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Noch 2 Tage ſtanden uns zur Verfügung. Wir benutzten ſie, um uns das Lahntal anzuſehen. Freitagmorgen nahmen wir Abſchied vom Rhein. In Bad Ems hatten wir ungefähr eine Stunde Aufenthalt. Sie reichte gerade aus, um einen Spaziergang durch den Kurpark und durch die Stadt zu machen Dann fuhren wir weiter nach Limburg. hier beſichtigten wir den Dom, der ebenſo wie der Mainzer Dom im romaniſchen Stil erbaut iſt; allerdings kann man in manchem ſchon den Uebergangsoſtil zur Gotik wahrnehmen. Am Nachmittag gings weiter nach Weilburg, wo wir zum letzten Male übernachteten. Den Abend ver⸗ brachten wir gemeinſam in einer Gaſtwirtſchaft, und unſere freude war groß, als unſer Klaſſenleiter uns ein Täznchen geſtattete. Früh am nächſten Morgen unternahmen wir einen Gang durch Weilburg. Die Stadt liegt maleriſch auf einem Bergkegel, der von dem Schloß, einem Rennaiſſance- und Barockbau, gekrönt wird. Vom Schloßgarten konnte man auf das Lahntal ſehen. Der marktplatz mit dem Reptunbrunnen und dem RKathaus iſt ein typiſches Beiſpiel aus der Barockzeit.— In Marburg wurde zum letzten Male halt gemacht, und dann ging es ſchnell der Heimat zu. Unſere Eßvorräte waren zum größten Teil zuſammenge⸗ ſchrumpft. Aber hunger hatten wir. Jeder ſuchte die letzten Reſte zuſammen. hier und da taugte ſogar noch eine ganze Wurſt und ein wenig vertrocknetes Brot auf. Das wurde redlich geteilt. Der Erfolg war, das wir alle ſchrecklichen Durſt bekamen, es war nämlich ſehr heiß— und daß ſich in Frankenberg alles auf das Erfriſchungshäuschen auf dem Bahnſteig ſtürzte.—
Während der Fahrt ſangen wir noch einmal alle Rheinlieder aus dem Tiederbuch der„Alten Bauernſchänke“ und verlebten im Geiſte noch einmal die ſchönen Tage. Mit herzlichem Dank an uuſern Klaſſenleiter für die ſchöne Fahrt, durch die wir wieder ein ſchönes Stück unſrer deutſchen Heimat kennen gelernt hatten, trennen wir uns. Unſere Rheinfahrt wird ſicher allen unvergeßlich bleiben. H. T..
Ausflug der Ull an die Weſer.
„Wem Gott will rechte Gunſt erweiſen, den ſchickt er in die weite Welt.“ Was der Dichter im ange- führten Liede ſo herrlich ſingt, ſollte für uns zum Erlebnis werden. Wir wünſchten die Weſer kennen zu lernen, und von dieſer Reiſe will ich nun erzählen.
Unſere Ruckſäcke ſind gepackt, und früher als ſonſt legen wir uns zu Bett, um für den Wandertag ausgeruht zu ſein. Früh am andern Morgen, die Sonne ſchläft noch, pilgern wir in freudiger Erwartung zum KArolſer Bahnhof. Kühle Morgenluft umweht uns. Mieine Gedanken ſtecken im Ruckſack. Iſt auch alles drin?„Ja.“ Butterbrote, Nadeln mit faden, um auch mal eine böſe„Sieben“ ausbeſſern zu können, Decke uſw. Als wir zum Bahnhof kommen, iſt unſere Klaſſe ſchon vollzählig verſammelt. Noch einige Minuten, und der Zug brauſt heran. Vergnügt eilen wir zu dem für uns bereit gehaltenen Wagen. Kaum ſind wir eingeſtiegen, da fährt auch der Zug ſchon ab. Trotzdem es noch ſo früh iſt, herrſcht ſchon munteres Leben und CTreiben in unſerm Kbteil. Schnell kommen wir nach Kaſſel. Dort müſſen wir umſteigen. Kaum haben wir uns häuslich niedergelaſſen, als plötzlich der Schaffner ankommt und uns ziemlich unfreundlich hinauswirft, denn wir ſind in ein Kbteil für„Reiſende mit Hunden“ geraten. Da wir zu dieſen nun doch nicht zählen wollen, ſuchen wir uns einen anderen Platz. Um 8 Uhr gelangen wir in hannoverſch-Münden an. Tärmend poltert man aus dem Wagen. Nachdem unſer Klaſſenlehrer ſich überzeugt hat, daß alle da ſind, gehts geſchloſſen zu der Anlegeſtelle des Dampfers. Hier gibt es für uns viel Neues und Intereſſantes zu ſehen. Wir durchſtöbern das Schiff von oben bis unten. Doch bald meldet ſich der hunger. Wir gehen an Deck, wo wir unſere Ruckſäcke liegen haben. O, wie ſchön ſchmecken die mitgebrachten Butterbrote! Das Schiff bringt uns ſchnell nach Karlshafen. Dort ſteigen wir aus. Bald haben wir die letzten häuſer- reihen verlaſſen, und Felder und Wieſen beginnen. Wir plaudern miteinander und erzählen uns allerlei Schönes, was uns gerade in den Sinn kommt. Dann wird wieder ein Marſchlied geſungen. So haben wir bald die erſten Kilometer zurückgelegt. Inzwiſchen iſts ſchrecklich heiß geworden, und die Ruckſäcke drücken, aber trotzdem marſchieren wir tüchtig weiter. Nach ungefähr 2 Stunden kommen wir in einen Wald. hier wird Raſt gemacht. Wir ſetzen uns ins weiche Gras und öffnen unſere Ruckſäcke. Allle haben tüchtig Hunger und Durſt. Einige von uns ſind bald fertig mit ihrem Mahl und ſuchen ſich nun ein ſchattiges Plätzchen, um zu ruhen. Schließlich liegen alle im Gras oder weichen Moos, die Unterhaltung verſtummt faſt ganz. So vergeht wohl eine halbe Stunde. Da plötzlich gähnt jemand, ſtreckt ſich im Graſe und ſagt:„O, wie habe ich geſchlafen!“. Kuch ein anderer hebt den Kopf und reibt ſich die Augen blank.„Pſt, Pſt,“ macht ein dritter und legt ſich auf die andere Seite,„ſeid ſtill, ich will noch ſchlafen!“ Doch mit der Ruhe iſts vorbei. Einer nach den andern erhebt ſich und ſtrolcht in den Wald hinein. Da bläſt unſer führer zum Aufbruch! Flink finden ſich wieder alle zurück zum Lagerplatz. Die Ruckſäcke werden zugeſchnürt, und fröhlich gehts weiter. Fuerſt gehen wir auf der Straße, dann durch den Wald nach Fürſtenberg. Dort bewundern wir das ſchöne Porzellan, die herrlichſten Sachen, z. B., zierliche Mokkatäßchen, prunkvolle Vaſen, geſchmackvolle Eß- und Kaffeeſervice. Am Abend kommen wir alle müde und matt in der Jugendherberge von hörter an.


