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bildet der Verſtand Vorſtellungen und Begriffe, indem er im erſten Falle die Anſchauungen von den einzelnen Merkmalen in eine Anſchauung— Vorſtellung—, im zweiten mehrere Vorſtel⸗ lungen in eine— Begriff— zuſammenfaßt. Außer dem Worte gibt es nun allerdings noch auch andere Zeichen, der Hände und anderer Glieder des Körpers, die entweder auf Gegen⸗ wärtiges hinweiſen, alſo die Aufmerkſamkeit darauf hinlenken und dadurch eine beſtimmt beab⸗ ſichtigte Anſchauung erzeugen helfen, oder eine gehabte Anſchauung und Vorſtellung aufs Neue hervorrufen können. Indeſſen werden durch dieſe Geſtikulationen die Vorſtellungen und Begriffe nicht bezeichnet, wie durchs Wort. Jene können nur auf einzelne Merkmale, die in der Vorſtellung enthalten ſind, hinweiſen, dieſes umfaßt alle Merkmale zur Vorſtellung, alle Vorſtellungen zum Begriff in einem Zeichen. Ich verwahre mich alſo gegen die Anſicht, die noch vielfältig vertreten wird, als könne die Geberde Erſatz der Wortſprache ſein. Die natürliche Geberde kann Nichts benennen, weder ein Ding, noch eine Eigenſchaft, noch eine Thätigkeit, ein Verhältniß, oder eine Zahl ꝛc. ꝛc. ⁵), ſondern nur zur Hinweiſung und Veran— ſchaulichung deſſen dienen, was außer dem Menſchen iſt und vorgeht, ſowie deſſen, was in ihm vorgeht. Glieder des Leibes können zur Hinweiſung auf Gegenwärtiges durch Hindeuten, auf Thätigkeiten durch Nachahmung derſelben, auf eine Zahl durch Darſtellung ihrer Einer, auf innere Zuſtände durch Mienen, die ſich dabei gewöhnlich auf dem Geſichte aus⸗ prägen, dienen.—
„Das erſte Wörterbuch(!) des Taubſtummen ⁶) iſt aus Nachahmungen der Bewegun⸗ gen der Dinge geſammelt.“ Das Huhn iſt ihm das Scharrende, die Katze das Kratzende, der Blitz das am Himmel Zuckende, der Jäger das Schießende ꝛc. Um alſo ein Huhn zu bezeich⸗ nen, ahmt der Taubſtumme, und wer ihn darauf aufmerkſam machen will, die Bewegung des Scharrens, bei der Katze die Bewegung des Kratzens, beim Blitz die des Zuckens, beim Jäger die des Schießens nach.
Die Nachahmungen des Hobelns, Sägens, Schneidens, Nähens, Bohrens, Stechens, Hämmerns ꝛc. ſind Andeutungen zur Bezeichnung der Werkzeuge, womit dieſe Verrich⸗ tungen ausgeführt werden; die Nachahmungen des Pichens, Hauens, Schmierens, Melkens, Waſchens ꝛc. ſind Andeutungen für die Stoffe und Gegenſtände, womit gepicht, was und womit gehauen, womit gewaſchen ꝛc. wird, alſo für Pech, Holz, Seife, Butter, Milch ꝛc. Um ſoviel wie möglich Verwechſelungen zu vermeiden zwiſchen dem Gegenſtand, der die Thätigkeit ausführt, und dem, womit oder woran ſie ausgeführt wird, z. B. ob man Hobel, oder hobelen, oder Schrei⸗ ner, ob man Art, oder Holz meine, muß man noch die Andeutung anderer, charakteriſtiſcher Kennzeichen damit verbinden. Z. B. bei Axt kommt zur Nachahmung des Hauens noch die Andeutung der Länge derſelben; bei Holz Hauen und Tragen auf dem Arme; bei Nadel Nähen und Länge der Nadel; bei Hobel Hobeln und Länge des Hobels; bei Hobeln bloße Andeutung der Thätigkeit; bei Schreiner Hobeln und Größe des Mannes.
Wie kann man aber durch Geberdezeichen auf Eigenſchaften hinweiſen?
Das Zeigen nach gleichfarbigen Gegenſtänden iſt auch das Zeichen für die betreffende Farbe. Z. B. Hindeuten auf Schnee, Milch, Mehl, Wolle iſt das Zeichen für weiß, auf die Pohe für roth, auf den Himmel für blau, auf Gras ꝛc. für grün, auf die Dinte ꝛc. für chwarz.
5) Darin bat auch die Behauptung jenes Taubſtummen ihren Grund, der äußerte:„Als ich noch keine Wortſprache hatte, ſah ich wohl einen Stuhl und noch einen Stuhb!, aber nicht zwei Stühle.“ 6) Hill in ſeiner„Anleitung zum Sprachunterrichte taubſtummer Kinder für Pfarrer und Lehrer,“ welches Werk ich hiermit empfehlen will. 2


