Aufsatz 
Abfassung von Schulausgaben / Carl Jul. Weismann
Entstehung
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und es getreulich Vers für Vers und Paragraph für Paragraph signalisiren, ob er den Fuss rechts, ob er ihn links setzt. Dann wird der Schüler, gestützt auf seinen allzugü- tigen Mentor, sich kühn auf das unsichere Meer des Rathens hinauswagen und nicht den Sinn des Ganzen aus den einzelnen Worten, sondern die Bedeutung der einzelnen Worte aus dem Sinn des Ganzen zu erkennen suchen. Fasst das argumentum aber die Haupt- gedanken der betreffenden Schrift in gedrängter, aber klarer Kürze übersichtlich zusammen, dann ist dem Schüler zwar auch ein Faden gegeben, der ihn in manchen Fällen bei dem Lesen vor Irrungen bewahren und auf den rechten Weg führen kann, es ist ihm gleichsam ein Leuchtthurm aufgebaut, nach dessen Licht er sich stets orientiren und zurechifinden kann, ohne dass er aber auf der anderen Seite zu ungebührlicher Erleichterung ins Schlepptau genommen und der Nöthigung, Sinne und Compass anzuwenden, überhoben wird. Und überdies wird er so, wenn ihm der Kern dessen, womit er sich nun längere Zeit beschäf- tigen soll, kurz und bündig mitgetheilt wird, ein reges Interesse fühlen, Ausführlicheres darüber zu hören und wird gern daran gehn, die Schwierigkeiten zu bekämpfen, die der Erfüllung dieses Wunsches in den Weg treten. Gehen aber die argumenta gar zu sehr ins Einzelne, dann wird ihm der Überblick und die Lust zu näherem Bekanntwerden um ein Bedeutendes verringert werden. Bei kleineren Stücken, wie z. B. bei den einzel- nen Göttergesprächen des Lucian, halte ich argumenta nicht nur für unnöthig, sondern sogar für schädlich, und zwar aus demselben Grunde, warum mir bei grösseren Stücken gar zu sehr ins Einzelne gehende Inhaltsanzeigen verwerflich schienen. Den argumentis noch ästhetische Bemerkungen oder gar eine ausführliche Characteristik und Critik beizu- fügen, möchte ich in keinem Fall rathen. Was in dieser Hinsicht nöthig seyn möchte, kann der Lehrer viel besser bei einzelnen Stellen und namentlich am Schlusse des Ganzen mündlich mittheilen, wenn man es nicht vorzieht, lieber das Kunstwerk durch seine eigne Schönheit und ohne Einhülfe auf die Gemüther der Schüler wirken zu lassen und nur dafür zu sorgen, dass das Eipzelne und das Ganze, wie man es bei einem Gemälde verlangt, seine richtige Stelle und angemessene Beleuchtung erhalte und so mit woller Gewalt seinen Einfluss üben könne.

Mehr noch als bei jedem anderen Theile einer Schulausgabe wird bei den Noten ein unbedingtes Festhalten an dem an die Spitze dieser Erörterung gestellten Grundsatze nöthig seyn, dass eine Schulausgabe nur für das Bedürfniss von Schülern und zwar von Schilern einer bestimmten Classe berechnet seyn und weder unter dieselben herabsteigen, noch dieselben überbieten dürfe. Wir werden diesen Grundsatz noch näher dahin bestimmen müssen, dass eine Schulausgabe nur für das Bedürfniss der Schüler, so weit es bei der Lectüre des betreffenden Schriftstellers rege wird, zu sorgen habe, nicht aber darüber hinaus auf anderweitige Zwecke hinwirken dürfe. Wohl kann und soll der Schüler durch die Lectüre eines Schriftstellers auch seine grammatischen, lexicalischen und historisch- antiquarischen Kenntnisse erweitern und vertiefen, aber der unmittelbare Zweck bei der

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