Aufsatz 
Baubeschreibung [des Königlichen Gymnasiums zu Marburg] / vom ... Neuhaus
Entstehung
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26 der gleichfalls neu hergerichtete, namentlich nunmehr genügend entwässerte und mit Gebüsch- anlagen umgebene Turnplatz in Benutzung genommen werden.

Nach Beendigung der letzten Herstellungsarbeiten fand die Einweihung der neuen Aula in Anwesenheit des Herrn Geh. Reg.-Rats Dr. Lahmeyer und in Gegenwart der be- sonders eingeladenen Vertreter hiesiger Behörden vor versammelter Schulgemeinde statt. Da dieses Fest mit dem Allerh. Geburtstag Ihrer Maj. der Kaiserin und Königin zusammenfiel, so hatte, abge- sehen von dem gewöhnlichen Festschmuck des Hauses und der Aula, vor dem Katheder die Büste Ihrer Majestät, von Pflanzen umgeben, Aufstellung gefunden. Nach einem Festpräludium für Orgel und Streichorchester, sodann einem vierstimmigen ChorLobe den Herrn, endlich nach einer Bibellektion und einem Gebet vollzog Herr Geh.-Reg. Rat. Dr. Lahmeyer in einer zu Herzen gehenden, namentlich an die Schüler sich wendenden Ansprache die Weihe des neuen Fest- saales und überreichte am Schluss seiner Worte dem Direktor die ihm von des Königs Majestät Allergnädigst verliehenen Insignien des Adlers der Ritter des Hohenzollernschen Haus- ordens. Nach Aufführung des Satzes 5 aus der melodramatischen Festkantate von Franz Treller »Dem Kaiser Heil« sprach der Direktor für die ihm verliehene Allerhöchste Auszeichnung seinen ehrerbietigen Dank aus und schloss nach einem kurzen Vergleich der früheren, in jeder Be- ziehung dürftigen und beschränkten Räumlichkeiten des alten Pädagogiums mit den jetzigen gesunden, hellen und geräumigen Stätten des heutigen Gymnasiums mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Seine Erlauchte Gemahlin, das hohe Geburtstagskind des Tages. Nach dem unter Begleitung von Orgel und Orchester sich anschliessenden Gesang des»Heil Dir im Siegerkranz« ergriffen noch mehrere der erschienenen Ehrengäste das Wort zum Ausdruck der freundlichen Gesinnung der von ihnen vertretenen Körperschaften gegen unsere Anstalt, worauf die Feier mit dem unter Begleitung von Klavier und Orchester vorgetragenen Pilgerchor aus »Tannhäuser« von R. Wagner ihren Abschluss fand.

Sonnabend den 31. Oktober wurde der Unterricht aller Klassen um 10 Uhr vormittags geschlossen. Hierauf versammelten sich die evangelischen Schüler und Lehrer in der Aula, um in herkömmlicher Weise durch Bibellektion, Gebet und Gesang eine Gedenkfeier der Refor- mation zu begehen. Die festliche Ansprache hielt der Oberlehrer Dr. Lange über»Luthers Stellung zum Bauernkrieg«.

Am 20. November wurde von Seiten des Oberbürgermeisteramtes den hiesigen Schul- vorständen die Mitteilung von einer Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten, durch welche allen Schülern unserer Stadt gestattet wird, die Eisbahn auf der Lahn unentgeltlich zu benutzen, mit Ausnahme derjenigen Tage, an welchen Concerte auf dem Eis abgehalten werden. Diese Verfügung wurde allseitig mit dem wärmsten Dank entgegengenommen. Zur Benutzung der Eisbahn wurde am 12. Januar 1897 der Nachmittagsunterricht ausgesetzt.

Sonntag den 13. Dezember gab der unter den Schülern bestehende und von Herrn Musikmeister Noack geleitete Musikverein in der Aula eine musikalische Abendunterhaltung, welche sich von Seiten der Zuhörer einer wohlwollenden Aufnahme erfreute.

Dienstag den 22. Dezember hielt das Gymnasium zum ersten Male in seiner neuen Aula eine liturgische Weihnachtsandacht wie in den früheren Jahren ab.

Die vierzehntägigen Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember 1896 bis zum 6. Januar 1897.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde Mittwoch den 27. Januar in der mit Laubgewinden geschmückten Aula durch eine Schulfeier begangen, bei welcher Vorträge des Schülerorchesters mit Deklamationen und der Aufführung einer melo-