Aufsatz 
Abfassung von Schulausgaben / Carl Jul. Weismann
Entstehung
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üver die Abfassung von schulausgaben.

NNan hat es hin und wieder getadelt, dass die Abhandlungen, welche von den Gymnasien als Programme ausgegeben werden, meistens einen rein wissenschaftlichen Vorwurf behandelten und zu den Anstalten, deren Herolde sie sind, ausser aller inneren Beziehung ständen. Dieser Tadel scheint begründet, wenn man derartige Abhandlungen blos unter dem objectiven Gesichtspunct betrachtet. Die darin besprochenen Gegenstände sind, schon des beschränkten Raumes wegen, meistens untergeordnete Details aus dem weiten Felde der Wissenschaften, Specialitäten deren in den Gymnasien nur im Vorübergehen und vielleicht so kaum Er- wähnung gethan werden kann. So kommt also alles, was in diesen Abhandlungen geleistet wird, meist nur der Wissenschatt als solcher, nicht dem Unterricht auf Gymnasien oder doch nur in sehr untergeordnetem Maasse und auf sehr mittelbare Weise zu Gute. Betrachtet man aber jene wissenschaftlichen Abhandlungen von einer mehr subjectiven Seite, d. h. erücksichtigt man die Einwirkung, welche das Abfassen derselben auf die Verfasser selbst und von ihnen aus auf die Anstalten, an denen sie wirken, ausübt, so erscheint der da- gegen ausgesprochene Tadel im höchsten Grade ungerecht. Nur der kann mit besonnener Umsicht junge Leute einführen in die Bahn der Wissenschaft, nur der ihre Gemüther mit edler Begeisterung für das Fortschreiten in derselben erfüllen, der selbst sie durch unabläs- sigen Betrieb nach allen Seiten hin forschend und prüfend durchmisst und somit klare Einsicht und rege Lust, die ihn vor Verflachung und Vertrocknung bei dem mühsamen Geschäft der Vorübung bewahrt, stets wach und lebendig in sich erhält. Und wer wüsste nicht aus eigner Erfahrung, wie leicht der Eifer des Meiterstrebens erkaltet, wenn ihn nicht, ich will nicht sagen Gelegenheit, denn die wird nie fehlen, sondern ein wirklicher äusserer Antrieb zum Kundgeben des Erstrebten immer neu erregt und anfacht? Es soll aber hiermit keineswegs gesagt seyn, dass nicht noch auf näherem Wege durch die Pro-

gramme den Gymnasien Nutzen geschafft werden könne; es ist vielmehr eine von allen Seiten 1*