35 II.
Chronik des Gymnasiums.
Dr. Hinkel, welcher seit der Mitte Novembers 1838 seiner praktischen Ausbil- dung wegen an der Anstalt Unterricht ertheilt hatte, wurde durch höchsten Beschluss vom 8. April 1840 beauftragt, die Stelle des Lehrers für Sprachunterricht an der höhern Ge- werbschule zu Cassel gegen eine jährliche Vergütung von 400 Rthlr. zu versehen. Durch höchsten Beschluss vom 25. April wurde dafür der Candidat der Philologie Eduard Most als Praktikant dem hiesigen Gymnasium zugewiesen und demselben, namentlich in Rück- sicht des von ihm zu übernehmenden Unterrichts in der englischen Sprache, eine monatliche
Vergütung von 8 ⅓ Rthlr. ausgesetzt. Am 27. April wurden die Recipienden geprüft; am darauf folgenden T55e nahm der Sommercursus seinen Anfang.
Am 7. Mai wurde der Praktikant Dr. Most in den Classen, in welchen er zunächst Unterricht ertheilen sollte, vom Director eingeführt und trat an demselben Tage sein Lehramt an.
Auf Antrag des Directors wurden durch einen hohen Ministerialbeschluss vom 12. Mai Dr. Kohlrausch und Zeichenlehrer Storck mit der Leitung des Turnunterrichis für das laufende Sommersemester gegen eine angemessene Vergütung beauftragt.
Die Brunnenferien begannen den 5. Juli und dauerten bis zum 25. Juli.
Durch höchstes Rescript vom 30. Juli wurde der dritte Hauptlehrer Dr. Schiek an das Gymnasium in Marburg versetzt, woselbst er jedoch erst mit dem Anfange des Wintersemesters seinen Dienst anzutreten hatte, so dass demnach durch diese Versetzung
Anm. 1. Eduard Most wurde am 17. Februar 1818 zu Hersfeld geboyen. Nachdem er von seinem Vater, welcher ein Lehramt an der dortigen Stadtschule bekleidet, den ersten Unterricht
erhalten hatte, besuchte er von seinem 10ten Jahre an bis zum Herbste 1835 das Gymnasium daselbst und bezog dann nach überstandener Maturitätsprüfung die Universität zu Marburg, um Theologie und Philologie, letatere als Hauptfach, zu studiren. Gleich Anſangs wurde er Mitglied des philologischen Seminars und sehr bald durch C. F. Hermann's Vorlesungen für das Studium der Alterthumswissenschaften entschieden begeistert. Da ihn nun ein hartnäckiges Brustübel, von dem er im Frühjahr 1837 ergriffen wurde, erkennen liess, dass er nicht ohne bleibenden Nachtheil füjr seine Gesundheit fernerhin das Studium der Theologie mit dem der Philologie verbinden könnte: so gab er das erstere oder wenigstens das Hören von theologischen Collegien seit jener Zeit auf und widmete seine ganze Kraft der Philologie. Daneben beschäf- tigte er sich späterhin auch mit dem Studium der Philosophie und der englischen und italieni- schen Sprache. In den ersten Tagen des März 1840 bestand er die vorschriftsmässige theoretische Prüfung vor der in Marburg dazu niedergesetzten Commission und wurde gegen Ende desselben DIonats nach Einreichung einer Abhandlung„de Hippolyto Thesei filio“ und nach öffentlicher
Vertheidigung derselben von der philosophischen Facultät zum Doctor promovirt..
1.. 3*


