Aufsatz 
Abfassung von Schulausgaben / Carl Jul. Weismann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

Dass die Citate möglichst deutlich und bestimmt gegeben werden missen, damit der Schüler sie leicht auffinden kann, versteht sich von selbst. Die meisten Grammatiken aber mit ihren langen Paragraphen oder Capiteln und den darin eingeschachtelten Divisio- nen und Sub-sub-subdivisionen machen da oft unübersteigliche Hindernisse. Ich weiss zwar wohl, dass diese vielfachen Eintheilungen oft dem Wesen des zu behandelnden Stoffes nach nicht zu vermeiden sind obwohl ich doch der Meinung bin, dass sie auch oft unbeschadet der logischen Übersichtlichkeit oder vielmehr gerade zum Vortheil derselben vereinfacht werden könnten, aber dadurch wenigstens liesse sich doch das Citiren er- leichtern, dass man, unbeschadet der das logische Verhältniss bezeichnenden Abtheilung, das Ganze in kürzere Paragraphen oder Capitel zerlegte, oder wenn man glaubt jede zusammen- gehörige Parthie der Grammatik auch äusserlich in einem zusammenhängenden Abschnitt zu- sammenfassen zu müssen, wenigstens die grösseren Glieder des Ganzen durch fortlaufende Para- graphenzeichen am Rande noch in kleinere Parcellen trennte. 15) Man wende mir nicht ein, dass wo es sich anders nicht bequem machen lässt, man lieber nach paginis citiren könne. Ich bin vielmehr der Meinung, dass diese Art zu citiren möglichst vermieden werden müsse, weil, sonst, wenn das citirte Buch eine neue Auflage erlebt, alle die Berufungen und Verwei- sungen auf dasselbe mit einem Schlage zu einem unbrauchbaren Zahlenwust herabsinken.

Die Art nun, wie die einzelnen Noten abgefasst werden müssen, kann nach Um- ständen und Bedürfniss vielfach verschieden seyn. Entweder es wird geradezu das Nöthige gesagt, dies ist natürlich die am meisten zur Anwendung kommende Form; oder es wird nur durch Fragen oder durch Angabe von abweichenden Lesarten das Nachdenken des

Schülers angeregt und auf den rechten Weg geleitet; oder es wird bei sprachlichen Erläu- terungen eine Parallelstelle hingesetzt; oder es wird auf eine andere Sprache hingewiesen, in der der Schüler schon weiter vorgeschritten ist; oder wie es eben für den vorliegenden Zw reck in Tedan einzelnen Falle am dienlichsten erscheinen mag.

15) Ich glanbe übarhaupt, dass die Grammatiker bei der äusseren Gesialtung ihrerehrbücher billiger Weise darauf Rücksicht nehmen müssten, dass Verweisungen auf dieselben bei münd- licher oder gedruckter Erklärung möglichst leicht und beduem vorgenommen werden können. Diese Rücksicht müsste in dreifacher Beziehung stattfinden; 1. in Bezug auf die Unterabthei- lung der einzelnen Parthien; 2. in Bezug auf die Umgestaltung bei etwaigen neuen Auflagen; diese müsste äusserlich so gering als möglich seyn und jedenfalls auf irgend eine Weise redu- cirhar gemacht werden; 3. aber, und dies ist der Hauptpunct, in Bezug auf die Fassung der einzelnen Regeln. Diese müssten nach meiner Ansicht mög glichst kurz und präcis und von allem erläuternden Beiwerk und von den Beispielen 3 so weit es thunlich ist, räumlich geschieden seyn. Weit entfernt, dass durch diese Rücksichtsnahme auf die Lectüre der Schüler die Grammatik eine ihrem Wesen fremde und nachtheilige Einwirkung erhielte, würde dadurch vielmehr selbst dem grammatischen Studium der Schüler, an und für sich betrachtet, eine wesentliche Erleich- terung und Förderung zu Theil werden. 3

3*