26
lapsis ſich als bequem empfehlen konnte. Denn was ſoll ipsis— prolapsis heißen? nachdem die Stützen ſelbſt, die Arme, die Knie für ſich(ausgeglitten und) hingefallen waren? Man möge ſich ſelbſt einmal auf dem Glatteiſe in die Situation begeben und „wie vorher die Füße, ſo jetzt die Stützen Hände und Knie ausgleiten“ laßen, durch welches„Gleiten und Fortrutſchen(erſt) der Fall bewirkt“ werde, um das Troſtloſe und Unwahrſcheinliche nicht blos der Lage ſondern auch der Lesart zu begreifen. Die Soldaten gleiten(mit ihren Füßen) aus und ſtürzen iterum hin, nachdem ſie ſich aufge⸗ holfen, ungeachtet ſie noch nicht einmal wieder völlig aufrecht ſtanden. Es iſt übrigens unerläßlich, den Polybios(III, 55) daneben zu leſen, den Livius noch treuer hätte co⸗ pieren ſollen, als er gethan hat. Wenigſtens, wenn man z. B. dort lieſt: rà d uo- Curia d̈ronrsv, ore ndοοα, rio zdros iu zard riey duνorαοων§ϑα‿ννπeννια έ uεrs ueεrd rdν φρm⁷οτιάωꝛ R0 νατιανυmπην οτια τει τ Sdοο τυαι d τ mννμμ rie rονιπυιο νο” Iibvog, d. h. wenn das Laſtvieh ſtürzte, ſo ſchlug es beim Aufſtehen wohl die vorjährige Schneeſchicht durch, blieb aber wegen der eignen Schwere und weil dieſer alte Schnee(nicht locker ſondern) feſtgefroren war, ſtecken. Das lautet bei Li⸗ vius: iumenta secabant interdum etiam tamen(v. l. dum, tum, tam) infimam ingre- dientia nivem, et prolapsa iactandis gravius in conitendo ungulis penitus perfringebant, ut pleraque velut pedica capta haererent in dura(v. l. durata ſcheint beßer zum Aus⸗ druck des 7000ν⁴ι ςν): et alte concreta glacie. Von den drei Partikeln iſt interdum am wenigſten entbehrlich; bei etiam und tamen wird die Wahl ſchwer; eins könnte das andere gloſſieren, wenn bei tamen nicht die Varianten wären; man möchte eine andere Corruptel vermuthen, in welcher etwa altam verborgen wäre. Gleich nachher variiert alte mit alta und lata.— Dieſe Sucht zu malen, iſt im folgenden Kap. nicht minder auffällig; ſo begreift man nicht, wenn im vorigen Kap. nirgends ein Baumitrunk, eine Wurzel ſichtbar war, die Halt hätte gewähren können, woher plötzlich die inmanes ar- bores und gar auf ſolcher Höhe kommen; und zugegeben, daß die Punier gern Eßig tranken und dieſes Getränk darum in größerer Quantität dem Heere nachgeführt wurde: ſo muß man für Fabeln eingenommen ſein, wenn man glauben will, mit dieſer Hülfe und dieſen Mitteln ſeien die Felſen mürbe geworden!
38, 6: eo magis miror ambigi quanam Alpis transierit et vulgo credere Poe- nino— transgressum. Die Beobachtung Fabri's, daß der Uebergang vom Paſſiv zum Aktiv oder umgekehrt bei Livius ſehr gewöhnlich ſei, iſt für unſere Stelle meines Er⸗ achtens nicht ausreichend. Ob es wohl Livius hätte beifallen können, ambigere zu ſchreiben?! Ich bin der Meinung, daß zur Beurtheilung ſolcher Stellen die einfache Empirie nicht ausreiche*), ſondern gefragt werden müße, ob nicht durch den Wechſel vom Aktiv zum Paſſiv und umgekehrt ein im Weſen dieſer beiden genera verbi beruhen⸗ der Unterſchied hervorgehoben und damit eine beſondere Schattierung des Ausdrucks be⸗
*) Darauf hin hat Fab. 45, 3: Gallis parci quam maxime iubet principumque animos sollicitare, obgleich drei der beſten mss. sollicitari bieten.


