Dr. Friedrich Ludwig Weidig
Wir haben bereits gehört, daß die Anſtöße zur Wieder⸗ herſtellung der höheren Schule in Butzbach von der Bürger⸗ ſchaft ſelbſt ausgingen, daß es aber trotz aller Bemühungen und Vorſtellungen der Stadt zunächſt bei der Schulordnung vom Jahre 1777 verblieben war. Dieſer wurde dadurch Genüge geleiſtet, daß außer den beiden ſtädtiſchen Geiſtlichen ſtets 2 Theologen— mit den Amtstiteln Rektor und Conrektor— die oberſten Klaſſen der Schule leiteten und in ihnen Unterricht in den beiden neueren Sprachen— Franzö⸗ ſiſch und Engliſch— ſowie in den alten Sprachen— Latein und Griechiſch— erteilten. Die Ergebniſſe dieſer Schulbildung waren durchaus befriedigend; Schüler, die die hieſige Schule verließen, wurden noch Ende der 60er Jahre in die Tertia des Gießener Gymnaſiums oder in die 2. Klaſſe der Realſchule anſtandslos aufgenommen. Mit den wachſen⸗ den Anſprüchen jedoch, die an die Leiſtungen der höheren Lehranſtalten geſtellt wurden, erwies ſich die ſeitherige Organi⸗ ſation als unzulänglich und im Jahre 1868 wurde ein weiterer akademiſch gebildeter Lehrer für den Unterricht in den neueren Sprachen angeſtellt. ſehr bald den zeitlichen Forderungen nicht mehr. Am 18. Januar 1875 befürwortete die Kreisſchulkommiſſion Friedberg beim Großherz. Miniſterium des Innern, daß einem Beſchluß des Stadtvorſtandes von Butzbach entſprochen und die Grün⸗ dung einer ſtädtiſchen höheren Bürgerſchule genehmigt werden möge.
Ihre Errichtung ſollte nicht ohne langjährige, oft erbit⸗
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Aber auch dieſe Aenderung genügte
terte Kämpfe zwiſchen den ſogenannten Realſchulfreunden und Realſchulgegnern vor ſich gehen. An der Spitze der erſteren ſtanden Herr Jakob Wießler ſowie der damalige Landtags⸗ abgeordnete Oberförſter Dittmar, der bereits in Alsfeld die Entſtehung der dortigen Realſchule miterlebt hatte und für Butzbach durch den Beſuch der Anſtalt durch auswärtige Schüler eine engere Verbindung der umliegenden Ortſchaften mit der Stadt erhoffte. Das vorbereitende und erſte Kura⸗ torium beſtand aus den Herren Seminardirektor Schäfer⸗ Friedberg, zugleich Vorſitzender, Bürgermeiſter Küchel, Pfar⸗ rer Engelbach und Jakob Wießler. Die erforderlichen Unterrichtsräume wurden im Schulhauſe am Wetzlarertor eingerichtet, zum erſten Rektor der Schule wurde der Candidat der Theologie Buß, vorher Leiter einer erweiterten Schule in Homberg an der Ohm, erwählt. Die zweite Stelle wurde dem penſ. badiſchen Pfarrer Ehrhardt, dem ſpäteren Schwiegerſohn des Herrn Jakob Wießler und Vater des durch den Weltkrieg bekannt gewordenen Kapitän⸗Leutnant Ehrhardt übertragen, die dritte Stelle erhielt der Sprachlehrer an der Butzbacher Volksſchule Chriſtian Büttner, und zum Lehrer der vierten Stelle wurde Herr Schweitzer, das erſte und älteſte noch lebende ehemalige Mitglied des Lehrkörpers, ernannt.
Am 12. Juni 1876 fand die feierliche Eröffnung der neuen höheren Bürgerſchule ſtatt. An der Spitze von 61 Schülern zogen die Lehrer in Begleitung der verſchiedenen Vorſtände, des Kuratoriums und der Kreisſchulkommiſſion


