Aufsatz 
Zur Geschichte des Butzbacher höheren Schulwesens / A. Binzel
Entstehung
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unter Glockengeläute von der neuen Schule aus nach der alt⸗ ehrwürdigen St. Markuskirche, wo eine einfache, aber wür⸗ dige Feier Bürgerſchaft und Schule vereinte und Rektor Buß Zweck und Ziele einer Realſchule ſowie den Einfluß einer höheren Schulbildung auf das heranwachſende Geſchlecht dar⸗ legte.

Die ehemalige höhere Bürgerſchule

Die junge Schule hatte jedoch ſchon bald nach ihrer Grün⸗ dung unter ſchweren Kämpfen mancherlei Art zu leiden. Häufiger Wechſel im Lehrkörper, der dadurch bedingt war, daß akademiſch gebildete, tüchtige Lehrer wegen der unzu⸗ reichenden Penſionsverhältniſſe nur ſchwer zu erhalten waren, ſowie ſonſtige mißliche Umſtände ſchädigten die Schule ſehr. Der Energie des damaligen Bürgermeiſters Chriſtian Küchel, eines eifrigen Förderers des Butzbacher Schulweſens, der ſich unter anderem um die Schulhygiene ſehr verdient gemacht hat, ſowie des Beigeordneten Ludwig Vogt war es zu danken, daß die Schule, wenn auch unter dem Namen einer erweiterten Volksſchule, ſo doch in ihrer ſeitherigen Form und mit im weſentlichen gleichem Lehrplane weitergeführt wurda. Anfangs der 80er Jahre entbrannte der Kampf um die Real⸗ ſchule aufs neue. Die erweiterte Volksſchule genügte den Realſchulfreunden nicht mehr, an deren Spitze nun energiſche Kämpfer, wie die beiden Bürgermeiſter Karl Flach und Wilh. Joutz ſowie der nachmalige Landtagsabgeordnete Dr. Vogt ſtanden.

Im Jahre 1886 endlich, nachdem Rektor Taſché die Leitung der Anſtalt übernommen hatte, wurde mit dem ſo viel beſprochenen und ſeit 10 Jahren gewünſchten Ausbau der Schule zur Realſchule begonnen, 1887 die Unterſekunda und im folgenden Jahre, nach Einſtellung zweier weiteren aka⸗ demiſchen Lehrkräfte es waren die Herren Eduard Otto und unſer nachmaliger Profeſſor Albert Wamſer die Oberſekunda einer Realſchule II. Ordnung aufgeſetzt. Oſtern 1889 fand die erſte Prüfung für die Berechtigung zum ein⸗ jährigen freiwilligen Militärdienſt ſtatt, derzufolge die höhere Bürgerſchule zu Butzbach durch das Reichsamt des Innern in das Verzeichnis derjenigen Lehranſtalten aufgenommen wurde, die zur Ausſtellung von Zeugniſſen über die wiſſen⸗

ſchaftliche Befähigung für den einjährig freiwilligen Militär⸗ dienſt berechtigt waren. Die Anerkennung als ſtaatliche Real⸗ ſchule erfolgte Oſtern 1891. Sie legte den Grund zu der nun folgenden 35jährigen glücklichen Entwicklung, die in dieſem Jahre unſeres Jubiläums durch den vollendeten Aus⸗ bau zur Vollanſtalt und durch die Anerkennung als Ober⸗ realſchule gekrönt wurde. Es würde im Hinblick auf den Mangel an Raum zu weit führen, auf Einzelheiten aus dem Werdegang der Anſtalt in dieſen letzten 35 Jahren näher ein⸗ zugehen. Wir müſſen uns darauf beſchränken, die Namen und Ereigniſſe zu erwähnen, die wie Markſteine am Wege der jüngſten Geſchichte unſerer Schule ſtehen. Und ſo gedenken wir vor allem des langjährigen erſten Leiters unſerer Real⸗ ſchule, des Geheimen Schulrats Herm. Jäger.

Zwölf Jahre lang, von 18911903, wirkte dieſer vor⸗ treffliche Schulmann, der als Leiter, Lehrer und Gelehrter gleich hohes Anſehen genoß, zumSegen unſerer Anſtalt. Er war ein wohlwollender Berater ſeiner Amtsgenoſſen, ein warmherziger und verſtändnisvoller Freund der Jugend, und die Schule nahm unter ſeiner zielbewußten Führung einen glänzenden Aufſchwung, der in dem ſtolzen, prächtigen Neubau der Realſchule, zu deſſen Errichtung er ſelbſt am meiſten beige⸗ getragen, gewiſſermaßen ſeinen äußeren Ausdruck fand. Die Stadt Butzbach hat die hohen Verdienſte Hermann Jägers um Schule und Stadt dadurch gewürdigt, daß ſie ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannte.

Daß auch zur damaligen Zeit Schulfragen oft im Kampfe der Meinungen ſtanden und nicht ohne Reibungen zwiſchen den Parteien entſchieden wurden, iſt zu erſehen aus einem Flug⸗ blatt zu den Gemeindewahlen vom Jahre 1901, in dem unter anderem auch gegen den Realſchulbau Stellung genommen wurde mit folgenden Worten:Das ganz ungeheuerlich geplante Realſchulgebäude, als Prachtbau, in einer unwegbaren Ecke, hat einen Sturm von Entrüſtungen hervorgerufen. Da alle Klagen bei den Stadtverordneten ungehört verhallt ſind, muß durch ſelbſttätiges Eingreifen bei den Wahlen dieſer Bann gebrochen werden. Die Zeit hat ſelbſt die Antwort auf dieſen Streit gegeben: Denn lange ſchon haben ſich die Räume des damals alsungeheuerlich bezeichneten Gebäudes als unzureichend erwieſen, ein anderer Schulprachtbau iſt als Zeichen geſunden Bürgerſinnes und Fortſchritts neben ihm entſtanden, und ſtatt der unwegbaren Ecke erfreut unſer Auge ein neuer Stadtteil mit ſeinen gefälligen Anlagen.

Mit Wehmut gedenken wir ferner des leider allzufrüh verſtorbenen zweiten Direktors unſerer Anſtalt, des ſpäteren Leiters einer Oberrealſchule in Offenbach, Guſtav Karg.

Während ſeiner gjährigen ſegensreichen Tätigkeit hatte ſich Direktor Karg durch ſeine organiſatoriſchen Gaben, die beſon⸗ ders dem inneren Ausbau der Schule zu Gute kamen, vor allem aber durch ſeine hervorragenden Charaktereigenſchaften die Achtung und Liebe ſeiner Kollegen und Schüler in reichſtem Maße errungen. Die Schule wird ſein Andenken ſtets in hohen Ehren halten. In ſeine Amtszeit fiel die wichtige Beſtimmung der Gleichſtellung der Reifezeugniſſe aller höheren Lehranſtalten Heſſens, der Gymnaſien, Realgymnaſien und Oberrealſchulen, eine Beſtimmung, die auch für unſere Real⸗ ſchule von großer Bedeutung war, da nun die Schüler, die

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