Der älteſte erhaltene Stundenplan von 1699 gibt uns folgenden Einblick in den Schulbetrieb der 1. Klaſſe:
Montag vormittag nach Geſang und Gebet lieſt ein Schüler ein Kapitel aus dem neuen Teſtament. 2. Stunde Katechismus Luthers und des Geſenius, 3. Stunde Donatus (lateiniſches Lehrbuch). Nachmittags: 1. Stunde Muſik, 2. Stunde Schreiben, 3. Stunde Neues Teſtament, Schluß mit Gebet.
Dienstag vormittag wie Montag. Nachmittags: Muſik (Singen), Arithmetik, Lateiniſche Lektüre.
Mittwoch vormittag: Teilnahme an der Wochenbetſtunde, dann Bibelleſen(Pſalmen), Lateiniſche Wörter und Deklinationen nach Donatus. Nachmittags: Choralſingen.
Donnerstag vormittag: Geſang und Gebet, Neues Teſtament, 2. Katechismus, 3. Pſalmen. Nachmittags: 1. Singen, 2. Schreiben, 3. Neues Teſtament.
Freitag vormittag wie Mittwoch.
Samstag vormittag: Geſang, Gebet, Leſung des Sonntags⸗ evangeliums, 2. und 3. Stunde Wiederholung des Wochenpenſums. Nachmittags: Figural⸗ und Choralmuſik, 2. Beſuch des Gotteshauſes.
Ueber das Verhältnis der 3 Schulklaſſen und ihres Lehrſtoffs zu einander beſtimmt eine Schulordnung ohne Datum etwa ums Jahr 1760 Folgendes:„Des Herrn Tertius Arbeit in ſeiner Klaſſe ſoll nur darin beſtehen, daß die Knaben bei ihm fertig leſen lernen und den kleinen Katechismum Lutheri ins Gedächtnis faſſen, ſodann auch aus dem großen Katechismus Geſenii, die für die Anfänger ausgezeichneten Fragen und Sprüche. Mit dem Schreiben und Rechnen hat er nichts zu tun. Aus des Hübners bibliſchen Hiſtorien ſoll er den Kindern das Leichteſte bekannt machen. Das Rechnen und Schreiben muß ſo getrieben werden, wie es die Schüler bei ihrer künftigen Lebensart, Profeſſion und Hantierung am beſten gebrauchen können, und in den Schreibſtunden angewieſen werden bei allerlei Vorfällen, Quittungen, Obligationen, Haus- und Handlungsregiſter zu verfertigen.“ Daß zugleich mit dieſer rein praktiſchen Ausbildung auch die Möglichkeit der Vorbildung für wiſſenſchaftliche Berufe ſich verband, zeigt eine weitere leider undatierte Schulordnung, in der es heißt:„Sollten ſich künftighin Schüler finden, welche at altiora(auf höhere Schulen) gebracht werden können, ſo richtet man, ſoviel die Zeit verſtattet die Lektionen darnach ein und machet(neben dem Latein) z. B. einen Anfang in der hebräiſchen und griechiſchen Sprache, in der Logik und Rhetorik.“ Ein Lektionsverzeichnis des Rektor Niedt von 1785 gibt als Lehrfächer an: Der große Katechismus, Geſchichte,(römiſche Geſchichte bis zur Teilung des Kaiſertums und Reformations⸗ geſchichte), Naturlehre, Phyſik, Geographie(das vorzüglich Merk— würdige vom Globus, Europa und Deutſchland), Rechnen(vom Dividieren bis an regulam quinque. Die Lateiner ſind in drei Ordnungen geteilt. 1. Im Cornelio vom 4. Kapitel des Themiſtokles
6


