Quentin und Lyck in Alzey bekannt wurden, wurde der Vormittagsunterricht ausgesetzt. Laut Verfügung Grossh. Ministeriums fand am 23. Februar in dem Zeichensaale des alten Realschul- gebäudes eine Schulfeier zur Würdigung des Sieges in Masuren und der Vertreibung der Russen aus Ostpreussen statt, bei der die Schülerin der I. Klasse, Alice Roos, die Ansprache hielt. Die öffentliche Schlussfeier, die am 25. März im Saalbau veranstaltet werden soll, wird das Thema behandeln:„Die grosse Zeit in Wort und Lied“. Der letzte Schultag vor den Osterferien wird dem Andenken Bismarcks, des Schmieds des deutschen. Reiches, der unserem Volke vor 100 Jahren geschenkt wurde, gewidmet sein.
Besuch von künstlerischen Veranstaltungen und Vorträgen. Am 8. Juni wohnten die Schülerinnen der Vorführung eines. vaterländischen Festspiels zum Besten des Völkerschlacht- denkmals bei Leipzig bei. Ein Vortrag zur Laute machte uns mit einer Reihe stimmungsvoller vaterländischer Lieder bekannt. Klasse I und II besichtigten am 27. Oktober unter Führung des Herrn Zöll die gewerblichen Anlagen der Brauerei Kleinknecht. Am 23. November besuchten die Klassen I—IV eine in der Gewerbeschule veranstaltete Ausstellung von Bildern aus Flandern und Nordfrankreich. Von dem Besuch der Theater in Worms und Mainz wurde in dem Be- richtsjahr in Rücksicht auf den Ernst der Zeit abgesehen.
b) Kriegschronik der Schule.
Nach erfolgter Mobilmachung brach der Unterzeichnete seinen Urlaub ab und nahm am 3. August die Dienstgeschäfte wieder auf. Am gleichen Tage verliessen uns Assessor Stöhr, um sich als Offizier-Stellvertreter bei dem Inf.-Reg. Nr. 118 in Worms zu stellen, und Assessor Backhaus, um als Ersatz-Reservist bei der Festungs-Kompagnie in Mainz einzutreten. Ersterer machte mehrere Gefechte in Frankreich mit, wurde aber wegen Oberhautentzündung in die Heimat beurlaubt und steht jetzt wieder im Felde. Wegen der ungünstigen Zugverbindung konnte nur die Vorschule am 13. August mit dem Uhnterricht wieder beginnen, während der Gesamtbetrieb erst am 17. August aufgenommen wurde. Vom 17. bis 22. August fehlten noch viele auswärtige Schülerinnen. Der Nachmittagsunterricht kam in Wegfall. Anfang September kehrte auch Frl. Markendorf, unter Abkürzung ihres Urlaubs, aus dem gleisnerischen England zu uns zurück. Bis zu ihrem Eintreffen übernahm in dankenswerter Weise Frl. Erika Balser während drei Wochen die Klassenführung von VII, während stud. Armin Balser 8 Tage aushilfsweise bei uns tätig war. Die bisherige Vertreterin von Frl. Markendorf, Frl Levi, verblieb nunmehr an unserer Schule zur Vertretung der beiden eingezogenen Assessoren. In dem Kriegsstundenplan mussten bei dem Fehlen einer vollen Lehrkraft einige technische Fächer, wie Zeichnen und Turnen, in Wegfall kommen.
Der Unterzeichnete war und ist Mitglied der Zentralstelle für Kriegshilfe in Alzey. Die Leitung der Verpflegungsstelle am Bahnhof lag in den Händen von Fräulein Pöpperling, die u. a. auch einige Mädchen unserer Oberklassen zur Mitarbeit heranzog. Frl. Levi ist als frei- willige Krankenpflegerin ausgebildet.
Anfang August erliess der Unterzeichnete folgenden Aufruf an die Schülerinnen der höheren Mädchenschule:
Da noch Ferien sind, so kann ich das, was ich Euch in diesen ernsten Tagen sagen möchte, nicht mündlich zum Ausdruck bringen. Aber ich hoffe auch so den Weg zu Euerem Herzen zu finden. Wenn das Vaterland ruft, dann gilt dieser Ruf nicht nur dem deutschen Mann und Jüngling, sondern auch der deutschen Frau und Jungfrau. Auch in Euch schlummern Kräfte, die Ihr dem Vaterland weihen müsst. Ihr dürft Euch von Eueren Vätern und Brüdern nicht in den Schatten stellen lassen! Der Mann muss hinaus— Ihr werdet zu Hause alles das tun, was die Not unserer Krieger zu lindern, was ihre Wunden zu heilen geeignet ist.
Von den älteren von Euch erwarte ich, dass sie sich als freiwillige Kranken- pflegerinnen für die Lazarette, als Briefschreiberinnen der Verwundeten an die Ange- hörigen in der Heimat, als Führerinnen und Fürsorgerinnen bei Einquartierungen zur Ver-


