Rudolf Homburg* von Cassel beauftragt und trat seinen Dienst unmitlelbar nach den Sommerferien an.
Zu der Reifeprüfung des Michaelistermins hatten sich fünf Oberprimaner gemeldet. Dieselben schrieben in den Tagen vom 10. bis zum 14. August ihre Prüfungsarbeiten.— Zur Abschlussprüfung waren drei Untersekundaner zugelassen. Dieselben fertigten in den Tagen vom 31. August bis zum 5. September die schriftlichen Prüfungsarbeiten an.
Die Schulfeier des Sedantages verlief nur zum Teil in der herkömmlichen Weise. Frühmorgens führten wie alljährlich die Trommler und Pfeifer des Gymnasiums, begleitet von Primanern mit den Schulfahnen, unter Leitung des Pedellen Pohle einen Weckruf durch die Stadt aus. Eine Schulfeier dagegen konnte in Ermangelung eines passenden Raumes in diesem Jahre nicht abgehalten werden, und auch der übliche Ausflug der einzelnen Klassen musste wegen der Ungunst des Wetters unterbleiben.
Sonntag den 13. September begingen die evangelischen Lehrer gemeinsam mit den konfirmierten Schülern dem Herkommen gemäss je nach ihrer Konfession in der reformierten oder lutherischen Kirche die Feier des heiligen Adendmahles.
Mittwoch den 16. September bestanden zwei von den zugelassenen Untersekundanern die mündliche Abschlussprüfung.
Dienstag den 22. September fand unter dem Vorsitz des Geh. Reg-Rates Dr. Lahmeyer aus Cassel die mündliche Entlassungsprüfung statt, an deren Schluss, nachdem ein Aspirant während der Prüfung zurückgetreten war, den übrigen vier das Zeugnis der Reife erteilt wurde.
Wegen allzugrosser Hitze wurden während des Sommerhalbjahres an 4 Tagen, und zwar am 15., 16., 17. u. 18. Juni, sowohl die Stunden von 11-12, als die Nachmittagsstunden ausgesetzt.
Die Herbstferien dauerten vom 26. September bis zum 12. Oktober.
Montag den 12. Oktober fand die Aufnahmeprüfung, Dienstag den 13. vorm. um 8 Uhr die Eröffnung des Wintersemesters in herkömmlicher Weise durch eine in der Turnhalle apgehaltene Andacht, durch Verlesung und Erläuterung der Schulgesetze, sowie durch die Verpflichtung und Aufnahme von 10 neu eintretenden Schülern statt.
Am gleichen Tage trat der Oberlehrer Schenkheld einen ihm zum Zweck einer Studienreise nach ltalien bewilligten halbjährigen Urlaub an, während dessen er in seinem Unterricht durch den wiss. Hilfslehrer Karl Lorch von hier vertreten wurde, welcher schon mehrmals an unserm Gymnasium vorübergehende Aushilfe geleistet hatte, und über dessen Per- sonalien im Osterprogramm von 1895 S. 25 das Nähere berichtet ist.
Von demselben Zeitpunkt an übernahm zur Erleichterung des Lehrers Witt der Lehrer an der höheren Mädchenschule Heinrich Dörbecker die Gesangstunden in Quinta und Sexta und der Hilfslehrer Stange die Turnstunden in Obertertia.
Mit Beginn des Wintersemesters konnten— nachdem schon am 12. Oktober der Um- und Erweiterungsbau von dem Kgl. Kreisbauamt dem Direktor übergeben und von diesem über- nommen worden war— das neue Konferenzzimmer, 3 neue Schulzimmer in dem Neubau und
* Rudolf Homburg, evgl. Konf., geb. zu Karlshafen, besuchte das K. Gymnasium zu Hersfeld, studierte zu Marburg Theologie und Philologie und bestand im Juli 1891 die Prüfung pro fac. docendi in der Religionswissenschaft, der klassischen Philologie und dem Hebräischen. Das Seminarjahr leistete er zu Marburg, das Probejahr zu Hanau ab. Vom Herbst 1893 war er in Vertretungen zu Hanau, Cassel und Frankfurt a. M. thätig und wurde durch Verf. vom 31. Juli mit der Stellvertretung des Obl. Dr. Euler am hiesigen Gymnasium beauftragt.


