Aufsatz 
Unser Landheim zu Niedernhausen i. O. : Warum strebte die Eleonorenschule nach einem Landheim? / Dr.Heldmann
Entstehung
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lancherlei Infragen flogen hinaus in die heimiſchen Berge, Beſichtigungen fanden hie und da ſtatt, endlich gelang es den Bemühungen eines Umts⸗ genoſſen, ein hHaus die frühere Kleinkinderſchule und Krankenſchweſterſtation der evang. Kirchen⸗ gemeinde Hliedernhauſen am Fußze des Schloſſes Lichtenberg ausfindig zu machen. Ende ärz 1922 zogen wir dort fröhlich ein.

Unſere Behörde begrüßte das Unter⸗ nehmen. Sie gab uns volle Freiheit für die von uns gewählte éinrichtung, und ihre hertreter freuten ſich mit uns über das Treiben in unſerem heim, das ſeine Eigenart nunmehr ſchon ſechs Jahre lang erprobt hat. Leider blieb unſer Dor⸗ gehen in fjeſſen vereinzelt. In den übrigen keilen des Daterlandes hat die TLandheimbewegung mehr Erfolge gezeitigt. Uber 150 Schulen haben zur Zeit Landheime. Soweit ſich die bisherige Ent⸗ wicklung überſchauen läßt, ſind dieſe faſt gleich⸗ zeitig entſtanden, jedenfalls aus denſelben 6ründen wie das Landheim der Eleonorenſchule. Sie ſind alle aus der Hlot der Zeit geboren. Es gab keine Schriften darüber, man wußtte nichts von wiſſen⸗ ſchaftlichen Theorien; ſie haben ſich erſt nachträg⸗ lich eingeſtellt. Das Bedürfnis an Landheimen war da, ſo ward es geſtillt. Die bſicht, die wir mit dieſer Deröffentlichung verfolgen, geht nun dahin, auch die übrigen Rnſtalten unſeres Landes anzuregen, einmal den 6edanken des Landheims zu erwägen.

Was uns in unſerem plane beſtärkte und alle hinderniſſe überwinden ließ, war die Uber⸗ zeugung von dem hohen ert der 6e⸗ meinſchaftserziehung neben der geſundheit⸗ lichen Förderung der uns anvertrauten Schülerinnen. éinwände mußten natürlich erwogen, abgewogen und überwunden werden. Ein ſchwerwiegen⸗ des Bedenken iſt die Störung des Unter⸗ richts. Daß der Schulunterricht durch den acht⸗ tägigen Hufenthalt einer ganzen Klaſſe während der Schulzeit beeinträchtigt wird, iſt ohne weiteres zuzugeben. Der Lehrer, der mit ſeiner Klaſſe hinausgeht nur in den kerien finden ſich dort Sammelklaſſen ein hat ja nicht nur in ſeiner Klaſſe Unterricht, in den anderen Klaſſen muß er vertreten werden. n unſerer finſtalt ſorgt jeder hinausgehende mtsgenoſſe ſelbſt für dieſe Der⸗ tretung und reicht dann vor dem Rufbruch, der gewöhnlich am Iontag ſtattfindet, den Dertretungs⸗ plan ein. Zur Dertretung werden in erſter Linie die in der Woche freiwerdenden Lehrkräfte der

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betreffenden klaſſe herangezogen. ber eine Störung des Unterrichts bleibt immerhin beſtehen. Die Landheimklaſſe erfährt in der lat eine der⸗ minderung der Stundenzahl und dies zweimal im Jahr um je eine loche. Denn bei 21 klaſſen wird im allgemeinen zweimal je eine Woche im LCandheim zugebracht, und eigentlichen Unterricht erteilen wir draußen grundſätzlich nicht. Hber das was ſo verloren geht, wird durch anderes erſetzt und ausgeglichen. Der Rufenthalt auf dem Lande, die vielen Wanderungen in die heimiſchen Berge bringen eine Fülle von finſchauungen, die dem Unterricht in Erdkunde und 6eologie, Haturkunde, Sternkunde und 6eſchichte zugute kommen. In die Landwirtſchaft gewinnen die Schülerinnen einen Einblick, der ihnen ſonſt verſagt bleibt. Sie lernen die kTätigkeit des Landwirts kennen und durch gern gewährte leilnahme ſchätzen. Sie denken beim Wechſel von Sonnenſchein und Regen nicht nur an die eignen Spaziergänge, ſondern verſtehen auch die Bedeutung der Witterung für den Hckers⸗ mann. Sie ſehen, daß die Bebauung des keldes einen Wechſel der Fruchtart bei der Beſtellung verlangt. Sie gehen mit hinein in die Ställe, wenn das Dieh gefüttert oder gemolken wird, und ſind ſtolz darauf, ſelbſt mithelfen zu dürfen. Sie treten beim heumachen, bei der 6etreide⸗ und Kartoffel⸗ ernte mit in die Hrbeiterreihe des befreundeten Bauernhauſes und gewinnen ſo einen(inblick in die Mühen, Sorgen und Freuden des Landwirts.

Die unteren klaſſen werden von zwei Frauen⸗ Schülerinnen begleitet, denen die Sorge für das haus und die Küche anvertraut iſt. Die kleineren Schülerinnen helfen abwechſelnd bei der fausarbeit. Die oberen Klaſſen ſorgen für ſich ſelbſt. Sie ſind dafür in 6ruppen eingeteilt. Hier ordnet man die Zimmer, dort hilft man in der Küche, da deckt man die liſche und trägt Speiſen auf. So werden ſie im haushalt angeleitet, und wir wiſſen, daß die Eltern auch dieſer frt Tätigkeit Beifall zollen.

Unſere Schülerinnen haben reichlich 6elegen⸗ heit und benutzen ſie auch, mit den Bewohnern des Dorfes und der weiteren Umgebung in lehrreiche Berührung zu kommen. Sie lernen von ihnen praktiſche Tätigkeit, vor allem aber auch als 6roßſtadtkinder die Erforderniſſe des Lebens und der wirtſchaftlichen Derhältniſſe kennen. Sie treten ein in die Schmiede, in die Werkſtatt der hHandwerker, in die Mühle, in die Dreherei der»éailchesmacher« und in die Feder⸗ halterfabriken. Sie ſchauen ſich um beim Bäcker