Jahrgang 
1928
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gedacht, die heute verhindert ſind, dem Zuge ihres Herzens zu folgen, der ſie in dieſen Tagen wieder zu ihrer alten Schule zieht und die ſchriftlich ihre Glückwünſche ausgeſprochen haben. Zu unſerem Bedauern hat auch unſere vorgeſetzte Behörde, das PSK. Kaſſel, ſich mit einem ſchriftlichen Glückwunſch begnügen müſſen. In letzter Stunde hat unſer langjähriger Dezernent, Herr Oberſchulrat Prof. Dr. Zühlke, abgeſagt, ſo gern er auch heute hier perſönlich erſchienen wäre.

Meine Damen und Herren! Nicht mit Unrecht erwarten Sie von mir, daß Ihnen heute in der Feſtesſtunde die Entwicklung der Schule in den verfloſſenen 75 Jahren vorgeführt werde. Das kann natürlich nur in ganz großen Zügen geſchehen. Wer etwas Näheres darüber zu vernehmen wünſcht, den darf ich auf eine kleine Schrift verweiſen, die heute als eine Art Feſtesgabe erſchienen iſt..*

Nachdem der Redner einen Ueberblick über die Geſchichte der Anſtalt von 1852 bis 1912 unter Wür⸗ digung der Verdienſte der Anſtaltsleiter und unter Hervorhebung der langjährigen Kämpfe um die Vollanſtalt gegeben hatte, fährt er fort:

Während ſo ſchwere Stürme um die Schule tobten und die Brandung zuweilen bedenklich ſtieg, ging das innere Leben der Schule weiter ſeinen ruhigen Gang. Die Zahl der Schüler ſtieg ſchnell auf 150. Ich brauche die ehem. Schüler jener Jahre nicht zu erinnern an die zahlreichen Höhepunkte des Schul⸗ lebens, an die ſchönen nationalen Feſt⸗ und Feiertage, die uns in die glorreiche Zeit unſeres Volkes zurückverſetzten, an die verſchiedenen 100 jähr. Gedenktage aus der Zeit der Erhebung Deutſchlands, an die Gedenkfeiern aus der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts, an die Sedantage mit ihren Wanderungen, an die zahlreichen Fahrten in die Umgebung Arolſens und weit in die deutſchen Lande hinein bis zur See, die unſere ſtolze Flotte ſchützte. Wenn in dieſen Tagen die ehemal. Klaſſenkameraden wieder bei einander ſitzen, dann wird das Bild jener Jahre von ſelbſt wiederauftauchen, als der deutſche Name in der Welt hoch geachtet war und wir unter dem Schutze unſerer ſtarken ſchimmernden Wehr ſorglos un⸗ ſerer Alltagsarbeit nachgehen konnten.

Die von den Gegnern des Ausbaus zur Vollanſtalt gehegte Befürchtung, daß der geringe Beſuch der Oberſtufe die Roſten in keiner Weiſe rechtfertigen würde, erfüllte ſich nicht nur nicht, ſondern die Erwartungen der Ausbaufreunde wurden bei weitem übertroffen. Doch ſollte der fleißigen Arbeit der erſten OI ein jähes Ende bereitet werden. Als der deutſche Kaiſer ſein Volk zu den Waffen rief, da hielt es auch die Primaner nicht mehr auf den Schulbänken. Auch die Daheimgebliebenen erfüllte die hoch⸗ lodernde Flamme der Begeiſterung, und mit Eifer machten ſich die Schüler an die ihnen geſtellten Auf⸗ gaben. Wenn auch mit der Länge des Krieges der Feuereifer allmählich abflauen zu drohen ſchien, wenn auch die Leiſtungen der Schule immer mehr zurückgingen, wenn auch die Einſicht der Schüler nicht immer groß genug war, um dauernd unter ſchwierigen Verhältniſſen ein ſelbſtloſes Handeln mit vaterländiſcher Geſinnung zu verbinden, ſo wollen wir es der Jugend doch danken, daß ſie ſo wacker mitgeholfen hat. Ihre Hilfe in den erſten Wochen des Krieges und ſpäterhin bei den Werken der tätigen Nächſtenliebe den Verwundeten gegenüber, vor allem aber ihre Leiſtungen auf dem Gebiete der Kriegswirtſchaft wer⸗ den wir nicht vergeſſen. Alles in Allem iſt mit viel Hingebung viel Kleinarbeit geleiſtet worden, und wehmütige Erinnerungen überkommen uns, wir müſſen noch heute die Zähne feſt aufeinander beißen bei dem Gedanken, daß alle Arbeit und Mühen, alle Sorgen und Entbehrungen umſonſt geweſen ſind..

Und nun laſſen Sie uns einen Augenblick innehalten und unſerer Gefallenen gedenken!

Die Verſammlung erhebt ſich, der Chor ſingt leiſe das Lied vom treuen Kameraden, während der Redner weiter ſpricht:

Neben zahlreichen ehem. Lehrern und Schülern, deren Namen wir bisher noch nicht vollſtändig feſt⸗ ſtellen konnten, eilten im Laufe der Jahre zu den Fahnen: 10 Lehrer, 25 Abiturienten und 75 andere Schüler. Als erſter bitterer Tropfen fiel in den Kelch der hochgemuten Stimmung die Nachricht von dem Heldentode des Oberlehrers Wilh. Baumann; und dann reihte ſich Name an Name derer, die ihr Blut

*) 1852 1927. Geſchichte des Städt. Realgymnaſiums zu Arolſen. Zum 75 jähr. Beſtehen der Anſtalt von Stud.⸗Direktor Dr. Bormann. 1927.(47 Seiten.)