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Ist dies aber nicht der Fall, so werden Editionen mit erklärenden Beigaben nur nützlich wirken können, vorausgesetzt, dass sie nach dem oben ausgesprochenen Grundsatz sich streng an die Bedürfnisse der Schüler anschliessen und weder darüber hinausgehen, noch unter dieselben herabsteigen;— im erstern Falle belasten und verdriessen sie die Schüler; im andern Falle gibt es Eselsbrücken. Unter dieser Voraussetzung also glaube ich alle jene erklärenden Beigaben gut heissen zu missen, Lebensbeschreibungen und Characte- ristiken der Schriftsteller, AJrgumenta, Anmerkungen, indices,— nur nicht die Wör- terbücher.
Ich kenne und beachte wohl die Gründe, die man zur Vertheidigung derselben bei- gebracht hat, hergenommen von der Schwierigkeit, die dem kleineren Schüler das Hand-. haben grösserer Wörterbücher macht, und der Muthlosigkeit und Unzufriedenheit, die ihm leicht daraus erwächst; aber ich kenne auch die vielen Nachtheile, die aus dem Gebrauch solcher Specialwörterbücher hervorgehen, zumal wenn in denselben gar noch bei den ver- schiedenen Bedeutungen eines Wortes oder den verschiedenen Ausdrucksweisen, die in verschiedenen Umgebungen für dasselbe in der Muttersprache passend sind, die betreffende Stelle des Autors citirt wird. Ich will nicht davon reden, dass der Schüler, wenn er weiss, dass er nur seine Ausgabe zu sich zu nehmen braucht, um sagen zu können: omnic medu mecum porto, gar leicht in Versuchung kommt, die Präparation für die Zwischen- stunden aufzusparen; ich will nicht davon reden, dass bei dem wüsten Sammelsurium, was nothwendig in einem solchen Schulspecialwörterbuch statthaben muss, wenn nicht eine Menge von nicht unmittelbar zur Sache Gehörigem eingeflickt werden soll, der Sinn für organischen Zusammenhang der einzelnen sogenannten Bedeutungen eines Wortes nimmer- mehr in dem Schüler erwacht; ich will nicht davon reden, dass der Schüler, welcher sich eines solchen Specialwörterbuchs bedient, es nachmals nicht so leicht lernt, ein grösseres Wörterbuch vernünftig und geläufig zu handhaben;— von dem allem will ich nicht reden, da das Erste wohl vielleicht durch sorgfältige Aufsicht verhütet, das Andere und Dritte aber vielleicht auf anderem Wege noch einigermassen erreicht werden kann; was aber bei dem Gebrauch solcher Specialwörterbücher auf keine Weise verhittet und auf keine Weise wieder gut gemacht werden kann, das ist die Gedankenlosigkeit und Schlaflheit, die ihm auf dem Fusse folgt. Wer wüsste nicht aus eigner Erfahrung, wie Schüler mit einem solchen Wörterbuche in der Hand zu arbeiten pflegen? Ein Satz liegt vor; er enthält mehrere unbekannte Wörter; sie werden aufgesucht, und das Auge irrt sinnlos den Artikel durch, bis es auf die Zahl des betreffenden Buches, Kapitels und Paragraphen stösst.
nisches Nachbeten gewöhnt werden. Die erste Tugend des Lehrers ist consequente Selbst- ständigkeit, die zweite zartes und gewandtes Eingehen in fremde Eigenthümlichkeit. Ohne diese letztere Tugend ist an ein Selbstständigwerden der Schüler in intellectueller und mora- lischer Hinsicht nicht zu denken.


