Aufsatz 
Anleitung zur Behandlung taubstummer Kinder von ihrem ersten Alter bis zum Eintritt in die Taubstummenanstalt für Eltern, Lehrer und Geistliche / Abhandlung des Taubstummenlehrers Priester zu Camberg
Entstehung
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gleichen und deute mit bejahender Miene abwechſelnd auf das Holz des Stückes und das der genannten Gegenſtände. Das iſt Holz, das iſt auch Holz, ſagt man, indem man die Geberde des Holzhauens, die für Holz hinzufügt. Auf die Frage: Was iſt noch weiter von Holz? läßt man das Kind nun ſelbſt hölzerne Dinge angeben und fügt noch andere hinzu.

Man bringt die Hände an die Seiten des Tiſchplattes und in dieſer Entfernung an den Sitz des Stuhles und ſpricht auf den Tiſch ſehend: der Tiſch iſt breit; nun bringt man die Hände in der Stuhlbreite zuſammen und ſpricht: der Stuhl iſt ſchmal. Nach mehrmaliger Wie⸗ derholung vergleicht man auch Tiſch, Stuhl, Bett der Länge und Höhe nach.

Man macht das Zeichen für eſſen, das für Speiſe, und das für auf den Tiſch ſtellen. Man wiederhole dasſelbe beim Stuhle und frage, während man das Kind nach gemachter An⸗ deutung forſchend anſteht: Dient auch der Stuhl dazu, Speiſen darauf zu ſtellen? Verneinung. Dann mit fragender Miene: Wozu dient der Stuhl? Es muß das Nachahmen des Setzens erfolgen. Beim Bette: Dient auch das Bett zum Setzen? indem man das Zeichen für ſetzen fragend wiederholt. Verneinende Geberde. Wozu dient das Bett? Es ſoll das Zeichen für ſchlafen und hineinlegen erfolgen, indem man den Kopf auf die Hand, dieſes, indem man die flache Hand auf das Bett legt.

Es könnte wohl dies eine Beiſpiel ſchon zur Genüge zeigen, wie man auch im zarten Alter eines taubſtummen Kindes auf deſſen Anſchauungs- und Vorſtellungsvermögen anregend und bildend hinwirken kann. Lehrern und Geiſtlichen dürfte die Art des Verfahrens hierdurch ſchon hinreichend angedeutet ſein. Aber in Betracht der Nützlichkeit ſolcher Anregungen, ſowie des oft ſo geringen Bildungsſtandes mancher Eltern, will ich noch ein anderes Beiſpiel hier folgen laſſen.

4 Das taubſtumme Kind ſitzt z. B. neben Einem zu Tiſche.

Der Kaffee ſteht auf demſelben friſch dampfend, daneben die Milch; außerdem ſehen wir: Brod, Weck, Butter, Latwerg, Meſſer, Taſſen ꝛc.

Man zähle die Taſſen, dann die Meſſer, dann die Wecke ꝛc.(Es ſoll Gleiches zuſammen⸗ faſſen.) Brod liegt nur eins da. Man ſehe ſich ſuchend um, ſchüttele den Kopf und ſpreche, den einen Finger, mit welchem man auf das Brod hindeutet, erhebend: Es iſt nur ein Brod da. Ebenſo verfährt man bei: Butterdoſe, Latwergeſchüſſelchen, und was ſonſt nur einmal auf dem Tiſch iſt.(Es ſoll Verſchiedenes trennen).

Man greift mit dem Finger an die Kaffee- und Milchkanne, zieht ihn haſtig zurück und ſpricht mehrmal: heiß, heiß. Dann berührt man eine noch leere Taſſe, eine Meſſerklinge ꝛc., beharrt wohl einen Augenblick in dieſer Berührung und ſpricht mit ruhiger aber verneinender Geberde: Nicht heiß! Auch muß das Kind ſelbſt mehrmals abwechſelnd den heißen und kalten Gegenſtand anfühlen und Zeichen bei ſeiner Empfindung angeben.

Es iſt etwas Kaffee oder Milch verſchüttet worden. Laſſe das Kind ſein Fingerchen be⸗ netzen und betrachten; zeige ihm einen trockenen Finger; ſprich, auf den naſſen deutend, darauf herumwiſchend und die Miene etwas unbehaglich: naß, dann auf den trockenen mit aufgeheiter⸗ ter Miene: trocken. Sind noch andere naſſe Gegenſtände zur Hand, oder kann man leicht Et⸗ was benetzen, ſo zeige man die Reihenfolge der naſſen mit dem naſſen Finger und die der tro⸗ ckenen mit einem trockenen Finger.

Sehr leicht laſſen ſich hier noch die Eigenſchaften: rund, eckig, ſcharf, ſtumpf; weiß, braun; ſüß, bitter, eßbar, zerbrechlich ꝛc. anfügen. Der Lehrer wird mir gern ihre Veranſchaulichung erlaſſen, wogegen ich noch Einiges über den Gebrauch hinzufüge.

Vor den Augen des Kindes ſtecke einen Biſſen Brod in den Mund und ihn. Ver⸗ ſuche ſcheinbar auch ein Stück vom Meſſerſtiel zu verzehren. Mit lächelnder Miene wird das