und Einrichtung derſelben ausſprach und beſonders als höch⸗ ſtes und unverrückbares Ziel der Erziehung und des Unterrichts die drei Hauptrichtungen derſelben: Bildung des Geiſtes, Veredlung des Herzens und verſtändige Sorge für die Entwickelung der phy⸗ ſiſchen Kräfte hervorhob. Treſſender aber, als ſ. Z. der mit der Eröffnung der Realſchule zu Michel⸗ ſtadt beauftragte Großherzogliche Commiſſär, Oberſtudien⸗ und Oberſchulrath Dr. Schmitthenner, ſich über Zweck und Ziel der Realſchulen ausgeſprochen, kann dies nicht leicht geſchehen, und es ſei daher erlaubt, aus der höchſt geiſtreichen und glänzenden Eröffnungsrede deſſelben hier die betreffende Stelle anzuführen. Nachdem er auf die gewaltigen Fortſchritte der neuern Zeit in den Naturwiſſen⸗ ſchaften, auf deren hohe Wichtigkeit für das Leben, auf den mächtigen Aufſchwung der deutſchen In⸗ duſtrie und auf die Einigung unſerer Nation in ihrem großen Zollvereine hingewieſen, fährt er alſo