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Nachdem dann der Chor den ehemaligen Schülern das Lied:„Aus der Jugendzeit“ geſungen hatte, trat der Direktor noch einmal an das Pult:
Meine ſehr geehrten Herren! Wenn ich Ihnen vorhin den Willkommensgruß der Schule entbieten und Ihnen ſowohl ſür Ihr Erſcheinen als auch für Ihr Wohlwollen der Anſtalt gegenüber danken durfte, ſo muß ich noch einmal das Wort ergreifen, um Ihnen den Dank auszuſprechen für die Wünſche, die Sie uns für die Zukunft mit auf den Weg gegeben und für dieſe Ihre Geſinnung, der Sie ſoeben beredten Ausdruck verliehen haben. Wir hoffen gern, daß die Schule unter der wohlwollenden Leitung des PSK., unter der Fürſorge der Stadt, der Regierung und des Kreiſes und begleitet von den freundlichen Wün⸗ ſchen aller, deren Herzen für unſere Schule ſchlagen, ihre Fahrt in den neuen Lebensabſchnitt beginnt und glücklich zu Ende führt. Und wenn ich nun für die freundlichen Geſchenke beſonders danke, ſo wollen Sie es mir bitte nicht als Materialismus auslegen, von dem ich vorhin geſprochen habe. Der Kreis d. Twiſte hat mit ſeinem wertvollen Geſchenk einen unſerer geheimen Wünſche erfüllt, den wir aber wegen der Koſten immer wieder unterdrücken mußten. Daher nehmen Sie, ſehr geehrter Herr Landrat, unſern ver⸗ bindlichſten Dank. Unſere Freude iſt umſo herzlicher, als die Erfüllung unſeres Wunſches in weiter Ferne zu liegen ſchien. Daß die Elternſchaft mit Unterſtützung der Regierung und der Stadt uns dieſe hochherzige Gabe dargebracht hat, bewegt unſer Herz tief; denn wir dürfen es wohl als ein Zeichen der Auerkennung für die Arbeit an der Jugend betrachten. Schule und Elternhaus gehören doch nun einmal zuſammen. Möchte dieſer koſtbare Flügel, deſſen harmoniſche Klänge bei feſtlichen Veranſtaltungen der Schule dieſen Saal durchfluten werden, ein Symbol ſein für das harmoniſche Zuſammenarbeiten zwiſchen Elternhaus und Schule, und möchte er, wie es in der Urkunde heißt, die Begeiſterung und den Sinn für die Kunſt wecken und pflegen helfen. Darum nehmen Sie alle, die zu dem Geſchenk beigetragen haben, unſeren tiefgefühlteſten Dank, vor allem aber Sie, ſehr geehrter Herr Oberinſpektor, für die Mühe und ſelbſtloſe Arbeit, die Sie für uns geleiſtet haben.
Auf die Bitte des Direktors brachte Herr Oberſchullehrer Krummel das Adagio aus der Sonate pathétique zu Gehör, die den Wert des Inſtruments erkennen ließ. Dann folgten die Schlußworte des Direktors:
Wenn die Schüler die Schule verlaſſen, wenn das Leben die Klaſſenkameraden auseinander führt, den einen hierhin, den andern dorthin, dann wird es ſich bald zeigen, ob die Schule ihr Teil dazu bei⸗ getragen hat, im Laufe der Jahre aus den lockeren und dünnen Fäden, die ſich zwiſchen den kleinen Sextanern ſpinnen, eine feſte Kette zu ſchmieden, die über Raum und Zeit hinaus die Klaſſengemeinſchaft zuſammen hält. Wenn der junge Verein ehemaliger Schüler durch ſein ſchnelles Wachſen unter der Leitung ſeines tatkräftigen Vorſitzenden, Herrn Kreisinſpektors Emde, ſchon bewieſen hat, daß er dieſen Geiſt der Zuſammengehörigkeit pflegen will, ſo zeigt die heutige Stiftung, daß der Verein ſich auch mit den kom⸗ menden Geſchlechtern eins fühlt. Kann ſich die Schule einen ſchöneren Lohn wünſcheu als ſo umgeben zu ſein von den Beweiſen treuer Auhänglichkeit und dankbarer Geſinnung? Ihre Stiftung iſt für Sie ehrenvoll, für uns Lehrer beglückend, für Euch, liebe Schüler und Schülerinnen, eine Mahnung!
Die Jahre werden verrauſchen, und wir hoffen zuverſichtlich, daß einmal der Tag kommen wird, an dem die Schule zu einem andern Jubelfeſt, dem 100 jährigen die ehemaligen Zöglinge zuſammen ruft. Möchten dann recht viele von Euch darunter ſein. Möchtet Ihr dann als gereifte Menſchen, als wackere deutſche Männer und echte deutſche Frauen dem Rufe folgen in dem Bewußtſein, den Geiſt, der aus dieſer Stiftung ſpricht, den Geiſt der Zuſammengehörigkeit, rein und unverfälſcht den ſpäteren Genera⸗ tionen überliefert zu haben.
Alle unſere Wünſche, die wir auf dem Herzen haben, wollen wir in die ſchlichten Worte zuſammen faſſen: Möge unſere Schule bis in fernſte Zeiten blühen und gedeihen, zum Segen für ihre Schüler, zur Ehre der Stadt und zum Wohle für unſer Vaterland. Dazu helfe uns Gott!
Die Feier endigte mit den gemeinſam geſungenen beiden erſten Strophen des Chorals: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.
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