sondern auch vor einflußreichen Untertanen zu beugen. Lassen Sie sich durch ihr überlegenes Lächeln über die Rückständigkeit Ihrer Literatur- und Lebensweisheit nicht beirren in Ihrem gesünderen Gefühl und meinen Sie nicht, das Zeugnis Ihrer Reife nachträglich bestätigen zu müssen durch beifälliges Einstimmen in ihre abschätzenden Urteile über den großen Dichter, aus dem Tausende deutscher Jünglinge Begeisterung geschöpft und die beste Kraft gesogen haben zu allem Guten und Großen, das sie später im Leben wirkten, sondern halten sie fest an Ihren Idealen auf die Gefahr, von jener Klugheit verlacht zu werden, die nur das Irdische, Gemeine sehn, das Nächste mit dem Nächsten klug verknüpfen mag, und betrachten Sie als ein auch an Sie gerichtetes heiliges Vermächtnis die Mahnung des Freundes an den Freund im„Don Carlos“,
daß er für die Träume seiner Jugend Soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird, Nicht öffnen soll dem tötenden Insekte Gerühmter besserer Vernunft das Herz Der zarten Götterblume— daß er nicht Soll irre werden, wenn des Staubes Weisheit Begeisterung, die Himmelstochter, lästert!
Am 9. Mai, Schillers hundertjährigem Todestag, fiel der Unterricht aus, ebenso am 31. Mai, dem Tage der Frühjahrsparade, am 3. Juni, dem Tage des Einzuges Ihrer Hoheit der Herzogin Cäcilie zu Mecklenburg, am 5. September, dem Tage der Herbstparade. Ferner fiel der Unterricht am 6. November, dem Tage des Einzugs Sr. Majestät des Königs von Spanien, von 12 Uhr ab aus.
Wegen Hitze fiel der Unterricht von 11 oder 12 Uhr aus am 5., 16., 21., 26., 29., 30. Juni und am 1., 3., 4. Juli.
Das Sedanfest wurde am 2. September durch Gesang und Deklamation gefeiert.
Am 2. November hielt zur Feier des Reformationsfestes der Oberprimaner Hoffmann die Rede:„Philipp der Großmütige.“ Er erhielt auch die vom Magistrat übersandte Reformations-Denkmünze. Der Oberprimaner Hildebrand erhielt die Acta Lutheri.
Zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät hielt Herr Professor Dr. Zellmer die Festrede über„Die Bedeutung der Persönlichkeit in der Geschichte“.
Den Herren Oberlehrern Dr. Streicher und Hermes wurde durch Verfügung vom 27. Januar d. Js. der Charakter als Professor verliehen.
Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war im allgemeinen befriedigend; nur Herr Oberlehrer Dr. Heller mußte während des Sommerhalbjahres und Herr Prof. Schubring während des Winterhalbjahrs beurlaubt werden.
Mit dem Schluß des Schuljahres scheidet aus dem Lehrerkollegium Herr Professor Schubring, der der Anstalt seit Ostern 1870 angehört hat. Trotz schwerer körperlicher Leiden, mit denen er eine lange Reihe von Jahren zu kämpfen hatte, hat er doch stets seine amtlichen Pflichten treu und gewissenhaft erfüllt und nur sehr schwer sich entschließen können, bisweilen zur Herstellung seiner Gesundheit Urlaub zu nehmen. Wie er stets bewiesen hat, daß er treu an der Anstalt hängt, so wird auch diese, so werden alle seine Kollegen ihm stets ein treues Andenken bewahren. Möge er sich noch recht lange der wohlverdienten Ruhe, die ihm jetzt vergönnt ist, erfreuen.


