Aufsatz 
Bemerkungen zu Livius lib. XXI und XXII / von J. Kayser
Entstehung
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verſichert, kein Fluß, der ein Heer im Vordringen aufhalten könnte, wenn nicht, wie am Tage der berühmten Schlacht, ſtarke Regengüße ihn anſchwellen, weßhalb ein Ue⸗ bergang nicht beſonders erwähnt zu werden brauchte. Hannibal mußte wißen, daß Scipio, ſtatt ſich in die Feſtung zu werfen, ein feſtes Lager nach den ſüdlichen Bergen zu, Anfangs prope flumen Liv. 48, 7, dann, nach dem Abfall der Gallier, mehr rück⸗ wärts, Pol. 67, 9, bezogen hatte, dieſer nahe genug und nahe bei den Vorräthen von Claſtidium, die den in die Feſtung Eingeſchloßenen unerreichbar geweſen ſein würden. Vielleicht aber gedachte Scipio von hier aus ſeinem Kollegen die Hand zu reichen, wenn dieſer auf dem kürzeſten Wege etwa von Genua aus die(beſonders durch Freun⸗ desland) nicht ſchwierigen Defileen nach der Trebbia hin durchzöge.**) Wir erfahren nicht, wie die Vereinigung der beiden Konſuln(Sempronius kam auf der Via Aemilia von Rimini heran, Pol. 68, 13. 14.) gelang ſicherlich durch eine den Hannibal glücklich täuſchende Liſt, der mit gutem Bedachte ſich zwiſchen das römiſche Lager und Placentia geworfen hatte. Dafür aber bekam dieſer Claſtidium, wie erzählt wird, durch Verrath in ſeine Gewalt der ſchmerzlichſte Verluſt, der die Römer treffen konnte (Liv. 48, 10 id horreum fuit Poenis sedentibus ad Trebiam). So wurde die Lage der Römer von Tag zu Tage ſchwieriger, denn nicht genug daß ſie bei dieſem Verluſte von den Zufuhren auf dem Po abgeſchnitten waren: die Karthager verheerten Beute ſuchend alles flache Land ſüdlich vom Po(Liv. 52, 3 ſagt undeutlich quod inter Trebiam Pa- dumque agri est, offenbar damit nur die weſtliche und nördliche Grenze bezeichnend, vgl. auch Pol. 69, 5) und die hier wohnenden galliſchen Bauern(Boier werden aus⸗ drücklich unter ihnen erwähnt Liv. 52, 7) kommen hülfeflehend ins Lager. Da Sem⸗ pronius ſich entſchließt, ihnen Schutz zu gewähren, muß er die Trebia überſchreiten (Liv. 52, 9). Das römiſche Lager befindet ſich alſo auf dem linken Ufer, das der Karthager vor ihnen in der Ebene. Nur ſo haben die Worte des Sempronius an die Soldaten(Liv. 53, 4) einen Sinn: castra Carthaginiensium in Italia ac prope in conspectu urbis esse und(53, 5) Poenum quod inter Alpis Apenninumque agri sit, suae dicionis fecisse; nur ſo wird begreiflich, wie nach der nun folgenden unglücklichen Schlacht die 10,000 Römer ſich nach Placentia durchſchlagen konnten, und nur ſo um⸗ gehen wir ſchließlich den ſonderbaren Vorſchlag Niemeyers(S. 255)die alte Trebia unterhalb Placentia münden zu laßen. Es hat übrigens Alles ſeinen für die Erklä⸗ rung bequemen und natürlichen Verlauf. Vom linken Ufer aus ſetzt ſich die vorhin er⸗ wähnte Diverſion der Römer zu Gunſten der Boiſchen und anderer Gallier in Bewe⸗ gung und verfolgt nachher die mit Beute beladenen Punier bis zu ihrem Lager und ihren Stellungen(Liv. 52, 10. 11. Pol. 69, 9); und Hannibal macht, ohne im Fluße ſelbſt, den er mit einer Reiterabtheilung durchſetzt, eine Schwierigkeit zu finden, einen

7 1 Regen ſind dieſe ganz überfloßen. Er iſt nicht tief, ſo daß er immer durchwatet werden kann, die Ufer ſind noch eine Strecke hinauf mit Gebüſch bewachſen.

**) Niebuhr Vorleſſ. II, 83 nimmt dieſen Weg ſogar als den einzig denkbaren.