27 abſichtigt worden ſei. Die erſte von Fab. angezogene Stelle IV, 2 med. läßt für id modo sermonibus temptasse gewiß kein anderes Subjekt zu als vulgi turbatores, die unmittelbar vorher erwähnt worden waren; wenn aber Livius ſofort nunc rogari folgen läßt, und nicht rogare, ſo gibt er damit geflißentlich das vorige Subjekt auf und gibt an der Behauptung ſozuſagen dem größeren Publikum Antheil oder verallgemeinert die⸗ ſelbe. V, 39 haben concedere, defendere, auferre ihre beſtimmten Subjekte, nec ante deseri cultum iſt aus dem natürlichen Grunde ohne Subjekt, weil als ſolches Alle und Jede leicht ergänzt werden. VI, 24. Für die richtige Interpretation der Stelle müſ⸗ ſen andere parallele angezogen werden, doch bedarf das tradi equos dieſer Hülfe nicht, ſondern nur das invadere hostem, wofür Livius nicht invadi geſagt haben würde. Akti⸗ vum und Paſſivum von gleichen Verbis verhalten ſich zu einander, wie bei ungleichen Tranſitivum und Intranſitivum: bei erſterem ſteht ein thätiges Subjekt an der Spitze, das damit zum actor primarum partium erhoben und die Verwirklichung der Handlung lediglich von ihm abhängig gemacht wird; wird dagegen die Handlung an ſich Haupt⸗ ſache, ſo wird Paſſivum und Intranſitivum verwendet, wobei ein agierendes Subjekt im Hintergrunde ſteht oder ganz verſchwindet. Bei dem Satze traduntur equi bedurfte es der Hervorhebung eines Subjektes nicht, wohl aber bei dem invadere hostem, und um auf dieſes Subjekt, das in den nächſtfolgenden Worten eunt insignes armis animis- que höchſt maleriſch erſcheint, hinzuweiſen, iſt der aktive dem paſſiven Ausdruck(Sall. Jug. 87.) vorgezogen. Dieſelbe Abſicht hat Livius, wenn er z. B. V, 2 ſagt consilium erat hiemando continuare bellum, wo das Subjekt imperatoribus romanis nahye ge⸗ nug ſteht. Ich bin der Meinung, daß der active Infinitiv vorzugsweiſe eine entſpre⸗ chende Umſchreibung mit ut, der paſſive das Gerundium im Genitiv zulaße, alſo im⸗ peratoribus c. e. h. ut continuarent; ſtünde continuari da, alsdann continuandi oder ut continuaretur bellum. So XXI, 54 nunc corpora curare tempus est oder 43, 9 tempus est iam opulenta vos ac ditia stipendia facere, wo vos nur des Nachdrucks wegen hinzugefügt iſt.— Rückſichten wie die beſprochenen können an unſerer Stelle nicht Platz greifen, weßhalb ſchon Lipsius ſich für vulgum, Doujatius für credi aus⸗ ſprachen. Zweifelhaft iſt nur die unbelegte Behauptung Alſch.'s vulgo h. I. significare „plerosque vel homines vel seriptores“ manifestum est. Weil nun die Sätze ambigi quanam cet. und credere Penino unmöglich, als ſich ausſchließend, dasſelbe Subjekt haben können, ſondern fürs erſte die kritiſchen Hiſtoriker Subjekt ſind, für's zweite es nur vulgus ſein kann, das von dieſem Umſtande den Namen des Gebirgs herleitete: ſo kann wohl nicht anders als vulgum oder vulgus geſchrieben worden ſein, man müßte denn davon ausgehen wollen, für vulgus credit ſei zu ſagen vulgo credunt, vgl. dazu Madv. Gr. 211, a. A. 2. Daß u und o in den Handſchriften oft kaum zu unterſchei⸗ den und die Endconſonanten durch unmerkliche Striche bezeichnet werden, zeigt Alſch. p. 160, 6.— Wenn gleich nachher für das handſchriftliche nomen et iago Alpium indi- tum die Konj. Gronovs ei jugo in allen neueren Ausgaben Aufnahme gefunden hat, ſo iſt dafür ein zwingender Grund nicht einzuſehen, da et für etiam ſteht und darin 4*
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