Aufsatz 
Bemerkungen zu Livius lib. XXI und XXII / von J. Kayser
Entstehung
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Scheinangriff auf das Lager der Römer, um ſie zum Kampfe hervorzulocken(Liv. 54, 4). Man könnte nun behaupten, wie es denn auch Niemeyer thut, daß alles Erwähnte ſich ebenſo gut umgekehrt denken laße; doch beſtünden dann die Unwahrſcheinlichkeiten 1) daß das röm. Lager, um ſich auf dem rechten Ufer der Trebbia an Böſchungen anlehnen zu können, allzuweit von Placentia entfernt geweſen wäre, der Trennung von Claſtidium nicht zu gedenken; 2) daß die Punier, deren Hauptſtärke in der Entwickelung ihrer Rei⸗ terei beſtand, wohl ſchwerlich einen ſo coupierten Kampfplatz gewählt haben würden, wie das linke Ufer der Trebbia ihn bietet. Den weiteren Verlauf der geglückten Kriegsliſt Hannibals zu erwähnen iſt überflüßig.

54, 1: ſchützt Wßb. ſeine Texteslesart equites quoque tagendo mit etlichen Dich⸗ terſtellen meiſtens aus Plautus. Die bequeme Lesart der meiſten Handſchriften iſt ad equites tegendos(auch equiti quoque tegendo, was der ſeltnere Ausdruck iſt für ad vgl. Madv. Gr. 415). Haben nun gleich Alſch., Fab. und Wßb. der erſteren Lesart den Vorzug gegeben, ſo müßten die Dichterſtellen verglichen mit Madv. Gr. 413 immerhin Bedenklichkeiten erregen.

54, 4: ita mille equitibus Magoni mille peditibus dimissis. Hier Alſch. Beifall zu geben, der mit Recht leugnet Magoni könne cum Magone bedeuten, oder es ſei ein Dativus commodi wird man ſich nicht minder ſchwer entſchließen, wenn er inter⸗ pretiert: cum ita illi mille equites mille pedites Magoni permissi, quorum forti stre- nuaque opera ad id quod ab Hannibale iussus erat, exsequendum uteretur, dimissi- que essent. Denn erſtlich iſt die kahle Wiederholung von mille auffallend; und zwei⸗ tens: warum nicht gleich permissis ſtatt dimissis ſchreiben, wodurch die Wendung latei⸗ niſch geblieben wäre? Denkbarer wäre übrigens der Ausfall von que nach dem zweiten mille, als der von cum.

56, 1: trepidantisque prope iam in suos consternatos agi iussit IHI. Alſch. hat ſeine Conj. trepidantesque et pr. i. in suos const. im Texte; Wßb. nimmt trepi- dantes als nähere Beſtimmung von consternatos, alſo: cum trepidantes consternati essent mir unklar! trepidare in aliquem heißt ohne ſichere Leitung(durch irgend einen Schrecken oder Aehnliches) auf etwas hin getrieben werden cf. XXIII, 16, 12: dum in sua quisque ministeria discursu trepidat. Demnach: die Elephanten, die media acie(iam in mediam peditum aciem sese tulerant c. 55) bereits anfingen, das eigne Heer beſtürzt zu machen, ließ Hannibal in extremam aciem ad sin. cornu treiben. Es fällt auf, wie Wßb. gerade in dieſem Kap. ausgefallene b begünſtigt: gleich zu Anfang ſchreibt Alſch. den handſchriftlichen Spuren folgend ii extemplo(wie auch in Wßb.'s Textesausgabe zu leſen iſt), Wßb.(in der Weidm. Ausg.) ibi extemplo nach ſeiner Conjektur; ſo gleich nachher cum alibi evadere nequissent, da die beſten Hdſchrr. alli haben, woraus mit größerem Glück ſchon Aldus und nach ihm Jo. Fr. Gronov alia gemacht haben, was Alſch. und Fab. mit Recht in den Text brachten. Wenigſtens ſcheint dies am erſten der Situation zu entſprechen und weder alio noch aliter, beides aus Handſchriften ſich mehr zu empfehlen. Placentia war die Zufluchtsſtätte, welche