Aufsatz 
Abfassung von Schulausgaben / Carl Jul. Weismann
Entstehung
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solche blosse Textesabdricke allen mit erklärenden Beigaben versehenen Editionen vor, theils weil sie ihrem Unterricht nichts vorweg nehmen lassen wollen, theils damit nicht dem Schiler das Verständniss zu sehr erleichtert werde. Aber sollte es nicht vielmehr dem Lehrer erwünscht seyn, wenn der Schüler durch seine Ausgabe in den Stand gesetzt wird, für sich allein, wenn er nur den nöthigen Fleiss und die enisprechende Fähigkeit zu der Arbeit hinzubringt, seinen Schriftsteller mit einem ziemlich genügenden Grad von Gründlichkeit zu durchdringen, so dass der Lehrer in den Stunden nur wenig nachzuhelfen und zu bessern hat und gewissermassen nur controllirend und repetirend zu Werke zu gehen braucht? So allein wird eine einigermassen rasche und doch dabei gründliche Lectüre. möglich, ohne die in dem Schüler nimmermehr ein reges Interesse für den Schriftsteller, das ihn auch späterhin wieder und immer wieder mit Vergnügen zu demselben zuriückkehren lässt, erweckt und erhalten werden kann. Und wie unendlich viel Zeit geht bei dem Dictiren von Bemerkungen verloren, und wie viel Wirrwarr und Missverständniss ent- steht auf der andern Seite, wenn man es dem Schüler überlässt, aus dem Vortrag des Lehrers selbstständig das Nothwendige zu excipiren! Und wollte man dem Gedächtniss des Schülers alles überlassen, wie bald würde man schmerzlich finden, dass dies stets nach kurzer Zeit wieder einer tabula rasa gleicht.

Freilich wird die Sache noch schlimmer, wenn der Lehrer sich nicht enthalten kann, die Erklärungen, welche in den Ausgaben der Schüler enthalten sind, jeden Augenblick zu tadeln, zu widerlegen und abzuändern. Die Folge davon kann nur eine vollkommne Confusion seyn. 7) Dann liégt aber der Fehler an dem Lehrer, nicht an dem Buche, vorausgesetzt, dass dieses gut ist, und ein schlechtes hätte der Lehrer nicht wählen sollen.)

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7) In oberen Klassen natürlich weniger. Da wird es vielmehr oft recht lehrreich seyn, wenn über manche wichtigere Dinge verschiedene Ansichten mitgetheilt und pro und contra besprochen werden.

8) Mangel an Berücksichtigung und Anerkennung fremder Eigenthümlichkeit ist ein grosser Fehler bei dem Lehrer. Die Veranlassung dazu liegt in Pedanterie und Wortklauberei oder in Ei- gendünkel, jedenfalls aber in einer kleinlichen Gesinnung. Der Schaden, der in vorliegendem Falle aus der dadurch veranlassten Confusion erwächst, liegt am Tage. Aber es ist nicht einmal der einzige. Was für einen Eindruck wird es auf den Schüler machen, wenn er den Lehrer, den er doch auch ab und an fehlen, sieht, der ja wohl gar in den Fall kommen kann, selbst einen Fehler zu gestehen, wenn er diesen beständig an Ansichten anderer, die ihm vielleicht sonst als tüchtige Männer gerühmt worden sind, auf inhumane Weise tadeln und mäkeln hört! Und wenn gar die getadelten Ansichten von andern Lehrern derselben Schule herrühren oder wenigstens von ihnen gebilligt werden! Auch im Verhältniss zu den Schülern selbst ist es ein unseliges Verfahren, wenn jedes Wort, jeder Ausdruck derselben, der nicht vom Lehrer herrührt oder ganz in dessen Weise passt, zurückgewiesen, etwaige Einwürfe mit hautainer Verachtung beseitigt werden. Die Folge davon ist, dass einerseits die Schüler verstimmt, andrerseits in ihrer Selbstthätigkeit herabgestimmt und an ein mecha-

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