Aufsatz 
Abfassung von Schulausgaben / Carl Jul. Weismann
Entstehung
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passende Anforderung, dass wenn auch nicht immer, doch öfters und wohl vorzugsweise die in den Programmen zu behandelnden Gegenstände aus dem Kreise der Schule selbst und zu dem Zwecke, das Wohl derselben zu fördern, gewählt werden möchten. Wie sehr allerwärts die Gültigkeit dieser Forderung anerkannt wird, zeigen die zahlreichen, sich immer mehrenden Aufsätze über das Gymnasialwesen im Allgemeinen,-die Gymnasialdisci- plin, die Behandlungsweise dieses oder jenes Unterrichtszweiges, die Abfassung von Lehr- büchern etc. ¹1) Auf diese Weise werden die Erfahrungen der Einzelnen erspriessliches Gemeingut, der jüngere Lehrer erhält Rath und Vorbild, der ältere, erfahrnere wenigstens Prüfstein und Antrieb zur Vervollkommnung. Ich wenigstens hoffe mehr Nutzen für das höhere Schulwesen von dieser Gattung von Programmen, als von den ün Fluge beginnenden, im Fluge endenden Verhandlungen der deutschen Philologenvereine(so erspriesslich sie auch in anderer Hinsicht seyn mögen); um so mehr Nutzen, da die weise Fürsorge der höchsten Behörden einen weithin sich erstreckenden Austausch der Gymnasialprogramme angeordnet hat. ²) Theils diese Uberzeugung, theils eine kürzlith vollendete literarische Arbeit ³) veranlassten mich zum Stoff des Osterprogramms, dessen Abfassung mir übertragen worden war, das Thema zu wählen: wie sind die Schriften der Alten für die

1) Denselben Zweck, nur in practischer Weise, verfolgen die Programme, welche Knüchn meint, wenn er in der Einleitung zu seinem annolationum ad Demosthenis Philippic. I. specimen, Bernburgi 1836, sagt: sunt hae scriptiones(programmata) me judice quae- dam gudsi er*deiSeis(dies möchte ich freilich nicht behaupten), quibus non lam docti, quam doctoris partes sint agendae. Haec regula optime videtur seruari posse, si ipsorum, quae discipulis tradideris, aliquam partem in medium proferas. Hierzu bemerkt Bnzur in seiner Recension(Jahns Jahrb. 1826, Bd. I, Heft 2, p. 404): Es scheint allerdings sehr zweckmässig, die Programme mit einem solchen Stoffe auszurüsten. Der Gedanke, einst eine öffentliche Probe dessen, was, und der Art, wie man gelehrt, abzulegen, ermuntert den Lehrer zur Pünctlichkeit bei der Vorbereitung und manche Stunde, die sonst der Schule entzogen worden wäre, wird ihr zugewandt(11). Auch die Lehrer anderer An- stalten erfreuen sich, von Zeit zu Zeit Proben zu erhalten, was und wie auf ähnlichen Insti- tuten docirt wird, und die gewissenhaften werden ermuntert, nicht zurückzubleiben.

2) Gewiss ein lebhafter Wunsch aller Gymuasiallehrer würde erfüllt seyn, wenn es derselben weisen Fürsorge gelänge, die Gymnasien aller deutschen Staaten zu einem solchen Austausch zu vereinigen. Die Vermehrung der Kosten würde nicht bedeutend und jedenfalls im Verhältniss zu dem daraus erwachsenden Nutzen gar nicht in Anschlag zu bringen seyn. Bis jetzt findet für Kurhessen der Programmenaustausch Statt mit den Gymnasien von Preussen, Hannover, König- reich Sachsen, Sachsen Weimar, Sachsen Meiningen Hlildburghausen und dem Gymnasium in Gotha.

3) Ausgewählte Dialoge Lucians, für den Gebrauch einer Tertia erklärt von Dr. G. F. EvsErr. und Dr. C. WEisMAxN. Th. Fischer(Krieger'sche Buchhandlung), Kassel 1841. Inhalt: S Diall. Deorr., 7 Diall. Mar., 10 Diall. Mortuorr., Catalas Pr nneiheus Charon, Somnium s. Gallus, Somnium S. vita Luciani.