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Aber o Schreck, es iſt nicht Platz für alle. Eine Berliner Mädchenklaſſe hat ſich noch vor uns angemeldet. Einige Jungen müſſen deshalb im chriſtlichen Hospiz ſchlafen. Nachdem wir uns etwas von der Wanderung erholt haben, beſehen wir uns noch raſch in der Dämmerung die alte Stadt. Kber bald gehen wir zu Bett, um die wohlverdiente Ruhe zu halten.
Um 6 Uhr früh ſtehen wir wieder auf. Um 8 Uhr gehts im gleichen Schritt und Tritt„zum Städtle hinaus“. In kühler Morgenſtunde wandert ſichs am beſten. O, wie ſchön iſts auch heute früh! Die blanken Tautropfen hängen im Graſe und glitzern in der Sonne wie ſilberne Perlen. Funächſt ſuchen wir Kloſter Corvey auf. Es iſt eine alte berühmte Benediktinerabtei. Im oberen Kreuzaang hängen die Bilder ſämt⸗ licher Aebte. Im angebauten Schloſſe befinden ſich eine umfangreiche Bibliothek und eine Sammlung ſeltener Bilderwerke. Hinter der Kirche liegt die Grabſtätte Hoffmanns von Fallersleben. Bald verlaſſen wir das Kloſter Corvey. Inzwiſchen ſteigt die Sonne höher und höher, es wird ein warmer Tag heute. Die RKuck⸗ ſäcke drücken, die Füße ſchmerzen, aber wir haben keine 5eit zu raſten; denn wir wollen noch bis Polle kommen. Doch wir Mädchen brauchen uns nicht zu beklagen, denn unſere Klaſſengenoſſen nehmen uns den Ruckſack ab, oder helfen ihn tragen. Weil wir aber trotzdem nicht mehr weiter können, bekommen wir die Erlaubnis, ſchon von Holzminden mit dem Schiff zu fahren. Wir gehen nun langſam zum Anlegeplatz. In ſeiner Nähe wollen wir uns noch einmal ausruhen. Doch nicht lange dürfen wir uns freuen; denn ein lautes Schreien und Schimpfen macht uns aufmerkſam.„Pä“! und„Pfui“! ſo ein unverſchämtes Pack legt ſich faul auf die Wieſen anderer Leute,“ ruft ein altes Mütterchen. Langſam erheben wir uns wieder. Kaum ſind wir ſo weit, da kommt plötzlich, eh wir uns verſehn, ein Mann ganz wütend auf uns losgeſtürzt. „Jetzt gehts uns an den Kragen“, denken wir, und verſuchen ſchnell unſere Sachen zu faſſen. Aber im Nu iſt er bei uns. Ohne langes Zaudern faßt er eine von uns am Arm und ſchleudert ſie zur Seite. Ruck⸗ ſäcke, ein Schuh, eine Flaſche, Decken, alles fliegt im großen Bogen auf die Straße. Wir beeilen uns aus ſeiner Nähe zu kommen, denn man iſt ſeines Lebens nicht mehr ſicher. Uun ſtehen wir auf der Straße. Keiner ſagt etwas. Alle gucken ſich an und wundern ſich, wie wir ſo ſchnell von der Wieſe gekommen ſind! Der Beſitzer aber läßt uns nicht lange 5eit, er wettert und flucht nach allen Regeln der Kunſt, droht die Polizei zu holen uſf. Wir ſuchen ſchnell unſere Siebenſachen zuſammen und beeilen uns, um aus der Nähe dieſes alten Grobians zu kommen. Unterwegs ſehen wir uns aber noch mal um, ob er nicht hinter uns her kommt. Bald haben wir holzminden erreicht, und der Dampfer kommt. Das Fallreep fällt, wir ſteigen ein. In Polle kommen auch noch die anderen dazu, die die Strecke zu Fuß zurückgelegt haben. Uun gibts wieder Leben! Kber die ſchönen Stunden auf der Weſer vergehen gar zu ſchnell. Bald ſind wir in hHameln. Run gehts gleich zur Jugendherberge. Die liegt aber noch 1 Std. von Hameln entfernt, auf einem Berge im grünen Wald. Endlich ſind wir dort angekommen, und nun wird erſt mal ordentlich gegeſſen. Fur Freude vieler iſt auch die Berliner Mädchenklaſſe in der Herberge. Nach dem Eſſen dürfen wir noch etwas hinaus⸗ gehen und die friſche Kbendluft genießen. Schnell ſind alle Gäſte der Herberge ausgeflogen. Um ⁄½ 10 Uhr müſſen alle wieder da ſein, denn um 10 Uhr wird das Licht ausgedreht. Am andern Morgen vor 6 Uhr werden wir durch lautes Klopfen an der Tür geweckt. Einige Jungen haben ſchon keine Ruhe mehr. Rach dem Kaffee ziehen wir mit Sang und Klang von der Jugendherberge nach der Stadt. Dort beſehen wir einige alte Gebäude: das Rattenfängerhaus, das Hochzeitshaus und das 5unfthaus der Fleiſcher. Man kauft ſich allerlei, z. B. Hameler Ratten und Anſichtskarten. Dann gehts zum Bahnhof. Nach kurzer Feit fahren wir mit dem Zug nach Pyrmont. Dort überſchlagen wir einen Zug und bummeln durch den Badeort, be⸗ trachten die Wandelhalle, trinken Pyrmonter Waſſer und bewundern den berühmten Palmengarten. Kber die Feit geht ſchnell vorbei, denn wir haben nicht lange Kufenthalt. Im Fuge gehts noch luſtig zu. Hier ſingen einige und dort tauſchen andere ihre Erlebniſſe aus. Bald ſind wir in Arolſen angekommen. KAuf dem Bahnhof verabſchieden wir uns von unſerm Klaſſenlehrer, der uns während unſerer Wanderfahrt ein treuer Führer und Freund war, und dem ich auch an dieſer Stelle nochmals herzlich danken möchte. Wir trennen uns mit dem lauten Rufe:„heil, heil, heil!“ Viele ſind nun ſchon am Siele. Wir aber wandern durch die friſche Kbendluft heim, und denken noch gern an die ſchönen Tage zurück. M. B.
Ich ſchließe, einer Anregung der Behörde zu weiterer Kusgeſtaltung des Jahresberichtes über die Arbett der Schule folgend, den Abdruck eines Kufſatzes der OlII an.


