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III. Chronik der Anstalt.
Am 28. September 1905 und 16. März 1906 fand die feierliche Entlassung der Abiturienten durch den Unterzeichneten statt.
Während des Sommerhalbjahrs mußte Herr Oberlehrer Dr. Heller und während des Winterhalbjahrs Herr Professor Schubring aus Gesundheitsrücksichten beurlaubt werden. Die Vertretung des ersteren übernahm der Kandidat des höheren Schulamts Herr Günther Menzel, die des letzteren der Kandidat des höheren Schulamts Herr Ernst Schulze. Beiden Herren ist die Anstalt für ihre erfolgreichen Dienste zu Dank verpflichtet.
Am 8. Mai nachmittags fand eine Schiller-Gedächtnisfeier statt, bei welcher Herr Professor Dr. Rudolph folgende Rede hielt: 3
Völker verrauschen, Namen verklingen, Aber der Fürsten einsame Häupter Finst're Vergessenheit Glänzen erhellt, Breitet die dunkelnachtenden Schwingen Und Aurora berührt sie
ber ganzen Geschlechtern aus. Mit den ewigen Strahlen
Als die ragenden Gipfel der Welt.
Was in diesen Worten der Chor in der„Braut von Messina“ zum Preise des Fürstenruhmes sagt, das gilt auch von den Königen des stillen Volks von Träumen, den Herrschern in der Phantasieen Himmelsräumen, den Sängern, die nach König Karls Ausspruch in der„Jungfrau von Orleans“ sich herrschend den Herrschern gleichstellen und wie diese auf der Menschheit Höhen wohnen, es gilt vor allem von dem Dichter dieser Worte selbst, dessen Gedächtnis zu feiern wir uns in dieser weihevollen Stunde versammelt haben. Ein volles Jahrhundert ist verstrichen, seitdem der Glocke mitternächtiges Läuten seinen Freunden kündete, daß sein Geist die irdische Hülle verlassen habe. Aber das Wort, das damals ihren lauten Schmerz gewaltig übertönen sollte, das stolze Wort„Denn er war unser“, es hat seitdem in immer weiteren Kreisen Widerhall Pelunden und erfüllt heut alle deutschen Herzen mit freudigem Stolz. In Nord und Süd des
eutschen Reiches und weit über seine Grenzen hinaus, wo immer diesseits und jenseits des Ozeans Deutsche in größeren und kleineren Gemeinschaften wohnen, wird der gulige Festtag mit gleicher Begeisterung gefeiert, ein erhebendes Zeugnis von dem einigenden Bande, das die Macht seines Geistes um alle Glieder der Nation geschlungen hat.
Und wo im weiten Reich des deutschen Wortes, Und wo es wanderlustig hingezogen,
Sich über'm Meer Kraft und Gestalt zu suchen, Drei Männer sind, die nicht am Staube kleben, Da denken sie bewegt an Friedrich Schiller Und mit ihm an das Beste, was sie kennen.
So hat ein Dichter, dessen Heimat außerhalb der Grenzen unseres engeren Vaterlandes liegt. diese einigende Macht besungen. Und diese Macht erstreckt sich in gleicher Weise auch auf alle Stände und Schichten des Volkes: im Palast wie in der Hütte, dem Hochgebildeten wie dem schlichten Mann aus dem Volke, den Alten wie den Jungen ist Schiller ein vertrauter Dichtername, und außer einigen Kirchenliedern gibt es kein wertvolles Erzeugnis der deutschen Literatur, das in solchem Umfange zu einem gemeinsamen Besitz des ganzen Volkes geworden wäre wie die beliebtesten der Schillerschen Dichtungen. Als in den letzten Monaten die Zeitungen die Berichte brachten von den Beratungen der staatlichen und städtischen Behörden und Körperschaften über die Vorbereitungen zum heutigen Festtage, da war es ein erhebendes Gefühl zu sehen, wie diese einigende Macht sich auch darin zeigte, daß der Name„Schiller“ wie ein Zauberwort der Sekten Feindschaft, der Parteien Haß zum Schweigen brachte und mit einer selten oder nie erlebten Hinmütigkeit die Mittel zu einer würdigen Art der Feier wetteifernd gefordert und bewilligt, wurden.
Worin aber liegt diese bezwingende Macht, diese einigende Kraft der Schillerschen Dichtung? Die oft gehörte Antwort lautet: in jenem Idealismus, durch den er einem tief im deutschen Nationalcharakter wurzelnden Bedürfnis entgegenkam und den tiefsten Grund des deutschen Gemütes aufzuregen verstand wie seit Luther kein anderer Geistesheld.
Wie ein weltliches Evangelium hebt seine hoch überm niedern Erdenleben schwebende Dichtung uns staunend himmelwärts, auf den Gipfel des Lebens, auf der Menschheit Höhen. Flüchtend aus der Sinne Schranken in die Freiheit der Gedanken läßt er uns im Seunbel des Schönen und des Großen die höchsten Wahrheiten ahnen, in deren Lichte der Streit der Mleinungen verstummt, der Kampf um irdische Güter nichtig erscheint und alle bangen Erdgefühle schweigen.
1„Denn wer den Sinn aufs Ganze hält gerichtet, Dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet.“
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