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Den Vater Cecil aber rührten derartige Entſchuldigungen durchaus nicht. Er hatte gehört, daß viele junge Edelleute von weit höherem Rang während des ganzen Jahres im Ausland viel weniger gebraucht hätten. Hier über— ſtiegen nicht allein die Ausgaben jedes Maß, ſondern der Sohn bummelte auch noch auf den Straßen, anſtatt wie ein Student einmal 6—7 Monate zu arbeiten. Die Anſchaffung von Pferden wollte er darum nur geſtatten, wenn ihr monatlicher Unterhalt den Betrag von 2 Kronen nicht überſteige. Throckmortons Fürſprache in dieſem Punkt machte keinen Eindruck auf ihn. Bis jetzt hatte der Vater wenig Freude an ſeinem Sohn erlebt. Deshalb erſuchte er Windebank um genaue Auskunft über deſſen Fehler. Seine alten beſtanden darin, daß er zu lange ſchlief, das Geld raſch und ſorglos ausgab; dazu geſellte ſich Nachläſſigkeit in der Kleidung, Hang zu unpaſſenden Spielen, Würfeln und Karten. Des Studierens war er bald müde, des Spieles aber niemals.„Fährt er damit ſo fort“, ſchloß der erboſte Vater, „dann kommt er am beſten wieder nach Hauſe“. ¹) Den erhaltenen franzöſiſchen Brief ſchickte Cecil dem Sohn korrigiert zurück mit der Weiſung, das Franzöſiſche durch mündliches und ſchriftliches Überſetzen fleißig zu üben. Windebank aber band er auf die Seele, darauf zu achten, daß der Sohn ſittenrein zurückkomme, etwa vorhandene Fehler möge er ja nicht verheimlichen. ²)
Indeſſen die nächſten Nachrichten aus Paris lauteten noch immer nicht erfreulich. Windebank verſicherte zwar, er könne Thomas keine Vorwürfe wegen Karten- und Würfelſpiels machen, aber das ernſthafte Studium litt wieder not durch die Rückkehr der kaum überſtandenen Krankheit. Man war jetzt wieder in die alte Wohnung nach Paris gezogen, und der junge Herr hatte ſich entſchloſſen, die Inſtitutionen des römiſchen Rechts und Münſters Kosmographie zu leſen, allerlei Bücher wurden angeſchafft, allein das Leben in Paris blieb teuer. Dabei ſanken jetzt alle Sorten von Geld derart, daß man bei den letzten durch Greſham überſandten 300 Kronen eine Einbuße von 14 Kronen erlitt. Unter dieſen Umſtänden verkaufte Windebank ein Pferd und wünſchte, er wäre mit dem andern auch ſo weit, damit Thomas weniger Gelegenheit zum Herumſtreifen hätte. ³) Einen weiteren Einblick in den Glanz des franzöſiſchen Hofes gab das Ordensfeſt am Michaelistag, deſſen Feier in St. Germain der junge Cecil auf Rat Throckmortons beigewohnt hatte. ⁴)
Mittlerweile aber war der getreue Diener Kendall in die Heimat gelangt und hatte Cecil neben der geforderten Abrechnung noch vieles andere überbracht. Die Folge davon war ein neuer heftiger Erguß des väterlichen Unwillens. Ein Diener, erklärte Cecil, ſei genug, und nun höre er von zweien. Das Halten von 2 Pferden empörte ihn, und er wünſchte, daß dieſe Ausgabe geſtrichen würde, denn ſeine Ehre ertrage es ſehr wohl, wenn der Herr Sohn zu Fuß gehe. Das bis jetzt für dieſen ausgegebene Geld ſchien ihm ſehr ſchlecht angelegt. Die Friſt zur Beſſerung ſollte noch bis zum nächſten Januar verlängert werden, denn wozu ſollte noch weitere Zeit in Paris verloren werden! Sir Henry Paget war gerade jetzt mit großem Lob und mancherlei Wiſſen nach Hauſe gekommen. Der eigene Sohn aber kam ſchließlich als verſchwenderiſcher Thor zurück, dazu geeignet einen Tennishof zu halten. Wie konnte Windebank dieſem jungen Verſchwender den Erlös für ſein verkauftes Pferd laſſen und dazu noch Geld zum Ankauf eines anderen ausgeben. 5)
Diesmal ſchien die väterliche Mahnung nachhaltiger zu wirken. Cecil hörte durch Throckmorton, der Sohn wolle jetzt ſeine Zeit in einer Weiſe verwenden, die der Erwartung des Vaters entſpreche, ⁶) und Windebank verſicherte, das Pferd würde in wenigen Tagen abgeſchafft werden, Thomas mache jetzt erfreuliche Fortſchritte im Franzöſiſchen, er ſpreche dasſelbe beſſer, als man nach ſeinem Schreiben erſehen könne, aber wie gewöhnlich mußte der Vater von neuen Ausgaben hören. Das Leſen von Münſters Kosmographie koſtete monatlich 2 Kronen,*) und die Reiſe, die der junge Cecil noch zu ſeiner weiteren Ausbildung machen ſollte, drohte erſt recht koſtſpielig zu werden. Nach Windebanks Anſicht genügte eine Reiſe in der Loiregegend bis Nantes und Poitiers. Die Unkoſten einſchließlich der drei hierzu nötigen Pferde beliefen ſich täglich auf etwas über 2 Kronen. Dafür genügten keinenfalls die 200 Kronen, die Cecil ſchicken wollte.*) Weit großartiger war der von Throckmorton entworfene Reiſeplan, nach welchem Herr Thomas von Orleans über Lyon nach den Küſten des Mittelmeeres bis Marſeille reiſen ſollte, um von hier über Nimes, Toulouſe, Bordeaux und die Städte an der Loire nach Paris zurückzukehren. Dieſe Reiſe ſollte zwar auf die billigſte Weiſe mit der Poſt gemacht werden, aber ſie kam dennoch weit teuerer, und Windebank ſchätzte die Reiſekoſten auf mindeſtens 300 Kronen. Eine Poſt koſtete für 4 Perſonen 3 Frcs. 12 Sous, bis Lyon allein aber brauchte man 30 Poſten, was eine Ausgabe von 43 Kronen 12 Sous bedeutete. ³)
¹) 299, Cec. a. Windeb. 10. Sept 2²) 344, Cec. a. Windeb. 3. Okt. 3) 360 u. 368, Wind. a. Cec. 8. u. 14. Okt. 4) S. 362, Throck. a. Cecil 9. Okt. 5) S. 390, Cec. a. Wind. 4. Nov. 6) 417, Throck. a. Cec. 26. Nov. ⁷) 419 u. 454, Wind. a. Cec. 2. Nov. u. 26. Dez 1561. 8) 506, Wind. a. Cec. 26. Jan. 1562.
9) 544, Wind. a. Cec. 4. März 1562.


