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dramatischen Kantate»Fürs Vaterland«, gedichtet von Franz Treller und in Musik gesetzt von K. A. Mangold, abwechselten. Das Bibelwort und das Gebet sprach der Direktor. Die Fest- rede über»Die besonderen Resultate und den eigentümlichen Wert der humanistischen Er- ziehung« hielt der Oberlehrer Dr. Schäfer I.
Am 30. Jan. fand hierauf unter Leitung des Gesangslehrers Witt zum Besten der Stiftung früherer Schüler eine musikalisch-dramatische Abendunterhaltung in der Aula statt, bei welcher u. A. auch die vorerwähnte melodramat. Kantate von Treller nochmals zur Aufführung kam.
Am 24. Januar zeigte der Lehrer Dörbecker an, dass er sich durch eine ernstliche Erkrankung genötigt sehe, den seit Michaelis vor. Jahres in Stellvertretung gegebenen Gesang- unterricht der Quinta und Sexta aufzugeben.— Schon am 28. Dezember 1896 hatte auch der Technische Lehrer Witt ein durch ein ärztliches Zeugnis begründetes Urlaubsgesuch für die Zeit vom Februar bis zum 30. September 1897 eingereicht. Unter diesen Umständen musste für eine alsbaldige Vertretung gesorgt werden. Vom 1. Februar an übernahm der Schulamts-Kandidat Isidor Kullmannꝰ“ aus Breitenholz 28 wöch. Stunden des Lehrers Witt, während der Lehrer an der hiesigen städtischen Mädchenschule, Heinrich Gorell**, von da an den Chorgesang in 3 wöch. Stunden leitete. Das Urlaubsesuch des Technischen Lehrers Witt wurde durch Erlass des Herrn Ministers vom 25. Januar genehmigt, seine Stellvertretung in den Geschäften als Rendant der K. Gymnasialkasse aber durch Verf. der K. Regierung zu Cassel vom 16. Januar dem Herrn Kreisrentmeister Sommer dahier übertragen.
In den Tagen vom 11. bis zum 18. Februar fertigten die diesjährigen Abiturienten die schriftlichen Arbeiten der Reifeprüfung an.
Am 16. Februar beging das Gymnasium in der Aula eine Gedächtnisfeier der vier- hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages von Philipp Melanchthon durch Gebet, Bibellektion und eine Festrede des Religionslehrers Professor Vogt über das Leben und die Be- deutung Melanchthons.
Montag den 22. Februar unterzog der Professor der Ophthalmologie an der hiesigen Universität Herr Dr. Hess alle Räumlichkeiten der Anstalt einer genauen Prüfung vom Standpunkt der Augenheilkunde und sprach sich zur Freude des Direktors sehr anerkennend über alle in dieser Hinsicht bei dem Umbau getroffenen Einrichtungen aus.
34 Schüler der Untersekunda schrieben in den Tagen vom 8. bis zum 12. März die Arbeiten für die Abschlussprüfung.
Dienstag den 9. März hatte der Professor der Archäologie an der hiesigen Universität Herr Dr. v. Sybel, wie in den vorausgegangenen Jahren, die grosse Freundlichkeit, die von ihm begründete vortreffliche Sammlung von Gipsabgüssen den Schülern der Oberprima, welche unter Führung des Direktors erschienen waren, zu zeigen und sie durch einen erläuternden Vortrag mit der Entwicklung der griechischen und römischen Kunst und mit deren Meistern und Hauptwerken
Isidor Kullmann, kathol. Konfession, geb. am 29. Januar 1876 zu Breitenholz im Eichsfeld, besuchte von Mich. 1893 an das Kgl. Lehrerseminar zu Fulda und bestand daselbst am 25. September 1896 die erste Lehrerprüfung. Durch Verf. des Kgl. Prov. Schulkollegiums vom 29. Januar d. Jahres wurde er mit der Vertretung des Technischen Lehrers Witt beauftragt.
**r Heinrich Corell, evgl. Konfession, geb. am 23. Oktober 1853 zu Leimsfeld(Kr. Ziegenhain), be- suchte von 1871— 1874 das Lehrerseminar zu Homberg und wurde Ostern 1874 an der Knabenbürgerschule zu Marburg angestellt. Seit 1881 unterrichtet er an einer Oberklasse der Mädchenbürgerschule und ist seit 1875 ununterbrochen an der hiesigen Vorschule thätig. Durch Verf. vom 9. Febr. genehmigte das Kgl. Prov.-Schul- kollegium zu Cassel seine Beauftragung mit dem Chorgesangunterricht am hiesigen Gymnasium.


