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im Jan. 1550 London, da ſich keine weitere Ausſicht bot, dem König zu dienen. ¹) Der Sohn des Lüneburgers war unzufrieden mit ſeiner Bezahlung. Will man die Leute des Herzogs Otto im Dienſt behalten, meldete Dymock von Hamburg, ſo muß der Lebensunterhalt ſeines Sohnes erhöht werden, oder man muß ihm ſeine Schulden bezahlen und ihn zu ſeinem Vater laſſen, denn 500 Kronen genügen nicht für ihn in England. ²) Auch der alte Herzog Otto war nicht ſonderlich zufrieden mit dem Angebot einer Penſion von 1500 Kronen, denn es bedurfte großer Überredung, ihn dazu zu beſtimmen, für dieſe Summe zu dienen. Der Oldenburger aber erklärte, wahrſcheinlich auf Anſtiften des Grafen von Mansfeld, er würde England nicht billiger dienen als Frankreich, dies aber gebe ihm ſelbſt 2000 Kronen und die⸗ ſelbe Summe zum Unterhalt von 12 Hauptleuten. ³) Ende Dez. 1549 erhielt der Herzog Otto von Braunſchweig⸗Lüne⸗ burg ſeine Penſion von£ 375 unter Staatsſiegel zugeſichert, aber zufrieden war er deshalb doch nicht, denn im De— zember des folgenden Jahres ſah ſich König Eduard genötigt, ihm perſönlich zu ſchreiben, die Finanzen Englands ge— ſtatteten nicht, ſein Geſuch um mehr Geld zu erfüllen. ⁴)
Daß auch im Sommer 1549 noch Deutſche im Norden Englands dienten, beweiſen zwei Zahlungsanweiſungen an den Staatsſekretär Smith für Vorſchüſſe, die er fünf vornehmen Deutſchen bei ihren Ausgaben im Norden gemacht hatte, und ſieben anderen Deutſchen, die zum Dienſt nach Norden geſchickt wurden. ⁵)
Die Werbungen Dymocks in Niederdeutſchland führten zu keinem Ergebnis. Man fürchtete hier einen Angriff des Kaiſers. Die Ratsherren von Bremen und Hamburg, ſowie die Gräfin von Emden weigerten ſich, Schiffe zur Überfahrt von Truppen herzugeben oder fremden Schiffen zu dieſem Zweck die Einfahrt in ihre Häfen zu geſtatten. Dänemark und Frankreich drohten mit Zwangsmaßregeln zur See, falls eine ſolche Erlaubnis gegeben würde. Reiter konnte Dymock genug haben, allein ihr Transport kam ſehr teuer; zudem verlangten ſie täglich für Mann und Roß 5 Thaler. ⁶) Schließlich aber glückte es doch, die Herren von Hamburg dahin umzuſtimmen, daß ſie unter dem Vor— behalt möglichſter Geheimhaltung die Einſchiffung von Truppen 7 Meilen von Hamburg geſtatteten. Dymock verſprach ſein Beſtes zu thun, um die Zahl der Söldner auf 2000 zu bringen und vermeldete auch, wenn S. Majeſtät 300 gut ausgeſtattete Reiter wolle, ſo ſei der Befehlshaber eines Hafens des Herzogs Hans von Holſtein, ein gewiſſer Anton Raſſow gern bereit, bei einem Sold von 3 franzöſiſchen Kronen für jedes Pferd bis zur Überfahrt nach England zu dienen. Mit Konrad Pfenyng war der Engländer nicht mehr zufrieden, denn dieſer ließ täglich viele Soldaten weg— laufen; der Dienſt unter ihm ſtand in üblem Ruf, man erzählte ſich, die Leute würden in Verpflegung und Bezahlung wie Tiere und nicht wie Chriſtenmenſchen behandelt. Dymock hatte deshalb einen anderen Feldhauptmann ausfindig gemacht, einen vortrefflichen Führer und hochgewachſenen Mann Namens Wilhelm Wallerthum. Von anderen Hauptleuten, die noch in Betracht kamen, war Hackford zwar wohl bekannt, allein er genoß wenig Anſehen und galt für einen großen Prahler. Dazu ſtand der Graf von Ritburg unter ihm, den Dymock als ſchlimmen Meuterer kannte. Er diente einſt vor Boulogne mit Eitel Wolf, und der Protektor ſowie ſein Rat wußten noch ſehr wohl, was er hier angerichtet.*)
Aus dem engliſchen Dienſt der Deutſchen wurde damals nichts, allein Wallerthum hielt die einmal angeknüpften Beziehungen warm. Im Februar 1552 meldete er dem König Eduard, infolge der Übergabe von Magdeburg ſeien vortreffliche Truppen zu haben. Zugleich bat er, ſeine Penſion und Sporteln als Ritter nicht etwa durch die Änderung des laufenden Geldes in England zu beeinträchtigen. Beſcheiden ſchloß er ſein Schreiben mit der Nachricht, er werde nach Oſtern heiraten, und es würde ihn überaus freuen, wenn der König zu dieſer Feſtlichkeit einen ſeiner Vertreter in Deutſchland ſchicken würde und zu ſeiner größeren Ehrung ſowie zur Beſtreitung der Koſten auch eine Hochzeitsgabe. ⁵)
Unter Eduard fand ſich für den deutſchen Führer keine Verwendung mehr, dagegen wurde er unter Maria be— auftragt, 3000 Landsknechte zum Schutz der ſchottiſchen Grenze zu werben. Deutſches Fußvolk treffen wir unter dieſer Fürſtin ſchon im Jahr 1555 in England, und auch die königliche Leibwache ſetzte ſich zum Teil aus deutſchen, zum Teil aus ſpaniſchen Hellebardieren zuſammen. 9) Anfang Mai 1558 erhielt der Oberſt Wilhelm Wallerthum durch William Pickering 3400 Kronen, um 10 Fähnlein deutſchen Fußvolks für den Dienſt der Königin auszurüſten. ¹⁰) Als zur Aus⸗
¹) Das. 48, 209.
2²) Das. 31, 136, Dymock u. d. Protector 18. April 1549. ³) Das. 30, 129, Dym. a. d. Prot. 24. März.
4) Das. 47, 205 u. 62, 261. 5) St. P. Dom. 1547— 80 S. 18, 28; 19, 2.
6) St. P. For. 1547— 53. S. 31, 134 Dym. a. Sir. Phil. Hoby, 11. April 1549. Besides they will not serve under five dollars per diem for every horse and man.
7) Das. 33, Dym. a. d. Protector u. d. Council, 5. 6. u. 11. Mai 1549.
8) Das. 211, Wallerth. a. Edward VI. 24. Febr. 1552.
9) Cal. of St. P. Venetian 1555 /56, Giovanni Michiel, Ven. Amb. i. Engl., to the Doge. London 27. Aug., 21. Okt., 3. Dez. 1555.
1⁰) Cal. of St. P. For. 1553—58. S. 372, 763.


