77
zu langen Morgenſchlafs. Windebank bat deshalb den Vater, den jungen Thomas darüber zu ermahnen. Den genauen Rechenſchaftsbericht, den Cecil verlangte, vermochte er noch nicht zu geben. Die Reiſe nach Paris und verſchiedene Be⸗ dürfniſſe hatten etwa 100 Kronen gekoſtet. Die mitgebrachten Pferde hatte man für die Summe von 65 Kronen ver⸗ kauft, wovon aber Thomas den Erlös für ſein eignes Pferd für ſich behalten hatte, um ihn nach Gutdünken zu ver— brauchen. Windebank wünſchte aber gerade darüber die Anſicht des Vaters zu hören. An Geld fehlte es zunächſt nicht, denn Greſham hatte einen auf 300 Kronen lautenden Kreditbrief eingeſchickt. ¹)
Nach Throckmortons Plan ſollte der junge Cecil etwa 14 Tage bis 3 Wochen dazu verwenden, um von dem Hof ſoviel kennen zu lernen, als zweckmäßig ſei, ſodann wollte er ihm zur Erlernung des Franzöſiſchen eine beſſere Unterkunft verſchaffen. ²)
Dieſe Veränderung fand jedoch erſt Anfang Auguſt ſtatt.*) Gegen eine Bezahlung von 25 Kronen im Monat fand der junge Thomas mit ſeiner Begleitung Unterkommen bei einem Hofmann, der gelehrt war, im Krieg ein Amt bekleidet hatte und in der Religion parteilos dachte. Als notwendig bezeichnete Windebank die Anſchaffung eines Pferdes und einer Pferdedecke, die in Frankreich ſogar Reitern von geringem Stande niemals fehlte. Dazu kamen noch etwa *ℳ 20 für die Winterkleider des jungen Herrn. ⁴)
Bis jetzt hatte Thomas ſeine Zeit nur als Höfling verbracht. Gelernt hatte er nach ſeinem eigenen Geſtändnis ſo gut als nichts. Großen Eindruck hatte auf ihn der ſchreckliche Kampf zwiſchen einem Löwen und 3 Hunden gemacht, bei welchem die letzteren Sieger blieben. Aber ſowohl er als ſein Mentor hofften dem beſorgten Vater beſſere Nach⸗ richten über die Förderung der Studien ſchreiben zu können, wenn ſie einmal in Ruhe und Ordnung wären. ⁵) Die neue Wohnung nahm nun allerdings die Gelegenheit zum Verkehr mit dem Hof, aber das Franzöſiſche und noch mehr das Lateiniſche machte Herrn Thomas gar keinen Spaß. Ein Hindernis bildete ſein ſteter Verkehr mit Landsleuten, beſonders mit dem Grafen von Hertford, den Windebank auch aus andern Gründen nicht gern ſah. ⁰) Unangenehm war auch, daß der treue engliſche Diener Thomas Kendall ſeit der Ankunft in Frankreich ſo kränkelte, daß Cecil ihm jetzt die Erlaubnis zur Rückkehr gegeben hatte. Von ſeinem Erſatz durch einen Franzoſen wollte der Vater aber nichts wiſſen. Die Faulheit des Sohnes betrübte ihn nicht wenig, er machte Windebank dafür verantwortlich und drohte Thomas zurückzurufen.“) Dem Sohn aber ſchrieb Cecil, er wünſche ihm Gottes Segen und hoffe, daß er dieſen auch verdienen möge. Daß Thomas ſo ſelten ſchrieb, befremdete ihn; er verlangte franzöſiſche oder lateiniſche Briefe, denn er wollte wiſſen, wofür er ſein Geld ausgebe. Als aber ſpäter die Koſten immer noch wuchſen, forderte Cecil die Einſendung eines von Windebank und Thomas unterſchriebenen Haushaltungsbuchs. Bei der damals in Paris herrſchenden Peſt warnte er vor zu ſpäten und zu reichlichen Mahlzeiten und gab in demſelben Schreiben Auftrag, einen geſchickten Mann für ſeinen Garten ausfindig zu machen. ⁵)
Am 22. Auguſt bezog Thomas wegen der Peſt einen 6 Meilen von Paris gelegenen Ort. ²) Bezüglich der Koſten aber mußte Windebank bekennen, er habe ſich geirrt, wenn er anfangs glaubte, 300 Kronen würden 7—8 Monate reichen, ſie genügten kaum für fünf. Zugleich erlaubte er ſich von neuem an das Pferd zu erinnern, das Cecils Sohn fehle; alle Edelleute des Landes ritten, und das Anſehen leide, wenn man zu Fuß gehe. In einer Hinſicht hielt es allerdings auch Windebank für beſſer, daß Herr Thomas kein Pferd habe. Er würde dann im Winter eher zu Hauſe bleiben und weniger die Geſellſchaft ſeiner Landsleute aufſuchen. 1⁰0) Zunächſt jedoch mußte der junge Thomas aus anderen Gründen zu Hauſe bleiben. Er hatte ſich durch zu leidenſchaftliches Tennisſpielen dermaßen erhitzt, daß er ſich eine heftige Erkältung mit Fieber zuzog. Seine Krankheit verurſachte außerordentliche Koſten, hatte jedoch den Erfolg, daß er den Vater durch Windebank demütig um Verzeihung bat, weil er nicht ſchreibe. Er gelobte Beſſerung und ſchrieb auch wirklich bald darnach einen kleinen franzöſiſchen Brief, den er aber vorſichtigerweiſe ſo hinlegte, daß ihn Windebank etwa hätte leſen und verbeſſern können. Letzterer meldete Cecil, die eingeforderte genaue Abrechnung werde Kendall bringen. Von ſeinem Zögling hoffte er, die überſtandene Krankheit werde ihm zur Warnung dienen, aber er verwahrte ſich dagegen, daß man ihm anderer Leute Fehler zur Laſt lege, denn mehr als guten Rat und gutes Beiſpiel könne er nicht geben. Die geringen Erfolge, die Thomas bis jetzt ſein Aufenthalt in der Fremde eingebracht hatte, ſchrieb Windebank ſeinem Umgang zu, beſonders dem Grafen von Hertford. ¹¹)
1¹) S. 172 73, Windeb. a. Cecil, 10. Juli. 2) S. 161, Throck. a. Cec. 29. Juni. 3) 205, Thr. a. 26. Juli.
4) 197, Wind. a. Cec. 25. Juli. 5) S. 197, Th. Cecil a. d. Vater 25. Juli. 6) S. 234, Wind. a. Cec. 4. Aug. 7) S. 240, Wind. a. Cec. 9. Aug.; 259 Cecil a. Wind. 17. Aug.
8) S. 279, Cecil a. Thomas C. 27. Aug.; 299, Cec. a. Wind. 10. Sept.
9) S. 282, Throck. a. Cec. 30. Aug. 1⁰) S. 275, Wind. a. Cec. 24. Aug.
11) S. 295, Windeb. a. Cec. 9. Sept.; 310/11, Windeb.& Thomas C. an W. Cec. 19. Sept.


