1. Deutſche Sprache, deutſche Weiſen, Wie ergreifen ſie das Herz, Wie verklären ſie die Seele, Ihre Freude, ihren Schmerz.
2. Was die Bruſt mit Jubel füllet, Strömt die Lippe aus im Wort, Und in ſüßen Heimatlauten Pflanzt der Freude Ton ſich fort.
Die Sprache.
Es ſei der Mutterſprache Klang und Weſen Und ihres Geiſtes lebenwirkend Schaffen
Der feſte Grund, auf dem wir ſteh'n und bauen; Doch auch der fremden Laute recht Verſtändnis Will ich mit Fleiß in Deinen Kindern wecken. Denn aller Orten auf der weiten Erde
Wirkt eines Geiſtes allgewaltig Wehen.
Iſt auch verſchieden Form und Ton und Farbe, In die ſich ſeines Odems Kinder hüllen,
So hat ſie eine Mutter doch geboren,
Und eine Liebe jedem zugeteilet,
Wo ſeine Wohnung ſei und ſeine Hütte,
Und eine Sonne ſtrahlt auf alle nieder
Und ruft ſie wach, zu leben und zu wirken.
Geſchichte(vortretend.)
Und wie ſie fröhlich wirken aller Orten,
Wo ſie zuerſt das Licht der Sonne ſahen,
Und wie ſie leben, brüderlich geordnet,
In jedem Land mit ihres Stamm's Genoſſen; Was ſie erſtreben, ſinnen und erfinden,
Und wer ſie führt und weiſe Satzung vorſchreibt, Der Selbſtſucht wehrend, Recht und Unrecht wägend, Ein Weiſer ſeinem Volk, ein Held, ein Krieger, Ein Herzog ſeiner Scharen, ein Beſieger
Des Feindes, der ſich naht des Landes Marken: Das grab' ich in die Tafeln der Geſchichte,
Daß es die Nachwelt lobe oder richte.
Und was auf meine Tafeln ich geſchrieben,
Das halt' ich vor den kommenden Geſchlechtern, Auch Deinen Kindern, daß ſie es erfaſſen,
Das Gute lieben und das Böſe haſſen,
Und es erkennen in der Wahrheit Licht,
Die Weltgeſchichte ſei das Weltgericht!
Chor.
3. Und des Herzens tiefes Sehnen Und ſein ungeſtilltes Leid, O, wie ſchallt's in Wort und Tönen Hin durch Land und Volk und Zeit!
4. Deutſche Sprache, deutſche Lieder, In der Fremde und zu Haus, Laut erſchallt und klinget wieder Mächtig in die Welt hinaus!
Naturwiſſenſchaft.
Du, Schweſter, biſt die ſtrenge Richterin.
Mit ernſten Blicken durch die Zeiten ſchreitend, Und Weltgeſchicke vor die Seele führend, Machſt Du zumeiſt das Menſchenherz erbeben. So laß als freundliche Gefährtin mich
Und frohen Herzens Dir zur Seite ſtehen,
Die jungen Seelen fröhlich dahin leiten,
Wo Gottes Sonne ſcheint auf grüne Saaten, In Waldesdunkel und in lichte Thäler.
Laß mich ſie weg vom Haſſen und vom Lieben Der Menſchenkinder in die offnen Arme
Der treuen Mutter alles Werdens führen,
Daß ſie in ihrem Schoß ſich glücklich fühlen, Geſunden an dem Buſen der Natur.
Wie ſie ſich bräutlich ſchmückt zur Zeit des Maien, Ihr Sommerkleid, des Herbſtes reiche Gaben, Das will ich ihrem frohen Auge zeigen,
Und will ſie lehren, wie es ward gewoben
Und ausgeziert vom Vater aller Güte.
Auch die Geſetze ihres Werdens zeig' ich
Dem jungen Geiſt und führe ihn hinunter
Bis in der Erde Kammern, in des Meeres Geheimnisvolle Tiefen, in die Lüfte,
Und lehre ihn des Vogels Flug und Sprache. Was lebt und webt und wirkt im weiten Reiche Der allernährenden Natur, erfreue
Das jugendliche Herz. Nichts ſoll es ſchrecken; Zur Freude ſoll's, zum Licht und Leben wecken.
Darmſtadia.
Seid mir geſegnet, Kind und Kindeskinder! O, möge niemals Euer Geiſt uns fehlen, Erfaſſen mächtig unſrer Kinder Scharen. Willkommen all, ihr Genien des Wahren!


