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rüſtung gehörig verlangte der deutſche Führer auch die Lieferung von 10 Fahnen. Die Königin gab daher Greſham den Auftrag, ſich bei Pickering zu erkundigen, ob auch andre Fürſten ſich bei dergleichen Fällen auf ſolche Forderungen einließen. Wenn dem ſo wäre, ſollte Greſham die Beſchaffung der Fahnen nach Landesbrauch beſorgen, jedoch in den Farben der Königin, weiß und grün mit rotem Kreuz. ¹) Wallerthum wurde nun von Philipp und Maria förmlich zum Oberſten der 10 Fähnlein oder 3000 Mann ernannt, die er aus Sachſen und Oſtdeutſchland brachte, um England bei dem Krieg gegen Frankreich während der nächſten 6 Monate zu verteidigen. ²) Die Artikel, die ſeine Soldaten im Dienſte Philipps und Marias zu beſchwören hatten, wurden übergeben, und es wurde feſtgeſetzt, daß jeder Soldat vom nächſten Juni an 4 rheiniſche Gulden den Monat erhalten ſollte. Auch die Bezüge von Wallerthum und ſeinen Haupt⸗ offizieren wurden beſtimmt. Unter dieſen erhielt der Feldſcher monatlich 32 und der Henker 16 Gulden. ³)
Der kluge und fromme deutſche Oberſt beabſichtigte aber dem engliſchen Geldbeutel noch mehr zu entziehen. Am 25. Mai meldete er dem König, dem Herzog von Savoyen und den Lords des Rats von ſeinem Eifer, mit welchem er die Leute ausrüſte und zum Teil ſchon zur Muſterung abſchicke, aber, fügte er hinzu, für viele von ihnen müſſe er einen Vorſchuß von 3 Kronen verlangen in Anbetracht ihres Dableibens während ſeiner letzten Aufwartung bei Hof, ſo⸗ wie dafür, daß ſie ſich während dieſer Zeit des Dienſtes andrer Fürſten enthalten hätten und für ihre Ausgaben bei der Muſterung. Wallerthum fand jedoch kein Verſtändnis für den ſonderbaren Inhalt ſeiner Briefe, man lachte darüber und wollte von anderen Abmachungen als den ſchon abgeſchloſſenen nichts wiſſen.)
Am 26. Juli 1558 ſollte das deutſche Regiment in Newcaſtle eintreffen. Dem Truppeninſpektor Brend, dem Grafen von Weſtmoreland, dem Bürgermeiſter und den Aldermen der Stadt Neweaſtle wurden von ſeiten der Königin die nötigen Anweiſungen erteilt. Die Deutſchen ſollten zur Erholung von den Strapazen der Seereiſe kurze Zeit in der Stadt bleiben und für ihr Geld in Bezug auf Unterkommen und Bedürfniſſe gut behandelt werden. Ihre ſpätere zweckmäßige Verteilung an der Grenze war dem Grafen von Weſtmoreland überlaſſen, der das Amt eines Statthalters in jenem Gebiet bekleidete. 5)
Unterdeſſen hatte in den Niederlanden bei Utrecht ganz im Anfang Juli die Muſterung des Regiments ſeatt⸗ gefunden. Allein die habgierigen Wünſche von Wallerthum und ſeinen Begleitern bereiteten Pickering noch ſchwere Stunden. Es kam wegen des Soldes nochmals zu lebhaften Auseinanderſetzungen, und erſt nach vielen Umſtändlichkeiten und großem Zank wurde die monatliche Bezahlung auf etwa 29 500 fl. feſtgeſetzt. Pickering zahlte jetzt die erſte Monats⸗ löhnung, jedoch unter großer Mühe, weil er davon 3643 fl. für die Lieferung von Waffen und Rüſtung abzog. Am Morgen des 4. Juli brach das jetzt marſchfertige Regiment gegen Antwerpen auf. ⁰) Auf Befehl von König Philipp war in letzter Stunde über die deutſchen Söldner anders verfügt worden. Sie ſollten vorerſt in Flandern bleiben und nur im Falle der Not nach England eingeſchifft werden.“) Das Regiment kam jedoch nicht dorthin. Nach der Rech⸗ nung, die Pickering am 1. Aug. 1559 aufſtellte, blieb es noch bis zum 4. Mai dieſes Jahres in engliſchem Dienſt.*) Unter der Regierung der ſparſamen und praktiſchen Eliſabeth bezogen zwar eine Reihe deutſcher Fürſten engliſche Pen⸗ ſionen, allein trotz der Kriegsgefahren in ihren erſten Regierungsjahren wollte man vorerſt nichts von der Verwendung deutſcher Söldner in England ſelbſt wiſſen. Es wurde in Betracht gezogen, daß ſie im entſcheidenden Fall ſchließlich zu ſpät ankommen könnten, außerdem aber unvernünftig koſtſpielig ſeien. ⁰)
¹1) Das. 376, Mary a. Gresh. 18. Mai 1558. She wishes to have them of her colour, viz., white and green with red crosses.
2²) Das. 378, 780.
3) Das. 780 /83. Among these officers the chirurgeon is to have 32 and the hangman 16 florins per mensem. The pay of each soldier be at the rate of four Rhenish guilders per month. May 1558. Westminster.
4) Das. S. 380 /81, Pickering an d. Königin, 5. Juni 1558.
5) Cal. of St. P. Dom. 1661— 3, Addenda 1547— 65 S. 479/80.
6) Cal. of St. P. For. 1553— 58. S. 387, Pickering an Maria 4. Juli 1558; concluded with them for 29,500 florins a month, or thereabouts..
7) Das. S. 388, Pick. a. d. Königin 24. Juli.
s) Cal. of St. P. For. 1558/59 S. 436.
9) Das. 523, Discussion of the weighty matter of Scotland. Aug 1559. It may be said that Engl. may also have Almains; but some chance may happen, that they come too late, and they are unreasonably chargeful. Vergl. Karl Heinrich Schaible, Gesch. der Deutschen in Engl. Strassburg 1885, S. 184; E. Bekker, Giess. Studien IV. II. Königin Elisab. u. d. deutsche Söldnermarkt.
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