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diese hinreißende, begeisternde Macht auf die Zeitgenossen in besonders hohem Maße ausgeübt, und andrerseits ist die von Schiller geschaffene Dichtersprache später von zahlreichen talentvollen Dichtern nachgeahmt worden, deren Werke nicht entfernt an die Wirkung des Vorbildes heran- reichen, ja sogar daran schuld sind, daß diese Stilart bei manchen Ubersättigung und Widerwillen hervorgerufen hat.
Was also ist jenes unnachahmliche Eigenste, was ihm allein gehört, wodurch er uns vorglänzt wie ein Komet entschwindend, unendlich Licht mit seinem Licht verbindend? Es wäre ein vergebliches Bemühen, es an der Form oder dem Inhalt seiner Werke nachweisen zu wollen. Wie der Quell aus verborgenen Tiefen, so des Sängers Lied aus dem Innern schallt. In den tiefsten Tiefen der Dichterseele selbst liegt das ewig unerforschliche Geheimnis jener ihm alle Geister beugenden Macht.
„Wodurch gibt sich der Genius kund? Wodurch sich der Schöpfer Kundgibt in der Natur, in dem unendlichen All.
Klar ist der Ather und doch von unermeßlicher Tiefe,
Offen dem Aug', dem Verstand bleibt er doch ewig geheim.“
So verborgen aber auch die tiefsten Ursachen aller großen Wirkungen sind, die jemals durch Kunst und Dichtung hervorgebracht wurden, so deutlich erkennbar sind doch die Bedingungen, an die diese Wirkung geknüpft ist, und diese liegen in dem, was wir den Charakter, die Persön- lichkeit nennen. Auch die genialste künstlerische Veranlagung kann zu großer, dauernder Wirkung nicht gelangen, wenn sie nicht wurzelt in der sittlichen Kraft des Charakters. Wo diese fehlt, da tritt ein, was Goethe von jenem unglücklichen schlesischen Dichter sagte:„Es zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten.“„Alles, was der Dichter uns geben kann,“ so urteilt Schiller selbst, lst Seine Individualität. Diese muß es also wert sein, vor Mit- und Nachwelt ausgestellt zu werden.“
Und wie sehr gerade Schillers dichterischer Wert auf seinem menschlichen, auf seiner Charakteranlage und-entwicklung beruht, das hat die fortschreitende Forschung mit immer wachsender Klarheit erkannt.
In seiner Kindheit treten noch keinerlei Spuren seiner künftigen Geistesgröße hervor. Ein Wunderkind war Schiller nicht. Wohl aber offenbarten sich schon früh gewisse Züge des Gemüts, die für die Eigenart seiner Dichtung von Bedeutung geworden sind, vor allem jene Herzensgüte, die sich in dem Drange kundgibt, andre zu beglücken und zu erfreuen. Von diesem Drange war er als Kind in solchem Grade beseelt, daß die Eltern ihm sogar mit Strenge entgegentreten mußten. Denn er hatte die Neigung, alles, was er an sich hatte, zuweilen sogar die Schnallen seiner Schuhe oder seine Schulbücher, zu verschenken. Noch deutlicher erkennen wir die Innigkeit, und Tiefe seines Gemütes in der Glut seines Freundschaftsgefühls, in dem leidenschaftlichen Drange nach Seelengemeinschaft.
„Stünd' im All der Schöpfung ich alleine, Seelen träumt ich in die Felsensteine, Und umarmend küßt' ich sie.“
So ruft er in einem schwärmerischen Jugendgedicht aus. Die Freundschaft war ihm das höchste aller Erdengüter.„Denn über alles Glück geht doch der Freund, der's fühlend erst erschafft, der's teilend mehrt.“ Wie er in seinem dithyrambischen Jugendgedicht vor allen den glücklich preist, dem der, große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein, so weiß er auch für die Neige seines Lebens, wenn sie erloschen sind, die heiteren Sonnen. die seiner Jugend Pfad erhellt, keinen schöneren Trost als der Freundschaft leise zarte Hand. Und dieses Glück ist ihm in reichem Maße zuteil geworden; es war das einzige, das ihm treu geblieben ist von der Kindheit, bis zum Grabe. Kein schöneres Zeugnis gibt es für seines Herzens liebenswerte Züge als die große Zahl von Freunden, die des Lebens Bürde liebend mit ihm teilten. Wie wenige unter den Groben der Geschichte haben sich eines Freundes von so aufopfernder Hingebung rühmen können, wie ihn Schiller an dem treuesten unter allen, an Andreas Streicher besaß. Aber was im Don Carlos König Philipp sagt:„Der Freundschaft Flamme füllt eines Posa Herz nicht aus. Das schlägt der ganzen Menschheit. Seine Neigung war die Welt mit allen kommenden Geschlechtern“, das gilt auch von dem Dichter selbst. Wie das Feuer seines liebenden Gefühls, mit dem er die ganze Welt hätte umfassen mögen, auflodert in jenem schwärmerischen Ausruf in dem Hymnus an die Freude:
„Seid umschlungen Millionen, Diesen Kuß der ganzen Welt!'“
so fühlen wir seine Glut auch in dem heiligen Zorn, mit dem er in seinen Jugenddramen anstürmte gegen alle Schranken, die seinen damaligen Weltbeglückungsträumen entgegenstanden.
Und diese Glut des Gefühls schwächte sich nicht ab mit den Jahren, als jene Ideale zerrannen, die einst das trunkne Herz geschwellt. Es glühte seine Wange rot und röter von jener Jugend. die uns nie entfliegt, und niemals, auch in der Zeit nicht, die er fast ausschließlich in angestrengter wissenschaftlicher Arbeit verbrachte, trat bei ihm ein, wovor er in den Worten warnt:
Sie geben, ach, nicht immer Glut, der Wahrheit helle Strahlen, Wohl denen, die des Wissens Gut nicht mit dem Herzen zahlen.
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