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Wenn ich oben gesagt habe, dass die Anmerkungen allen Bedürfnissen abhelfen müssten, die bei dem Schüler während der Lectüre rege werden, so ist damit natürlich nicht ge⸗ meint, dass anderweitige Hülfsmittel, die man bei den Schülern voraussetzen kann, igno- rirt werden sollen. Dies könnte nur zu höchst kostspieliger Weitläufigkeit und uner- spriesslicher Isolirung der Lectüre der classischen Schriftsteller von dem, was in andern Lehrstunden vorkommt, hinführen. Vielmehr wird man sich, bevor man an die Ausar- beitung der Anmerkungen geht, genau mit den Büchern, welche die betreffenden Schüler voraussichtlich in Händen haben, bekannt machen, oder wo dies im Voraus nicht angeht, in den einzelnen Fällen während der Arbeit dieselben sorgfältig nachschlagen, und dann iberall, wo diese die nöthigen Erläuterungen liefern, den Schüler mit seinem Hülfegesuch stillschweigend oder ausdrücklich an diese verweisen müssen. Solche Bücher, die man mit Sicherheit bei jedem Schüler voraussetzen kann, sind die Grammatik, das Lexicon und ein Geschichtscompendium, alle in den unteren Classen von geringerem, in den oberen Classen von grösserem Umfang und tieferem Inhalt, und dann noch etwa die auf den rückwärts liegenden Lehrstufen oder auch die in der betreffenden Classe selbst parallel zur Lectüre bestimmten Schriftsteller. Mehr Bücher bei dem Schüler vorauszusetzen wäre unbillig oder würde wenigstens durch die Erfahrung als irrig erwiesen werden. ¹³)
Solche Dinge nun, von denen der sorgsame Schüler leicht erkennen kann, dass er darüber Rath suchen muss, und dass er ihn und wo er ihn in jenen Büchern, die er be- sitzt, auflinden kann, werden in den Anmerkungen ganz mit Stillschweigen zu übergehen seyn. Dagegen überall, wo der Schüler, voraussichtlich entweder gar nicht merkt, was ihm eigentlich Noth hut, oder doch nicht weiss, wohin er sich um Hulfe wenden soll, da muss er durch Citate zu der rechten Quelle hingeleitet werden. 14)
13) Von der Verkehrtheit, welche sich leider noch immer manche Verfasser von sogenannten Schulausgaben zu Schulden kommen lassen, indem sie die Schüler auf die gelehrten Commen- tatoren hinweisen, auf Bücher, die nicht einmal der Lehrer selbst immer bei der Hand hat oder sich wenigstens verschaffen kann, will ich gar nicht reden. Dass es Verkehrtheit ist, sieht jeder ein, und nur die liebe Eitelkeit der Herren Verſasser, die sich gern mit etwas ge- lehrtem Prunk schmücken wollen, ist es, die sie zu dieser Verkehrtheit führen kann. Auch abgesehen von der Frage, ob das Nachschlagen solcher Citate dem Schüler überhaupt von Nutzen seyn kann, wird er denn die betreffenden Bücher auftreiben können, und gesetzt auch, er kann sie sich zufällig aus der Schulbibliothek oder sonst woher verschaffen, wird ihm nicht, ohne dass man ihn gerade der Lassheit beschuldigen kann, das beständige Zusammensu- chen von Büchern bald überlästig und zuwider werden! Weiss es doch auch der Erwach- sene von sich selbst, wie oft er das Nachschlagen von Citaten unterlässt, wenn ihm die nö- thigen Bücher nicht gleich zur Hand sind...
14) Grammatische Regeln wird der Schüler oft unterlassen in seiner Grammatik zu suchen, weil er gar nicht merkt, wo eigentlich der Knoten steckt. Derselbe Fall ist es bei häufig vor- kommenden, ihm längst bekannten Wörtern, sobald sie einmal in einer ungewöhnlichen Be- dentung gebraucht werden.


