Jahrgang 
1914
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V. Zur Geschichte der Anstalt.

a) Allgemeines.

Organisation. Die höhere Mädchenschule zu Alzey ist eine zehnstufige Lehranstalt, die ihre Schülerinnen nach dem amtlichen Lehrplan für die Höheren Mädchenschulen Hessens unter- richtet. Mit dem Beginn des Berichtsjahres erhielten die einzelnen Klassen, von der untersten beginnend, die Bezeichnung XI. Die Kombination der Klassen V und VI wurde gelöst. Laut Beschluss der beiden Ständekammern fiel mit Anfang des Schuljahres der Staatszuschuss für unsere Schule weg; um die Gemeinde nicht allzu sehr zu belasten, musste das Schulgeld auf den einzelnen Stufen erhöht werden.

Persönliches. Der Urlaub der Lehrerin Markendorf(s. Jahresbericht 1913) wurde bis zum 1. Oktober verlängert. Ihre Vertreterin blieb Frl. Levi. Durch Verfügung vom 8. 4. 14 wurde dem Lehramtsassessor Backhaus, bisher an der Real- und Landwirtschaftsschule zu Gross-Umstadt, die Verwaltung einer Lehrerstelle mit Wirkung vom 20. 4. 14 übertragen. Wilhelm Backhaus, geb. am 11. August 1882 zu Hagenau i. E. als Sohn des Kaufmanns Joh. Backhaus, besuchte zuerst die Volks-, dann die Realschule seines Heimatortes, später die Oberrealschulen zu Strassburg i. E. und Darmstadt, wo er Ostern 1902 die Reifeprüfung bestand. Von da ab bis Ostern 1906 studierte er an den Universitäten Giessen und Erlangen Naturwissenschaften, Geographie und Deutsch, war nach dem Tode des Vaters vorübergehend im elterlichen Geschäft tätig, bezog 1908 wieder die Universität Giessen und bestand daselbst im W.-S. 1910 die Staatsprüfung in Chemie, Mineralogie, Physik und Deutsch. Nach dem Referendarjahr am Realgymnasium in Darmstadt fand er Verwendung an der Real- und Landwirtschaftsschule zu Gross-Umstadt, wurde im Frühjahr 1912 zum Assessor ernannt und war vertretungsweise an der höheren Bürgerschule zu Babenhausen und der Oberrealschule am Stadthaus zu Offenbach tätig. Ostern 1914 wurde er an unsere Schule versetzt.

Der Unterzeichnete war leider genötigt, vom 25. Mai bis 12. August wegen eines Herz- leidens um Urlaub einzukommen. Seine Uhnterrichtsstunden übernahm Frl. Marie Follenius aus Darmstadt, während Assessor Stöhr die Dienstgeschäfte versah.

Am ı8. Mai und 23. Januar unterzog Herr Geh. Oberschulrat Block die Schule einer Revision.

Am ı8. Mai fand in dem neuen Realschulgebäude eine Konferenz über die Verlegung der Räumlichkeiten der höheren Mädchenschule in das alte Realschulgebäude statt, an der die Herren Staatsrat Süffert, Geh. Oberschulrat Nodnagel, Geh. Oberschulrat Block, Bei- geordneter Gärtner, Realschuldirektor Dr. Zulauf und der Unterzeichnete teilnahmen.

Gesundheitliches. Der Gesundheitszustand der Schülerinnen war nicht immer befriedigend. In einzelnen Klassen kamen Erkrankungen von längerer Zeitdauer vor. Der Prozentsatz der Versäumnisse war: Kl. I: 9°, Kl. II: 1,88%, Ki. III: 2,89%), Kl. IV: 5,43%, Kl. V: 3,54%, Kl. VI: 2,33°, Kl. VII: 3,74°,, Kl. VIIL: 4,170), Kl. IX: 7,29%, Kl. X: 5,88°/,, für die Gesamt- heit der Schülerinnen: 4,62°',.

Monatsausflüge wurden 8 unternommen, darunter der Tagesausflug am 30. Juni. Die Damen Pöpperlings und Follenius führten die Klassen I-IV nach Eltville, der Hall- garter Zange, Mariental und Rüdesheim, die Herren Stöhr und Backhaus die Klassen V und VI nach Caub und Lorch, Frl. Römheld und Herr Hirschmann die Klassen VII-1IX nach Kirchheimbolanden, Frl. Levi unsere Kleinsten in das Lons- heimer Wäldchen. An den Turnstunden des Damenturnvereins nahmen 20 Schülerinnen teil, und zwar 2 in der Kindergruppe, 17 in der Jugendgruppe und I am Uebungsabend der Damen. Das warme Milchfrühstück blieb bestehen; es beteiligten sich daran 40 Mädchen.

Schulfeste. Der Sedantag, die Geburtstage des Grossherzogs und des Kaisers wurden durch kleinere Feiern in den einzelnen Klassen begangen. Am 22. und 31. August, am 1. Sep- tember und 17. Februar, den Tagen, an denen die grossen Siege bei Metz, Ortelsburg, St.