Aufsatz 
Bemerkungen zu Livius lib. XXI und XXII / von J. Kayser
Entstehung
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Fall wäre, und da es immerhin nicht bloß den exercitibus ſondern auch dem exercitus gegenüber ſich wenig troſtreich erweiſt, ſo bin ich geneigt, es wenn nicht für intrudiert, doch gewiß für interpoliert zu halten. Sollte nicht passim für paucis auf die Soldaten einen beßeren Eindruck gemacht haben? Denn was die Feldherrn vor der Fronte ſagen, braucht nicht gerade immer baare Wahrheit zu ſein, wenns nur geeignet iſt Muth und Vertrauen zu beleben.

32, 7: quamquam fama prius, qua incerta in maius vero ferri solent, praecepta res erat. Fab. hat gewiß recht, vero für verdächtig zu halten, da ein ſolcher Beiſatz zu in maius ungewöhnlich ſei. Es fiel mir ein, dafür fere vorzuſchlagen. Wenn es jedoch der Mühe werth iſt, den Spuren der Handſchriften nachzugehen, von denen für vero zwei oratio, eine für in maius vero immaniora, eine in manis omnino, die Floren⸗ tiner immanis vero, eine Harleiana in maius omnino vero haben, ſo liegt die Vermu⸗ thung nahe, daß vero dem nahen ferri ſeinen Urſprung verdanke, oder wenigſtens gewiß nicht ſo geſichert erſcheine als das benachbarte omnino.

34, 4: nec temere credendum nec aspernandos ratusſo nach den meiſten und beſten Codd.; nur iſt in den meiſten ratus ausgefallen. Fabri. Aber eben der Umſtand, daß dies Wörtchen ſogar im Mediceus fehlt, mußte die Wahrſcheinlichkeit anbahnen, daß es nicht hergehöre, wodurch L. Valla's auf drei jüngere Handſchriften begründete Schrei⸗ bung nec temere credendo nec aspernando an Empfehlung gewinnt. Der Zuſatz von ratus gibt ſich als ein Verſuch kund, dieſen gewählteren Ausdruck zu erklären.

36, 7: tetra ibi luctatio erat via lubrica glacie non recipiente vestigium et in prono citius pedes fallente, ut corruerent. Via lubrica gibt Wßb. nach Sauppe's Conjektur für ut a lubrica; pedes fallente ſchon Drakenborch für das handſchriftliche pede se falleute, ut ſchreibt Wßb. aus einigen mss. für et und corruerent hat ſchon Walch für corruissent empfohlen. Doch war an a lubrica glacie nichts zu ändern: die lue- tatio ging aus, war veranlaßt, es war ein widerwärtiges Ringen, mit ut zu überſetzen: zumal bei dem glatten Eiſe, wie 30, 11 in. laeti ut ad regem diu desideratum con- cessere. 8, 30, 8. Pes se fallit für pes fallitur wird von Alſch. in Schutz genommen, ich bezweifle ob mit Recht. Ferner muß wohl et vor seu behalten bleiben zur Verbin⸗ dung der Hauptſätze: tetra luctatio erat et nec stirpes circa radicesve erant, si iterum corruerent, für welches letztere vielleicht beßer corruissent beibehalten worden wäre. So wenig an Sauppe's Verbeßerung Anſtand genommen werden könnte, wenn ſie alten Urſprungs wäre, eben ſo bedenklich erſcheint es, durch ſie einen handſchriftlich begründeten und keineswegs der Erklärung Schwierigkeiten bereitenden Text zu verdrän⸗ gen. Ipsis adminiculis wage ich wie das griechiſche avrolg 20ειμόαẽõu nehmen: ſammt den Stützen und ungeachtet derſelben, wiewohl ich geſtehen muß, für dieſen Ge⸗ brauch noch keine weiteren Belege zu haben; prolapsi si iterum, wie in den Florent. corrigiert iſt, iſt eine Emendation, die nicht allein ſchon Jo. Fr. Gronov empfohlen und Fab. im Texte hat, ſondern die auch in ſofern als die wahrſcheinlichere erſcheint, als vor iterum ein i leicht verſchwinden und für den minder Achtſamen ipsis adminiculis pro-

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