In der Schlußandacht vor Weihnachten(Ferien vom 22. 12. bis 8. 1.) wurden mittelalterliche Weihnachts⸗ lieder in alter und moderner Vertonung(mehrſtimmige Chorgeſänge, Knabenſtimmen mit Violine, Streichorcheſter) zu Gehör gebracht. Der Anſtaltsleiter ſprach in verbindendem Text über Weihnachtsbräuche. Aus dem alten Weihnachtsſpiel des Nachbarortes Külte wurde die Rupprechtſzene aufgeführt.
Der 22. Jan. führte uns zur Feier des 200 jähr. Geburtstages Leſſings zuſammen. Herr St. R. Dr. Pfeifer ſprach über Leſſings Leben und Wirken. Von Schülern der verſchiedenen Altersſtufen wurden charakteriſtiſche Stellen aus Leſſings Werken vorgetragen.
Die ſchriftlichen Arbeiten zur Reifeprüfung wurden in den letzten Tagen des Jan. angefertigt; die münd⸗ liche Prüfung fand am 6. 3. unter dem Vorſitz des Direktors ſtatt. Es beſtanden alle Oberprimaner. Entlaſſen wurden die Prüflinge am 16. 3.
Wegen Kohlenmangels mußte ab Mitte Febr. die Heizung der Aula eingeſtellt werden und daher der Turnunterricht auf etwa vier Wochen ausfallen.
Trotz Knappheit an Kohlen und Verſagens ſämtlicher Waſſerleitungen ſowie wegen der Grippeerkrankungen brauchten wir die Schule— abgeſehen von einem Tage— nicht gänzlich zu ſchließen.
Zu dieſen Störungen des Unterrichtsbetriebs kamen noch die Unbequemlichkeiten infolge des Umbaus des Schulhauſes, der mehrfaches Umziehen der Klaſſen nötig machte.
An der Veranſtaltung des Volkstrauertages(24. 2.) nahm die Schule wie üblich teil, doch war wegen der Grippe die Beteiligung freigeſtellt.
Am 22. 3. fiel der Unterricht aus, da das Kollegium und die oberen Klaſſen bis einſchl. UII geſchloſſen die aktuellen Vorträge beſuchte, die von der Reichszentrale für Heimatdienſt in unſerer Aula gehalten wurden.
Das Schuljahr ſchloß am 27 3. mit einer Andacht, in der die Verſetzungen bekannt gegeben und die ab⸗ gehenden Schüler und ausſcheidenden Lehrer verabſchiedet wurden.
Mitten hinein in das Schuljahr fällt ein Ereignis, zwar nach außen hin faſt unbemerkt und ohne viel Aufhebens, und dennoch von weittragendſter Bedeutung und Wichtigkeit:
Die Verſtaatlichung des Realgymnaſiums.
Im Rahmen der Verhandlungen zwiſchen Waldeck und Preußen über den Anſchluß ſpielte u. a. für die Stadt Arolſen die Frage: was wird nach deu Anſchluß an Preußen aus unſerer höheren Schule? eine wichtige Rolle. Es war von vornherein klar, daß die Stadt die Koſten für die Unterhaltung nicht mehr würde aufbringen können, wenn der bisherige erhebliche Zuſchuß des Staates— er ging ſchon weit über den der Stadt hinaus— auch nur um einen Teil gekürzt werden würde. An einen Zuſchuß von ſeiten Preußens etwa in Höhe des bisherigen war nicht zu denken, und ſo kann man die Beſorgnis aller derer verſtehen, denen das Beſtehen der Schule am Herzen lag; ſprach wan doch ſchon hie und da von einem Abbau der Oberſtufe, von einem gänz⸗ lichen Eingehen ganz zu ſchweigen. Ein freundliches Geſchick hat es anders gewollt. Wenn es in dem letzten Jahresbericht in der Schilderung der Jubiläumsfeier der Schule heißt:„Dann nahm er— der Herr Landes⸗ direktor Präſident Dr. Schmieding— von aller Herzen die bange Sorge, die uns trotz der Feſtesſiimmung immer wieder beſchlichen hatte, mit der Erklärung, daß nach langwierigen Verhandlungen die Uebernahme der Schule auf den preußiſchen Staat nach dem Anſchluß Waldecks an Preußen nunmehr geſichert ſei. Dieſe Ver⸗ ſicherung war wohl die ſchönſte Feſtesgabe für das Realgymnaſium“, ſo wiſſen wir jetzt, daß wir die Verſtaat⸗ lichung der Schule und damit wohl auch ihr Beſtehen in erſter Linie dieſem unſerem warmherzigen Freunde und Förderer, der für unſere Wünſche immer ein offenes Ohr hatte und bei keiner Gelegenheit mit finanzieller Unterſtützung kargte, zu verdanken haben. Seinem unermüdlichen Bemühen, ſeiner Fürſprache bei den in Betracht kommenden Stellen und ſeinem Eintreten für uns iſt es gelungen, alle Schwierigkeiten zu überwinden und das Beſtehen der Schule zu ſichern. Und als am 6. 2. d. J. die Kunde von ſeinem plötzlichen Ableben zu uns kam, da empfanden wir aufrichtige Trauer um ihn, deſſen Name in der Geſchichte unſerer Schule unvergeſſen bleiben wird.


