Jahrgang 
1928
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und ihr Leben dahingegeben hatten. Von den Schülern, die unmittelbar von der Schule aus ins Heer eintraten, fielen im Kampfe fürs Vaterland:

Zu der mit einem Lorbeerkranz geſchmückten Ehrentafel gewandt, lieſt der Redner die Namen langſam vor.

Unter ihren Bildern, die von einem Eichenkranz umrahmt in der 0l hingen, ſtand auf ſchwarz⸗ weiß⸗roter Schleife: Lieber tot als Sklav! Ihnen iſt wohl. Ehre ihrem Andenken! Heute ſchmückt eine ſchlichte Ehrentafel das Treppenhaus der Schule; und wenn wir auch im Getriebe des Alltags an der Tafel vorüberhaſten, heute wollen wir in innigſter Dankbarkeit all der gefallenen Männer und Jünglinge gedenken, die einſt unſerer Schulgemeinſchaft angehörten. Unvergeſſen muß uns und den nachfolgenden Geſchlechtern bleiben das leuchtende Vorbild der Treue, mit der ſie als deutſche Soldaten kämpften, litten, ſtritten und ſtarben aus Liebe zur Heimat. Ehre ihrem Gedächtnis!

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Es folgte ein Ueberblick über die Schulgeſchichte der letzten Jahre, der mit ehrenden Worten für den an⸗ weſenden früheren Direktor und die verſtorbenen und die noch im Amte befindlichen ehemal. Kollegen ſchloß.

Nun noch ein kurzes Wort über den Sinn, den wir der heutigen Feier geben möchten. Wir be⸗ gehen das Feſt eines deutſchen Realgymnaſiums. Trotz des fremden Namens iſt unſere Anſtalt eine deutſche Schule, aus deutſchem Geiſte entſproſſen und zu deutſcher Geſinnung erziehend. Gewiß, wir wollen nicht verachten, was fremdes Volkstum uns lehren kann, aber deutſch bleibt doch das Ziel unſerer Bildungsarbeit, und ſo ſtellen denn mit Recht die neuen Lehrpläne die Mutterſprache mehr als bisher in den Mittelpunkt des geſamten Unterrichts. In die Herzen unſerer Schüler wollen wir Begeiſterung für deutſche Sprache, deutſches Volkstum und deutſche Geiſtesgröße erwecken und ſie lehren, die Schönheit der Form und die Tiefe des Inhalts der Werke der Meiſter unter unſeren Dichtern, Künſtlern und Denkern zu verſtehen. Und ein Zweites! Die moderne Anſchauung ſtellt vielfach die materiellen Güter an die erſte Stelle. Freilich ſoll deren Wichtigkeit für die Geſtaltung des Lebens des Einzelnen wie der Geſamtheit nicht verkannt werden; aber der allzu ſehr auf das Materielle gerichteten Strömung darf die Schule nicht nachgeben. Sie muß in den Schülern die Ueberzeugung wachrufen, daß Reichtum und ma⸗ terieller Genuß keine dauernde Befriedigung und den Völkern keine Geſundung bringen kann, daß aber geiſtige und moraliſche Tüchtigkeit reichen Ertrag gewährt und es ſchlimm um die Welt beſtellt iſt, wenn die Pflege der Ideale nachläßt, die allein die Menſchen zu ſelbſtloſer Arbeit antreiben können. Und ein Letztes! Unſere Zeit hat das Wort von dem Sichausleben geprägt. Indeſſen, dieſes für die Jugend ſo verführeriſche Wort darf in die Schule keinen Eingang finden. Bei aller zuläſſigen Berückſichtigung per⸗ ſönlicher Neigungen muß die Schule ihre Zöglinge zu Gehorſam und Entſagung anleiten. Sie würde den Verfall der Autorität geradezu fördern, wenn ſie nicht Gehorſam verlangte und die Schüler daran ge⸗ wöhnte, ſich im Intereſſe der Geſamtheit ihren Anordnungen zu fügen. Man verſtehe mich nicht falſch. Wir wollen keinen Kadavergehorſam, ſondern wir fordern nur das, was der Jugend gemäß iſt. Autorität iſt für mich nicht knechtiſcher Sinn aus Furcht vor Strafe, ſondern die Anerkennung geiſtiger und ſitt⸗ licher Ueberlegenheit. Freudiges Gehorchen, williges Entſagen, denn wie ſoll ſpäter der Jüngling oder der Mann ſicher ſein Schifflein durch die Stürme des Lebens führen, wenn er nicht ſchon auf der Schule Entſagung gelernt hätte, die ihn allein befähigt, an manchem lockenden Eiland, wohin ihn die Sirenen⸗ klänge der Leidenſchaft rufen, vorbeizuſteuern? In den letzten Jahren iſt viel getan, um der Jugend die Arbeit zu erleichtern, um die Freude an ihr zu erhöhen, um ihr Zeit zur Erholung und frohem Spiel zu gewähren. Aber verderblich würde es ſein, wenn die Jugend nicht gehalten würde, ernſte Arbeit zu verrichten, wenn die Schule ihren Schülern die Arbeit erſparen würde, während doch der Kampf ums Daſein täglich ſchroffere Formen annimmt. Arbeiten, gehorchen, entſagen lernen, das iſt eine der wichtig⸗ ſten erzieheriſchen Aufgaben, die die Schule zu löſen hat.

Der Anſtaltsleiter ſchloß die Anſprache mit dem letzten Abſatz ſeiner Geſchichte der Anſtalt, in der es heißt:

Wir ſind am Ende. Wir haben die Geſchichte der Anſtalt noch einmal an unſeren Augen vorüber⸗ ziehen laſſen. Aus kleinen Anfängen hat ſie ſich zu einer Vollanſtalt entwickelt, dank der Tatkraft ſeiner