Jahrgang 
1928
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früheren Leiter und Lehrer, vor allem aber dank der Opferfreudigkeit der Arolſer Bürgerſchaft. Wohl iſt es ihr manchmal ſchwer geworden, die Mittel zu beſchaffen, wohl vermag ſie auch heute nur mit größ⸗ ter Anſtrengung die Schule zu erhalten, wohl mußten harte Kämpfe beſtanden werden, aber der Wille der Bürger, ihren Kindern die Werte zugänglich zu machen, die eine höhere Lehranſtalt vermitteln kann, hat ſie ſchwere Opfer ertragen laſſen. Deshalb gebührt ihr heute der herzliche Dank aller derer, die durch die Schule gegangen ſind oder die ſie heute noch beſuchen. Mit berechtigtem Stolz kann die Stadt heute auf ihr Werk zurückſehen, das man darf wohl ſagen gleichſam ein Kulturzentrum der engeren und weiteren Umgebung Arolſens geworden iſt. Freilich, wir ſind nur ein beſcheidenes Pflänzchen am ge⸗ waltigen Baume deutſchen Geiſtes⸗ und Schullebens. Wir können noch nicht zurückblicken auf eine lange ruhmreiche Vergangenheit wie manche alte hochberühmte Schule. Aber kann nicht auch im Verborgenen und in der Stille edle Frucht reifen? Ob die Schule ſolche reifen Früchte getragen hat, das zu beurteilen ſteht uns nicht zu, wir wiſſen es nicht. Aber das eine wiſſen wir, daß wir Lehrer, wie es unſere Vor⸗ gänger im Amt getan haben, an der Jugend unſere Pflicht tun werden, daß wir uns bemühen werden, ſoweit es in unſerer Macht ſteht, in den Schülern die Kräfte zu ſtählen, deren ſie bedürfen um den Kampf des Lebens zu beſtehen. Dann wird auch unſere Schule dazu beitragen, die Herzen der Jugend zu erfüllen mit der Liebe zur Arbeit, zur Wahrhaftigkeit, zur Treue, zum Glauben, zum Streben nach allem Edlen und Schönen, damit ſie ihre hohe Aufgabe löſen kann, unſer Vaterland aus dem Dunkel der Gegenwart und aus Sklavenketten emporzuführen zu Licht und Freiheit.

Hierauf nahmen einige Ehrengäſte zur Begrüßung das Wort, zunächſt der Vertreter des Patronats, Herr Bürgermeiſter Beekmann: unter Hinweis auf die großen Opfer einerſeits, die die Stadt der Schule bisher ge⸗ bracht habe und gern gebracht habe, und mit dem Verſprechen, in Zukunft auch weiterhin nach Kräften für die Entwicklung der Schule ſorgen zu wollen, wünſchte er der Jubilarin von Herzen Glück. Der Herr Landes⸗ direktor Dr. Schmieding brachte das warme Intereſſe zum Ausdruck, das der waldeckiſche Staat immer an dem Gedeihen der Schule genommen habe; er bedauerte, der Anſtalt zu ihrem Ehrentage nicht ein eigenes großes Geſchenk der Regierung überreichen zu können, ſondern er müſſe ſich mit einer Summe von 1000 Mark an der Gabe der Elternſchaft begnügen. Dann nahm er von aller Herzen die bange Sorge, die uns trotz der Feſtesſtimmung immer wieder beſchlichen hatte, mit der Erklärung, daß nach langwierigen Verhandlungen mit der preußiſchen Regierung, bei denen er keine Mühe geſcheut habe, die Uebernahme der Schule auf den preu⸗ ßiſchen Staat nach dem Anſchluß Waldecks an Preußen nunmehr geſichert ſei. Dieſe Verſicherung war wohl die ſchönſte Feſtgabe für das Realgymnaſium. Herr Landrat Wittmer überreichte als Vertreter des Kreiſes mit beſten Wünſchen für die Zukunft der Anſtalt die Urkunde über die Schenkung eines modernen Lichtbild⸗ apparates. Herr Stud⸗Direktor a. D. Dr. Menk, der als Lehrer und Leiter über 36 Jahre an der Anſtalt gewirkt hatte, drückte in warmherzigen Worten ſeine Wünſche für das weitere Gedeihen ſeiner alten Schule aus. Daran ſchloſſen ſich die Grüße und Wünſche der Nachbar⸗ und Schweſteranſtalten an: Herr Stud.⸗Direktor Dieterich(Corbach) ſprach für die waldeckiſchen höheren Schulen, Herr Prof. Dr. Andrae(Hofgeismar) für die Nachbaranſtalten, Herr Stud⸗Direktor Dr. Paulus(Biedenkopf) ſprach im Namen ſeiner Anſtalt und für die ehemaligen Lehrer. Herr Rektor Klocke, der Leiter der Arolſer Volks⸗ und Bathildisſchule, erinnerte bei ſeinem Glückwunſch an die frühere Verbundenheit aller Arolſer Schulen und gab ſeinen Worten durch den Vergleich mit dem großen Bruder der Schulfamilie, der ſich ſelbſtändig gemacht habe, einen humoriſtiſchen Einſchlag. Und wie bei feſtlichen Veranſtaltungen im Familienkreiſe ſich die nächſten Angehörigen beſcheiden zurückzuhalten pflegen, ſo ſprachen der Vertreter der Elternſchaft und der Vorſitzende des Vereins ehemaliger Schüler an letzter Stelle.)

Herr Oberinſpektor Vogel betonte in ſeiner Anſprache die Notwendigkeit der engen Zuſammenarbeit zwiſchen Elternhaus und Schule, er wies hin auf das Vertrauensverhältnis, das zum rechten Erziehen notwendig ſei, und übergab im Namen der Eltern als Dank an die Anſtalt für die Arbeit, die ſie an den Schülern ge⸗ leiſtet habe, einen koſtbaren Steinweg⸗Grotrian Flügel. Für die ehemaligen Schüler ſtattete Herr Kreisinſpektor Emde der Schule den Dank ab für alles, was ſie ihnen auf den Lebensweg mitgegeben habe; zum Schluß ſeiner Ausführungen machte er die Mitteilung über eine Stiftung von 1000 Mark als dem Grundſtock eines Kapitals, deſſen Zinſen zu Prämien und Unterſtützungen bei Schulfahrten dienen ſollen.